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NIH Office of AIDS Research / IDSA2020InfektiologieImmunologieInnere Medizin

Bakterielle Darminfektionen bei HIV: Leitlinie (NIH/IDSA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NIH Office of AIDS Research / IDSA Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Risiko für bakterielle Darminfektionen korreliert mit der Immunsuppression (höchstes Risiko bei CD4 <200 Zellen/mm³).
  • Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe vor Reisen wird nicht empfohlen.
  • Bei Salmonellose müssen alle HIV-Patienten aufgrund des hohen Bakteriämie-Risikos antibiotisch behandelt werden.
  • Fidaxomicin ist die bevorzugte Therapie bei initialen und rezidivierenden C. difficile-Infektionen.
  • Die empirische Therapie bei schweren Verläufen erfolgt intravenös mit Ceftriaxon (oder Carbapenem bei Verdacht auf Shigella/Campylobacter-Bakteriämie).
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Hintergrund

HIV-Patienten haben ein mindestens 10-fach erhöhtes Risiko für gramnegative bakterielle Darminfektionen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Das Risiko korreliert stark mit der Immunsuppression und ist bei einer CD4-Zellzahl <200 Zellen/mm³ am höchsten. Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Shigella, Campylobacter und nicht-typhöse Salmonella spp. Auch Clostridioides difficile tritt häufig auf, wobei eine CD4-Zellzahl <50 Zellen/mm³ einen unabhängigen Risikofaktor darstellt.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt primär über Stuhlkulturen und molekulare Methoden (PCR).

  • Vor Beginn einer empirischen Antibiose sollten Stuhlproben gewonnen werden.
  • Bei Nachweis durch PCR sollte immer eine Stuhlkultur zur Resistenztestung nachgefordert werden.
  • Bei Diarrhö und Fieber müssen immer Blutkulturen abgenommen werden, da das Risiko für eine Bakteriämie (insbesondere bei Salmonellen) stark erhöht ist.
  • Auf Endoskopien kann primär verzichtet werden, es sei denn, Stuhl- und Blutdiagnostik bleiben ohne Befund.

Empirische Therapie

Die Entscheidung zur empirischen Therapie richtet sich nach der CD4-Zellzahl und der klinischen Schwere. Antimotilitäts-Medikamente (z. B. Loperamid) sollten bei Verdacht auf entzündliche Diarrhö oder C. difficile vermieden werden (BIII).

CD4-Zellzahl / KlinikEmpfohlene Maßnahme / Therapie
>500 Zellen/mm³ (1-2 Tage milde Diarrhö)Orale Rehydratation, keine Antibiotika
200-500 Zellen/mm³ (moderate Diarrhö)Azithromycin 500 mg PO/Tag für 5 Tage (BIII) ODER Ciprofloxacin 500-750 mg PO alle 12h für 5 Tage (BIII)
<200 Zellen/mm³ oder schwere Diarrhö/FieberStationäre Aufnahme, Ceftriaxon 1-2 g IV alle 24h (BIII) (Carbapenem bei Verdacht auf Campylobacter/Shigella-Bakteriämie)

Erregerspezifische Therapie

Die Therapie sollte nach Vorliegen des Antibiogramms angepasst werden, da die Resistenzraten (insbesondere gegen Fluorchinolone) weltweit steigen.

ErregerBevorzugte TherapieAlternativenTherapiedauer
Nontyphöse SalmonellaCiprofloxacin 500-750 mg PO alle 12h (AIII)Levofloxacin, Ceftriaxon, TMP-SMXCD4 ≥200: 7-14 Tage; CD4 <200: 2-6 Wochen
Shigella spp.Ciprofloxacin 500-750 mg PO alle 12h (AIII)Levofloxacin, Azithromycin, CeftriaxonGastroenteritis: 5-7 Tage; Bakteriämie: ≥14 Tage
Campylobacter spp.Azithromycin 500 mg PO/Tag (BIII) ODER Ciprofloxacin (BIII)LevofloxacinGastroenteritis: 7-10 Tage (Azithromycin 5 Tage)

Wichtige Kernaussagen:

  • Salmonellose: Im Gegensatz zu immunkompetenten Patienten müssen alle HIV-Patienten mit Salmonellose antibiotisch behandelt werden (AIII).
  • Bakteriämie: Azithromycin ist bei Bakteriämien durch Shigellen oder Campylobacter nicht empfohlen (AIII).

Clostridioides difficile (CDI)

Die Therapie der CDI bei HIV-Patienten unterscheidet sich nicht von der bei HIV-negativen Patienten.

  • Bevorzugte Therapie: Fidaxomicin 200 mg PO 2x/Tag für 10 Tage (AI)
  • Alternative Therapie: Vancomycin 125 mg PO 4x/Tag für 10 Tage (AI)
  • Bei Nichtverfügbarkeit (nur milde CDI): Metronidazol 500 mg PO 3x/Tag für 10 Tage (CI)

Schwangerschaft

Bei schwangeren Patientinnen sind Cephalosporine mit erweitertem Spektrum (z. B. Ceftriaxon) oder Azithromycin die Mittel der ersten Wahl (BIII). Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) sollte im ersten Trimenon aufgrund des Risikos für Fehlbildungen vermieden werden (BIII). Falls es dennoch eingesetzt wird, ist eine Supplementierung mit 4 mg/Tag Folsäure erforderlich (BIII).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei HIV-Patienten mit entzündlicher Diarrhö strikt auf loperamidhaltige Medikamente und nehmen Sie bei Fieber immer Blutkulturen ab, da das Risiko für eine Salmonellen-Bakteriämie massiv erhöht ist.

Häufig gestellte Fragen

Ja, im Gegensatz zu immunkompetenten Patienten sollten alle HIV-Patienten aufgrund des 20- bis 100-fach erhöhten Bakteriämie-Risikos behandelt werden.
Bei CD4 >500 und milder Klinik reicht Rehydratation. Bei CD4 200-500 und moderater Klinik kann oral (z.B. Azithromycin) behandelt werden. Bei CD4 <200 oder schweren Symptomen ist eine IV-Therapie (z.B. Ceftriaxon) indiziert.
Die Therapie unterscheidet sich nicht von HIV-negativen Patienten. Bevorzugt wird Fidaxomicin (200 mg PO 2x/Tag für 10 Tage) oder alternativ orales Vancomycin.
Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe wird nicht empfohlen. Nur in seltenen Fällen bei starker Immunsuppression kann Rifaximin oder Azithromycin erwogen werden.

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