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WHO2020

Masern-Ausbruch: Leitlinie zu Management & IPC (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle Verdachtsfälle erfordern eine sofortige Meldung an die Gesundheitsbehörden und eine strikte Isolierung (Airborne Precautions).
  • Kinder unter 5 Jahren mit Masernverdacht erhalten sofort bei Diagnose und am Folgetag altersadaptiert Vitamin A.
  • Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird nicht empfohlen, bei bakteriellen Superinfektionen ist jedoch eine frühzeitige empirische Therapie indiziert.
  • Schwere Verläufe mit Warnzeichen (z. B. Atemnot, Bewusstseinstrübung, Dehydration) erfordern eine sofortige Hospitalisierung.
  • Medizinisches Personal muss eine Masern-Immunität (z. B. durch zwei Impfdosen) nachweisen können.
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Hintergrund

Masern sind hochkontagiös und werden primär durch Tröpfchen und Aerosole (Airborne Transmission) übertragen. Das Virus kann in geschlossenen Räumen bis zu 2 Stunden in der Luft infektiös bleiben. Die Inkubationszeit beträgt 10 bis 14 Tage (Spanne 7–23 Tage).

Typische Symptome umfassen:

  • Prodromalfieber
  • Husten, Coryza (Schnupfen) oder Konjunktivitis
  • Koplik-Flecken (rötliche Flecken mit weißem Zentrum auf der Wangenschleimhaut)
  • Makulopapulöses Exanthem (beginnt 2–4 Tage nach Prodromalstadium im Gesicht, breitet sich generalisiert aus)

Falldefinitionen (Surveillance)

Für die öffentliche Gesundheitsüberwachung gelten folgende Klassifikationen:

KlassifikationDefinition
VerdachtsfallPatient mit Fieber und makulopapulösem Exanthem ODER klinischer Verdacht durch medizinisches Personal.
Laborbestätigter FallPositiver Test in einem qualifizierten Labor (Impf-assoziierte Erkrankung ausgeschlossen).
Epidemiologisch gelinkter FallKein Labor, aber geografischer und zeitlicher Zusammenhang (7–23 Tage Abstand des Exanthembeginns) zu einem bestätigten Fall.
Klinisch kompatibler FallFieber, Exanthem und mind. 1 Symptom (Husten, Coryza, Konjunktivitis), ohne adäquate Probe und ohne epidemiologischen Link.

Triage und Warnzeichen

Patienten mit klinischem Masernverdacht müssen sofort isoliert werden (chirurgischer Mund-Nasen-Schutz für den Patienten). Eine Hospitalisierung ist bei Vorliegen folgender Warnzeichen zwingend erforderlich:

  • Krampfanfälle, Lethargie oder Bewusstlosigkeit
  • Atemnot, Stridor (Masern-Krupp) oder schwere thorakale Einziehungen
  • Unfähigkeit zu trinken oder zu stillen, Erbrechen jeglicher oraler Nahrungsaufnahme
  • Hornhauttrübung (Corneal Clouding)
  • Tiefe oder ausgedehnte Mundulzera
  • Dehydration oder schwere Mangelernährung

Patienten ohne diese Warnzeichen können ambulant behandelt und zu Hause isoliert werden.

Infektionsprävention und Kontrolle (IPC)

Die strikte Einhaltung von Isolationsmaßnahmen ist essenziell, um nosokomiale Übertragungen zu verhindern.

  • Isolierung: Bevorzugt im Einzelzimmer mit Unterdruck (Airborne Infection Isolation Room, AIIR). Alternativ Kohortierung von bestätigten Fällen in abgetrennten Bereichen.
  • Dauer: Bis zur Entlassung oder 4 Tage nach Auftreten des Exanthems. Bei immunsupprimierten Patienten für die gesamte Dauer der Erkrankung.
  • Personal: Nur Personal mit nachgewiesener Immunität (zwei Impfdosen oder positiver IgG-Titer) darf Masernpatienten versorgen.

Medikamentöse Therapie und Vitamin A

Eine spezifische antivirale Therapie (z. B. Ribavirin) wird routinemäßig nicht empfohlen. Die Behandlung erfolgt supportiv.

