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WHO2025

Meningitis-Leitlinie 2025: Diagnostik & Therapie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Lumbalpunktion (LP) sollte schnellstmöglich und idealerweise vor Beginn der Antibiotikatherapie erfolgen.
  • Eine kraniale Bildgebung vor der Lumbalpunktion wird nur bei spezifischen Warnzeichen (z. B. GCS < 10, fokale Defizite) empfohlen.
  • Die kalkulierte intravenöse Antibiotikatherapie muss so früh wie möglich (innerhalb einer Stunde) beginnen.
  • Ceftriaxon oder Cefotaxim sind Mittel der ersten Wahl; bei Listerien-Risiko ist Ampicillin oder Amoxicillin zu ergänzen.
  • Dexamethason sollte zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe verabreicht werden, außer bei Meningokokken-Epidemien.
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Hintergrund

Die akute Meningitis ist ein weltweites Gesundheitsproblem. Die WHO-Leitlinie (2025) fokussiert sich auf die ambulant erworbene akute Meningitis bei Kindern (ab 1 Monat), Jugendlichen und Erwachsenen. Häufigste bakterielle Erreger sind Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis und Haemophilus influenzae.

Diagnostik und Lumbalpunktion

Eine Lumbalpunktion (LP) sollte schnellstmöglich erfolgen, vorzugsweise vor Beginn der antimikrobiellen Therapie, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.

  • Starke Empfehlung: Durchführung von Gram-Färbung, Zellzahl (gesamt und differenziert), Proteinkonzentration, Glukosekonzentration und Liquor-Blut-Glukose-Quotient.
  • Bedingte Empfehlung: Bestimmung von Liquor-Laktat, sofern noch keine Antibiotika verabreicht wurden.
  • Starke Empfehlung: PCR-basierte molekulare Tests auf relevante Erreger im Liquor.
ParameterBakterielle MeningitisVirale Meningitis
AussehenTrüb / wolkigKlar
ZellzahlDeutliche Pleozytose (Neutrophile)Moderate Pleozytose (Lymphozyten)
Liquor-Blut-GlukoseNiedrigNormal
ProteinDeutlich erhöhtNormal oder leicht erhöht
LaktatErhöht (vor Antibiotikagabe)Normal

Blutkulturen sollten vor der ersten Antibiotikagabe abgenommen werden.

Kraniale Bildgebung

Eine routinemäßige kraniale Bildgebung vor der LP wird stark abgeraten.

Indikation für Bildgebung vor LPBemerkung
Glasgow Coma Score (GCS) < 10Verdacht auf erhöhten Hirndruck
Fokale neurologische DefiziteAusschluss raumfordernder Läsionen
Hirnnervenausfälle
Stauungspapille
Neu aufgetretene KrampfanfälleNur bei Erwachsenen relevant
Schwere Immunsuppression

Starke Empfehlung: Die Therapie darf durch die Bildgebung oder eine verzögerte LP nicht verzögert werden.

Kalkulierte Antibiotikatherapie

Die empirische intravenöse Therapie muss so früh wie möglich (innerhalb des 1-Stunden-Fensters) nach Aufnahme beginnen.

Indikation / RisikoprofilEmpfohlene TherapieBemerkung
Standard (Kinder & Erwachsene)Ceftriaxon oder Cefotaxim i.v.Mittel der ersten Wahl
Risiko für Listeria monocytogenesZusätzlich Ampicillin oder Amoxicillin i.v.Alter >60, Schwangerschaft, Immunsuppression
Hohe Prävalenz von ResistenzenZusätzlich Vancomycin i.v.Bei Penicillin-/Cephalosporin-Resistenz

Die Therapiedauer beträgt bei unbekanntem Erreger (außerhalb von Epidemien) 7 Tage, sofern der Patient klinisch genesen ist.

Adjuvante Therapie

  • Starke Empfehlung: Intravenöse Kortikosteroide (Dexamethason, Hydrocortison oder Methylprednisolon) sollten zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe gestartet werden.
  • Wenn die Liquor-Ergebnisse nicht zu einer bakteriellen Meningitis passen, sind die Kortikosteroide abzusetzen.
  • Ausnahme: Bei Meningokokken-Epidemien sollen Kortikosteroide nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Eine routinemäßige Flüssigkeitsrestriktion wird nicht empfohlen.

Nachsorge und Sequelae

  • Starke Empfehlung: Formelles Hörscreening vor der Entlassung (oder innerhalb von 4 Wochen danach).
  • Starke Empfehlung: Frühzeitige Rehabilitation bei neurologischen oder physischen Folgeschäden.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie niemals die erste Antibiotikagabe durch das Warten auf eine kraniale Bildgebung oder Lumbalpunktion. Das 1-Stunden-Fenster ist prognostisch entscheidend.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei Warnzeichen wie GCS < 10, fokalen neurologischen Defiziten, Stauungspapille, Hirnnervenausfällen, neuen Krampfanfällen (bei Erwachsenen) oder schwerer Immunsuppression.
Ceftriaxon oder Cefotaxim i.v. Bei Risikofaktoren für Listerien (z. B. Alter > 60, Schwangerschaft) muss Ampicillin oder Amoxicillin ergänzt werden.
Es sollte bei Verdacht auf bakterielle Meningitis mit der ersten Antibiotikagabe gestartet werden. Bestätigt sich der Verdacht nicht, wird es abgesetzt. Bei Meningokokken-Epidemien wird es nicht empfohlen.
Außerhalb von Epidemien kann die Therapie nach 7 Tagen beendet werden, sofern der Patient klinisch vollständig genesen ist.

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