ClariMedClariMed
Onkopedia/DGHOOnkologie

Systemische Mastozytose: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hauptkriterium der Diagnose sind kompakte Mastzellinfiltrate (≥15 Zellen) im Knochenmark oder anderen extrakutanen Organen.
  • Die Einteilung erfolgt in nicht-fortgeschrittene (ISM, SSM, BMM) und fortgeschrittene Formen (ASM, SM-AHN, MCL).
  • Über 90 % der Patienten weisen eine aktivierende KIT-Mutation (meist KIT D816V) auf.
  • Die Basistherapie umfasst H1-/H2-Blocker zur Symptomkontrolle sowie eine konsequente Osteoporose-Prophylaxe.
  • Bei fortgeschrittener SM (AdvSM) kommen zielgerichtete KIT-Inhibitoren wie Midostaurin oder Avapritinib zum Einsatz.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die systemische Mastozytose (SM) ist durch eine pathologische Vermehrung neoplastischer Mastzellen im Knochenmark und anderen Organsystemen gekennzeichnet. In über 90 % der Fälle liegt eine aktivierende KIT-Mutation (meist KIT D816V) vor, die zu einer stammzellfaktorunabhängigen klonalen Expansion der Mastzellen führt. Die klinischen Symptome entstehen entweder durch die Freisetzung von Mediatoren (z.B. Histamin, Tryptase) oder durch direkte Organschäden infolge der Zellinfiltration.

Diagnosekriterien (WHO 2022)

Für die Diagnose müssen entweder ein Hauptkriterium und mindestens ein Nebenkriterium oder drei Nebenkriterien erfüllt sein.

KriteriumBeschreibung
HauptkriteriumHistologischer Nachweis multifokaler, kompakter Infiltrate aus ≥15 Mastzellen im Knochenmark (KM) oder einem anderen extrakutanen Organ.
Nebenkriterium 1Atypische spindelförmige Mastzellen (≥25 % aller Mastzellen) im KM oder extrakutan.
Nebenkriterium 2Nachweis einer KIT-Punktmutation (v.a. D816V) in Blut, KM oder extrakutanen Organen.
Nebenkriterium 3Expression der Oberflächenmarker CD2, CD30 und/oder CD25 auf Mastzellen.
Nebenkriterium 4Persistierende Serum-Tryptase >20 µg/l (gilt nicht bei Vorliegen einer assoziierten hämatologischen Neoplasie).

Klassifikation und klinisches Bild

Die Erkrankung wird in nicht-fortgeschrittene (non-AdvSM) und fortgeschrittene Formen (AdvSM) unterteilt.

SubtypCharakteristika
Indolente SM (ISM)Häufigste Form (ca. 65 %). Geringe KM-Infiltration, oft Hautbeteiligung. Normale Lebenserwartung. Symptome durch Mediatoren (Flush, Pruritus, Anaphylaxie, Osteoporose).
Smoldering SM (SSM)Hohe Mastzelllast (Tryptase >200 µg/l, KM-Infiltration >30 %), Organomegalie ohne Funktionseinschränkung (B-Findings).
Aggressive SM (ASM)Organschäden durch Infiltration (C-Findings: Zytopenien, Leberschaden, Malabsorption, große Osteolysen).
SM-AHNSM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (meist myeloisch, z.B. MDS, MPN, CMML). Häufigste AdvSM-Form (>80 %).
Mastzell-Leukämie (MCL)≥20 % Mastzellen im KM-Ausstrich. Schlechteste Prognose (Überleben oft <1,5 Jahre).

Diagnostik und Staging

Die Basisdiagnostik zur Beurteilung der Krankheitslast umfasst:

  • Blutbild und Serum: Differenzialblutbild, Tryptase (Ausschluss hereditäre Alpha-Tryptasämie), Leberwerte (AP, GGT), LDH, Albumin, Vitamin D.
  • Knochenmark: Aspirat und Stanzbiopsie (Zytologie, Histologie, Immunhistochemie, Durchflusszytometrie).
  • Molekulargenetik: KIT D816V-Mutationsanalyse (quantitativ) aus KM und Blut. Bei AdvSM erweitertes NGS-Panel (z.B. SRSF2, ASXL1, RUNX1 zur Prognoseabschätzung).
  • Bildgebung: Sonografie (Abdomen/Lymphknoten), Osteodensitometrie (DXA) bei Erstdiagnose.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem Subtyp, der Symptomlast und dem Vorliegen von Organschäden.

Symptomatische und supportive Therapie (Basistherapie)

Diese Maßnahmen kommen bei allen Patienten, insbesondere bei der non-AdvSM, zum Einsatz.

IndikationTherapiemaßnahmeBemerkung
Anaphylaxie / MediatorenH1- und H2-BlockerBasisprophylaxe. Notfallset (Adrenalin-Pen) bei Anaphylaxie-Risiko. Vermeidung von Triggern.
GastrointestinalH2-Blocker, PPH, CromoglicinsäureProtonenpumpenhemmer (PPH) zeitversetzt zu H2-Blockern einnehmen.
Osteopenie / OsteoporoseVitamin D, BisphosphonateBisphosphonate frühzeitig ab einem T-Score von <-2 einsetzen.

Zielgerichtete und zytoreduktive Therapie (AdvSM)

Bei fortgeschrittener SM ist eine zytoreduktive Therapie indiziert, um Organschäden zu begrenzen.

WirkstoffIndikationEvidenz / Bemerkung
MidostaurinPrimärtherapie der AdvSM (ASM, SM-AHN, MCL)Multikinase/KIT-Inhibitor. Führt zu Reduktion der Mastzelllast und Verbesserung der C-Findings.
AvapritinibAdvSM nach systemischer Vortherapie; schwere ISMSpezifischer KIT-Inhibitor. Tiefe Remissionen möglich. Cave: Thrombozyten müssen >50.000/µl sein (Blutungsrisiko).
CladribinAdvSM ohne rasche ProgressionOff-label. Meist partielles Ansprechen.
PolychemotherapieRasch progrediente ASM, SM-AML, MCLAngelehnt an AML-Schemata.
Allogene SZTFitte Patienten mit AdvSMEinzige potenziell kurative Therapieoption. Frühzeitige Vorstellung in Transplantationszentrum empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf Mastozytose immer die basale Serum-Tryptase. Ein normaler Wert schließt die Erkrankung jedoch nicht aus. Denken Sie bei unklarer Osteoporose oder rezidivierenden Anaphylaxien an eine indolente systemische Mastozytose (ISM).

Häufig gestellte Fragen

Durch ein Hauptkriterium (kompakte Mastzellinfiltrate im Knochenmark) und/oder Nebenkriterien (atypische Morphologie, KIT-Mutation, CD2/CD25/CD30-Expression, Tryptase >20 µg/l).
Die indolente SM (ISM) zeigt vor allem mediatorvermittelte Symptome (z.B. Flush, Anaphylaxie) bei normaler Lebenserwartung. Die fortgeschrittene SM (AdvSM) führt durch Organinfiltration zu Organschäden (C-Findings wie Zytopenien oder Leberschäden).
Zugelassen sind die KIT-Inhibitoren Midostaurin (als Erstlinientherapie) und Avapritinib (nach systemischer Vortherapie).
Eine Osteodensitometrie (DXA) sollte bei Erstdiagnose und im Verlauf durchgeführt werden, da Osteopenie und Osteoporose sehr häufige Komplikationen sind. Eine Bisphosphonat-Therapie sollte bereits ab einem T-Score von <-2 erwogen werden.

Verwandte Leitlinien