Vitamin-A-Gabe

Alle Kinder unter 5 Jahren mit Masernverdacht müssen sofort bei Diagnose und am Folgetag Vitamin A erhalten. Dies senkt die Mortalität signifikant.

AlterVitamin-A-DosisBemerkung
< 6 Monate50.000 IESofort und am Folgetag
6–11 Monate100.000 IESofort und am Folgetag
12–59 Monate200.000 IESofort und am Folgetag

Hinweis: Bei klinischen Zeichen eines Vitamin-A-Mangels (z. B. Bitot-Flecken) erfolgt eine dritte Dosis nach 4–6 Wochen. Bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter mit Verdacht auf Vitamin-A-Mangel sind aufgrund möglicher Teratogenität niedrigere, tägliche Dosen (5.000–10.000 IE über 4 Wochen) indiziert.

Symptomatische Therapie

SymptomMaßnahme
FieberParacetamol
MundulzeraSpülung mit sauberem Salzwasser (4x täglich). Bei bakterieller Superinfektion: Antibiotika.
AugenbeteiligungBei eitrigem Sekret: Bakterielle Superinfektion mit z. B. Tetracyclin-Augensalbe (3x täglich für 7 Tage) behandeln. Keine steroidhaltigen Salben.

Management von Komplikationen

Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird nicht empfohlen. Bei Verdacht auf bakterielle Superinfektionen muss jedoch frühzeitig empirisch behandelt werden.

Schwere Pneumonie

  • Sauerstofftherapie: Ziel-SpO2 > 94 % (bei Schock) bzw. > 90 % (ohne Schock).
  • Antibiotika (Kinder): Ampicillin oder Penicillin G + Gentamicin. Bei fehlender Besserung nach 48h Wechsel auf Cephalosporine der 3. Generation (z. B. Ceftriaxon).

Dehydration

Die Rehydratation erfolgt nach WHO-Standardplänen:

  • Plan A (Keine Dehydration): Zusätzliche Flüssigkeit (ORS) zu Hause.
  • Plan B (Leichte/Moderate Dehydration): ORS (75 ml/kg über 4 Stunden).
  • Plan C (Schwere Dehydration): Intravenöse Flüssigkeit (Ringer-Laktat oder 0,9 % NaCl mit Dextrose), 100 ml/kg altersadaptiert fraktioniert.

Sepsis und Schock

  • Volumengabe: Isotonische Kristalloide (0,9 % NaCl oder Ringer-Laktat). Initialer Bolus von 10–20 ml/kg über 30–60 Minuten.
  • Vasopressoren: Bei persistierendem Schock Adrenalin oder Noradrenalin erwägen.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie jedem Kind unter 5 Jahren mit Masernverdacht sofort bei Diagnose die erste Dosis Vitamin A und klären Sie die Eltern über die zweite Dosis am Folgetag auf. Achten Sie bei der Triage strikt auf das Aufsetzen eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes beim Patienten.

Häufig gestellte Fragen

Kinder <6 Monate: 50.000 IE, 6-11 Monate: 100.000 IE, 12-59 Monate: 200.000 IE. Die Gabe erfolgt sofort bei Diagnose und nochmals am Folgetag.
Nein. Antibiotika sind nur bei Verdacht auf bakterielle Sekundärinfektionen (z. B. Pneumonie, Sepsis) indiziert.
Bis zur Entlassung oder für 4 Tage nach Auftreten des Exanthems (je nachdem, was zuerst eintritt). Immunsupprimierte Patienten müssen für die gesamte Dauer der Erkrankung isoliert werden.
Standard- und aerogene Schutzmaßnahmen (Airborne Precautions). Bevorzugt Einzelzimmer mit Unterdruck (AIIR); alternativ Kohortierung von bestätigten Fällen.
Postexpositionsprophylaxe (PEP) verabreichen und Freistellung von der Arbeit vom 5. Tag nach der ersten Exposition bis zum 21. Tag nach der letzten Exposition.

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