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WHO2025

Bakterielle Meningitis & Meningokokken: WHO-Falldefinitionen

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO unterscheidet Falldefinitionen fuer die Routine-Surveillance und fuer die Ausbruchsuntersuchung.
  • Ein Verdachtsfall fuer akute bakterielle Meningitis in der Routine erfordert ploetzliches Fieber (≥38,0 °C) und mindestens ein klassisches Meningismus-Zeichen.
  • Bei Ausbruechen werden die klinischen Kriterien fuer Verdachtsfaelle erweitert (z.B. um Bewusstseinsstoerungen oder Krampfanfaelle), um die Sensitivitaet zu erhoehen.
  • Wahrscheinliche Faelle stuetzen sich auf spezifische Liquorbefunde (z.B. trueber Liquor, Leukozyten >1000/mm3 oder positive Antigentests).
  • In humanitaeren Notlagen mit hohem Risiko kommen vereinfachte, syndrombasierte Definitionen zum Einsatz.
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Hintergrund

Akute bakterielle Meningitis (ABM) und invasive Meningokokken-Erkrankungen (IMD) sind weltweit bedeutende Gesundheitsbedrohungen. Die WHO hat 2025 standardisierte Falldefinitionen aktualisiert, um die Routine-Surveillance und das Ausbruchsmanagement zu vereinheitlichen. Diese Definitionen dienen primaer der Ueberwachung und ersetzen nicht die klinische Beurteilung oder Therapieentscheidungen.

Akute Bakterielle Meningitis (ABM)

Die Kriterien unterscheiden sich je nach epidemiologischer Situation. Ein Verdachtsfall in der Routine erfordert klassische Meningismus-Zeichen, waehrend bei Ausbruechen die Kriterien sensibler gefasst werden. Fieber ist definiert als Koerpertemperatur ≥38,0 °C.

StatusRoutine-SurveillanceAusbruchsuntersuchung
VerdachtsfallPloetzliches Fieber UND Nackensteifigkeit, Brudzinski, Kernig oder vorgewoelbte Fontanelle (Saeuglinge)Wie Routine, ZUSAETZLICH moeglich: starke Kopfschmerzen + Erbrechen, Bewusstseinsstoerung, Photophobie, fokale Defizite, neue Krampfanfaelle
Wahrscheinlicher FallVerdachtsfall + trueber Liquor, Leukozyten >1000/mm3, Leukozyten >100/mm3 + Glukose-Ratio <0,4 / Glukose <2,2 mmol/l / Protein >1 g/l ODER positiver AntigentestIdentisch zur Routine-Surveillance
Bestaetigter FallVerdachtsfall/Wahrscheinlicher Fall + positive Kultur, PCR oder Gram-Faerbung (Liquor/Blut)Identisch zur Routine-Surveillance

Invasive Meningokokken-Erkrankung (IMD)

Bei der IMD wird in der Routine-Surveillance auf die klinische Verdachtsdiagnose gesetzt. Bei einem bestaetigten Ausbruch kommen spezifischere Kriterien zum Tragen, die auch Sepsis-Verlaeufe abdecken.

StatusRoutine-SurveillanceAusbruchsuntersuchung
VerdachtsfallKlinische Verdachtsdiagnose einer IMDPloetzliches Fieber UND Meningismus, Bewusstseinsstoerung, haemorrhagischer Hautausschlag, Schock, starke Kopfschmerzen, GI-Beschwerden oder konstitutionelle Symptome
Wahrscheinlicher FallVerdachtsfall + Gram-negative Diplokokken oder positiver Antigentest (N. meningitidis) aus sterilem MaterialWie Routine, ZUSAETZLICH: Liquorkriterien der akuten bakteriellen Meningitis
Bestaetigter FallVerdachtsfall/Wahrscheinlicher Fall + positive Kultur oder PCR fuer N. meningitidisIdentisch zur Routine-Surveillance

Humanitaere Notlagen

In humanitaeren Krisen (z.B. Fluechtlingscamps) mit hohem Risiko fuer Uebersterblichkeit oder Ausbrueche (z.B. durch Ueberbelegung, geringe Impfquoten) empfiehlt die WHO vereinfachte Kriterien fuer die IMD, auch wenn keine formelle Surveillance existiert.

StatusKriterien bei hohem Ausbruchsrisiko
VerdachtsfallPloetzliches Fieber UND Nackensteifigkeit, Brudzinski, Kernig, Bewusstseinsstoerung, vorgewoelbte Fontanelle ODER haemorrhagischer Hautausschlag
Wahrscheinlicher FallVerdachtsfall + Gram-negative Diplokokken, positiver Antigentest ODER typische Liquorbefunde (wie bei ABM)
Bestaetigter FallPositiver Nachweis von N. meningitidis (Kultur oder PCR)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie in Nicht-Ausbruchszeiten strenge klinische Kriterien (Fieber + klassischer Meningismus) fuer die Surveillance. Sobald ein Ausbruch vermutet wird, erweitern Sie den Fokus auf atypische Symptome wie isolierte Bewusstseinsstoerungen oder starke Kopfschmerzen mit Erbrechen, um keinen Fall zu uebersehen.

Häufig gestellte Fragen

Bei ploetzlichem Fieber (≥38,0 °C) in Kombination mit mindestens einem klassischen Zeichen: Nackensteifigkeit, Brudzinski-Zeichen, Kernig-Zeichen oder vorgewoelbter Fontanelle bei Saeuglingen.
Ein trueber/purulenter Liquor, Leukozyten >1000/mm3, oder Leukozyten >100/mm3 in Kombination mit erniedrigter Glukose (<2,2 mmol/l oder Ratio <0,4) bzw. erhoehtem Protein (>1 g/l). Auch ein positiver bakterieller Antigentest reicht aus.
Bei einem Ausbruch werden auch unspezifischere Symptome wie haemorrhagischer Hautausschlag, Schockzeichen, gastrointestinale Beschwerden oder starke konstitutionelle Symptome in Kombination mit Fieber als Verdachtsfall gewertet.
Nein, die Leitlinie betont ausdruecklich, dass diese Definitionen fuer die Surveillance und Ausbruchskontrolle gedacht sind und die klinische Beurteilung sowie empirische Therapieentscheidungen nicht ersetzen duerfen.

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