Long-COVID: Diagnostik, Therapie und Rehabilitation
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie definiert anhaltende Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion ab vier Wochen als Long COVID. Bei einer Persistenz von mehr als zwölf Wochen (bei Kindern und Jugendlichen zwei Monaten) wird von einem Post-COVID-Syndrom (PCS) gesprochen.
Die genaue Pathogenese ist laut Leitlinie noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem eine Viruspersistenz, chronische Hyperinflammation, Autoimmunphänomene sowie endotheliale Dysfunktionen.
Das klinische Bild ist hochgradig heterogen und umfasst häufig Fatigue, Belastungsintoleranz, kognitive Störungen sowie respiratorische und kardiale Symptome. Die Prävalenz variiert je nach untersuchter Population stark, wobei die Mehrzahl der Patient*innen im Verlauf eine Spontanheilung oder deutliche Abschwächung der Symptome erfährt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt nachdrücklich davor, bei Patient*innen mit Fatigue unreflektiert zu körperlichem Training zu raten. Es wird empfohlen, vorab zwingend auf das Vorliegen einer Post-Exertional Malaise (PEM) zu screenen, da bei diesen Betroffenen eine körperliche oder geistige Überbeanspruchung zu einer langanhaltenden Zustandsverschlechterung führen kann. Stattdessen wird ein individuelles Energiemanagement (Pacing) angeraten.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose wird laut Leitlinie primär klinisch anhand der Anamnese und dem zeitlichen Zusammenhang zur SARS-CoV-2-Infektion gestellt. Es existiert bisher kein spezifischer Biomarker oder Laborwert, der ein Post-COVID-Syndrom beweisen oder ausschließen kann.
Die Leitlinie empfiehlt als Basisdiagnostik ein Differentialblutbild, CRP oder BSG, Kreatinin, Harnstoff, Transaminasen, TSH und einen Urin-Stix. Fakultativ können je nach Klinik und Symptomatik CK, Troponin, Ferritin, LDH, D-Dimere oder NT-proBNP ergänzt werden.
Es gibt laut Leitlinie derzeit keine Empfehlung für die routinemäßige Durchführung eines kardialen MRT in der Post-COVID-Phase. Die Untersuchung ist jedoch bei pathologischen Befunden in der Echokardiographie oder bei Verdacht auf eine Myokarditis angezeigt.
Der Verlauf wird von der Leitlinie als generell günstig beschrieben, da sich bei 80 bis 95 Prozent der Betroffenen das Riechvermögen innerhalb von ein bis zwei Monaten weitgehend wiederherstellt. Bei Persistenz über zwölf Wochen wird eine fachärztliche Abklärung und ein strukturiertes Riechtraining empfohlen.
Die Leitlinie hält fest, dass eine COVID-19-Impfung das Risiko für ein Post-COVID-Syndrom reduzieren kann. Nach einer Durchbruchsinfektion bietet die Impfung jedoch nur einen Teilschutz vor Langzeitfolgen.
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Quelle: Long/ Post-COVID (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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