WHO2025

Milzbrand (Anthrax): Diagnostik, Therapie und PEP

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Milzbrand (Anthrax) ist eine Zoonose, die durch das grampositive, sporenbildende Bakterium Bacillus anthracis verursacht wird. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist akzidentell durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten tierischen Produkten.

Die Leitlinie unterscheidet vier primäre Eintrittspforten: die Haut (macht bis zu 95 % der Fälle aus), den Gastrointestinaltrakt, die Atemwege sowie die direkte Injektion. Unabhängig vom Übertragungsweg kann die Infektion zu einer disseminierten Erkrankung wie Sepsis oder Meningoenzephalitis fortschreiten.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist sehr selten und tritt nur bei direkter Berührung von Hautläsionen eines Infizierten auf. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis sieben Tage, kann aber insbesondere nach inhalativer Exposition deutlich länger ausfallen.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie (2025) formuliert folgende Kernempfehlungen zum klinischen Management von Milzbrand:

Diagnostik

Laut Leitlinie wird bei entsprechendem klinischem Syndrom und relevanter Expositionsanamnese eine mikrobiologische Diagnostik empfohlen. Proben sollten vor Beginn der Antibiotikatherapie entnommen werden, wobei die Behandlung dadurch keinesfalls verzögert werden darf.

Zur Bestätigung wird eine Kultur oder ein PCR-Test empfohlen. In ressourcenlimitierten Settings kann eine direkte Mikroskopie erfolgen, die typischerweise grampositive Stäbchen in "Waggon-Form" (boxcar-shaped) zeigt.

Infektionsprävention und -kontrolle (IPC)

Es werden Standardvorkehrungen sowie eine Risikobewertung für persönliche Schutzausrüstung empfohlen. Zusätzlich ist eine Kontaktisolierung erforderlich, solange ein Patient Hautläsionen aufweist, die Flüssigkeit, Eiter oder Blut absondern.

Die Leitlinie betont folgende spezifische Hygienemaßnahmen:

  • Händewaschen muss zwingend mit Wasser und Seife erfolgen.

  • Alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel oder 0,05%ige Chlorlösungen sind gegen Sporen unwirksam und sollten nicht verwendet werden.

  • Verbandsmaterialien von Hautläsionen sind als infektiöser Abfall zu entsorgen.

Therapieprinzipien

Die Antibiotikatherapie richtet sich nach der klinischen Manifestation und sollte so früh wie möglich empirisch begonnen werden. Sobald Antibiogramme vorliegen, wird eine gezielte Anpassung der Therapie empfohlen.

Die Leitlinie definiert folgende Behandlungsdauern, wobei vor dem Absetzen immer eine deutliche klinische Besserung dokumentiert sein muss:

  • Unkomplizierter kutaner Milzbrand: Monotherapie für mindestens 7 Tage.

  • Systemischer Milzbrand: Kombinationstherapie für mindestens 14 Tage.

  • Anthrax-Meningitis: Kombinationstherapie für mindestens 21 Tage.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Bei dokumentierter oder vermuteter inhalativer Exposition wird eine Impfung sowie eine verlängerte orale Antibiotikaprophylaxe über 42 bis 60 Tage empfohlen. Bei gastrointestinaler Exposition kann eine kurze Prophylaxe über 10 Tage erfolgen.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt folgende empirische Dosierungsschemata für Erwachsene. Bei bekannter Penicillin-Empfindlichkeit können Penicillin-Derivate eingesetzt werden.

Unkomplizierter kutaner Milzbrand (Monotherapie)

MedikamentDosis ErwachseneIndikation / Bemerkung
Doxycyclin100 mg alle 12 h p.o.Mittel der Wahl bei unbekannter Penicillin-Empfindlichkeit
Ciprofloxacin500 mg alle 12 h p.o.Alternative bei unbekannter Penicillin-Empfindlichkeit
Amoxicillin1 g alle 8 h p.o.Nur bei nachgewiesener Penicillin-Empfindlichkeit
Penicillin V500 mg alle 6 h p.o.Nur bei nachgewiesener Penicillin-Empfindlichkeit

Systemischer Milzbrand (Kombinationstherapie)

MedikamentDosis ErwachseneRolle in der Kombinationstherapie
Ciprofloxacin400 mg alle 12 h i.v. oder 750 mg alle 12 h p.o.Basistherapie (bei unbekannter Resistenzlage)
Ampicillin2 g alle 6 h i.v.Basistherapie (nur bei Penicillin-Empfindlichkeit)
Clindamycin900 mg alle 8 h i.v. oder 600 mg alle 8 h p.o.Kombinationspartner bei Inhalations-, Injektions- oder schwerem kutanem Milzbrand
Gentamicin3 mg/kg alle 24 h i.v.Kombinationspartner bei gastrointestinalem Milzbrand

Anthrax-Meningitis (Kombinationstherapie)

MedikamentDosis ErwachseneRolle in der Kombinationstherapie
Ciprofloxacin400 mg alle 12 h i.v. oder 750 mg alle 12 h p.o.Basistherapie (bei unbekannter Resistenzlage)
Rifampicin600 mg alle 12 h i.v. oder p.o.Kombinationspartner (ZNS-gängig)
Vancomycin1 g alle 12 h i.v.Alternativer Kombinationspartner (ZNS-gängig)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Doxycyclin als Postexpositionsprophylaxe bei Kindern unter 8 Jahren, wenn eine verlängerte Einnahmedauer erforderlich ist. Dies wird mit dem Risiko von Knochenablagerungen und Zahnverfärbungen begründet.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Carbapeneme aufgrund der AWaRe-Klassifikation und begrenzter Verfügbarkeit in ressourcenlimitierten Settings nicht als Erstlinientherapie empfohlen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie betrifft die Händehygiene: Alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel sind gegen die Sporen von Bacillus anthracis wirkungslos. Es wird daher dringend empfohlen, nach jedem Patientenkontakt die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine orale Monotherapie mit Doxycyclin oder Ciprofloxacin für mindestens 7 Tage empfohlen. Bei bekannter Penicillin-Empfindlichkeit kann auch Amoxicillin oder Penicillin V eingesetzt werden.

Es werden Standardvorkehrungen empfohlen. Zusätzlich ist eine Kontaktisolierung erforderlich, solange der Patient Hautläsionen aufweist, die Flüssigkeit, Eiter oder Blut absondern.

Die Leitlinie empfiehlt bei inhalativer Exposition eine verlängerte orale Antibiotikaprophylaxe über 42 bis 60 Tage. Hierfür werden primär Ciprofloxacin oder Doxycyclin eingesetzt.

Nein, die Leitlinie betont, dass die empirische Antibiotikatherapie so schnell wie möglich begonnen werden soll. Proben sollten idealerweise vorher entnommen werden, dürfen den Therapiebeginn aber nicht verzögern.

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Quelle: Anthrax: implementation guidance for clinicians (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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