Mirikizumab bei Colitis ulcerosa: Therapie & Dosierung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Mirikizumab. Der Wirkstoff wird zur Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa bei Erwachsenen eingesetzt.
Die Bewertung fokussiert sich auf erwachsene Personen, die auf eine konventionelle Therapie oder ein Biologikum unzureichend angesprochen haben. Auch ein Wirkverlust oder eine Unverträglichkeit gegenüber diesen Vortherapien stellt eine Indikation für die Behandlung dar.
Ziel der IQWiG-Dossierbewertung ist der Vergleich von Mirikizumab mit der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie. Daraus leitet sich ab, ob ein therapeutisch bedeutsamer Zusatznutzen für die Betroffenen im deutschen Versorgungsalltag besteht.
Empfehlungen
Laut IQWiG unterteilt sich die Bewertung in zwei Fragestellungen, abhängig von der Vortherapie. Für beide Gruppen wurde eine spezifische zweckmäßige Vergleichstherapie definiert.
Vergleichstherapie nach Vorbehandlung
Für Personen mit Versagen einer konventionellen Therapie gilt als Vergleich:
-
Ein TNF-α-Antagonist (Adalimumab, Infliximab oder Golimumab)
-
Alternativ Vedolizumab
-
Alternativ Ustekinumab
Für Personen mit Versagen eines Biologikums gilt als Vergleich:
-
Ein Wechsel auf Vedolizumab, Tofacitinib oder Ustekinumab
-
Alternativ ein TNF-α-Antagonist (Adalimumab, Infliximab oder Golimumab)
Bewertung der Evidenz
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für das Dossier die placebokontrollierten Studien LUCENT 1 und LUCENT 2 ein. Das IQWiG bewertet diese Studien als nicht geeignet für den Nachweis eines Zusatznutzens.
Der Grund hierfür ist, dass die Personen im Placeboarm keine aktive Therapie im Sinne der zweckmäßigen Vergleichstherapie erhielten. Ein direkter oder adjustierter indirekter Vergleich mit den geforderten Wirkstoffen wurde nicht durchgeführt.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der fehlenden geeigneten Studiendaten kommt der Bericht zu einem eindeutigen Ergebnis.
Für beide Fragestellungen gilt laut IQWiG:
-
Es liegt kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen vor.
-
Ein Zusatznutzen von Mirikizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist somit nicht belegt.
Dosierung
Die Fachinformation sieht ein zweistufiges Dosierungsschema für Mirikizumab vor. Die intravenöse Gabe erfolgt als Infusion, während die Erhaltungstherapie subkutan verabreicht wird.
| Therapiephase | Dosis und Applikation | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Induktionstherapie | 300 mg intravenös (i.v.) über mind. 30 Minuten | Wochen 0, 4 und 8 |
| Erhaltungstherapie | 200 mg subkutan (s.c.) | Alle 4 Wochen (ab Woche 12 bei Ansprechen) |
| Erweiterte Induktion | 300 mg intravenös (i.v.) | Wochen 12, 16 und 20 (bei fehlendem Ansprechen in Woche 12) |
| Reinduktion | 300 mg intravenös (i.v.) | Alle 4 Wochen für max. 3 Dosen (bei Wirkverlust unter Erhaltungstherapie) |
Bei älteren Personen oder bei Vorliegen einer Nieren- oder Leberfunktionsstörung ist laut Dokument keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen folgende absolute Kontraindikationen für die Anwendung von Mirikizumab:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Klinisch bedeutsame aktive Infektionen (z. B. aktive Tuberkulose)
Besondere Warnhinweise
Der Bericht listet zudem wichtige Vorsichtsmaßnahmen auf, die während der Therapie beachtet werden sollten:
-
Infektionen: Das Risiko für schwere Infektionen kann erhöht sein. Bei Entwicklung einer schweren Infektion sollte ein Absetzen erwogen werden.
-
Tuberkulose: Vor Therapiebeginn ist ein Screening auf Tuberkulose durchzuführen.
-
Leberwerte: Eine Überwachung der Leberenzyme (ALT, AST) und des Bilirubins wird zu Behandlungsbeginn und monatlich während der Induktionsphase empfohlen.
-
Impfungen: Die Gabe von Lebendimpfstoffen sollte unter der Therapie vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt aus dem IQWiG-Bericht ist die Diskrepanz zwischen der arzneimittelrechtlichen Zulassung und dem belegten Zusatznutzen. Obwohl Mirikizumab für die Behandlung der Colitis ulcerosa zugelassen ist, konnte mangels direkt vergleichender Studien gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie kein Zusatznutzen belegt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Verordnung im Hinblick auf das Wirtschaftlichkeitsgebot besonders sorgfältig abgewogen und dokumentiert werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Mirikizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Es wurden keine geeigneten direkt vergleichenden Studien für die Bewertung vorgelegt.
Die Induktion erfolgt mit 300 mg intravenös in den Wochen 0, 4 und 8. Bei Ansprechen wird die Therapie ab Woche 12 mit einer subkutanen Erhaltungsdosis von 200 mg alle 4 Wochen fortgesetzt.
Vor Behandlungsbeginn wird ein Screening auf Tuberkulose sowie die Kontrolle der Leberenzyme und des Bilirubins empfohlen. Zudem sollte der Impfstatus überprüft und fehlende Impfungen vor Therapiebeginn ergänzt werden.
Die Fachinformation rät von der Anwendung von Lebendimpfstoffen während der Behandlung mit Mirikizumab ab. Es liegen keine Daten zum Impfansprechen unter dieser Therapie vor.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A23-73: Mirikizumab (Colitis Ulcerosa) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A24-84: Risankizumab (Colitis ulcerosa) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A22-91: Upadacitinib (Colitis ulcerosa) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-155: Filgotinib (Colitis ulcerosa) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A23-38: Upadacitinib (Morbus Crohn) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-166: Ozanimod (Colitis Ulcerosa) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen