ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Post-COVID-Syndrom: Kardiologie-Positionspapier (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Post-COVID-Syndrom (PCS) umfasst Symptome, die >12 Wochen nach Infektion persistieren und nicht anderweitig erklärbar sind.
  • Kardiologische Routinebefunde sind meist unauffällig; spezifische Biomarker für das PCS existieren aktuell nicht.
  • Differenzialdiagnostisch muss eine myokardiale Beteiligung (Peri-/Myokarditis) ausgeschlossen werden.
  • Bei Vorliegen einer Post-Exertional Malaise (PEM) ist bei Rehabilitationsmaßnahmen Vorsicht geboten, da eine Zustandsverschlechterung droht.
  • Es gibt keine spezifische medikamentöse PCS-Therapie; Behandlungsansätze wie Apheresen werden außerhalb von Studien nicht empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Post-COVID-Syndrom (PCS) ist definiert als persistierende Beschwerden, die auch 3 Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion vorliegen, mindestens 2 Monate anhalten und nicht durch eine andere Ursache erklärbar sind. Es handelt sich um ein Multiorgansyndrom unklarer Ätiologie. Das Risiko für ein PCS ist nach schweren Verläufen erhöht, es tritt jedoch auch nach leichten Infektionen und bei jungen, zuvor gesunden Menschen ohne Risikofaktoren auf.

Klinische Symptomatik

Das PCS kann eine Vielzahl von Organsystemen betreffen. Typischerweise finden sich in der kardiologischen Routineabklärung keine auffälligen Befunde.

OrgansystemTypische Symptome
KardiovaskulärPalpitationen, Angina pectoris, orthostatische Beschwerden
PulmonalDyspnoe, Husten
NeurologischKopfschmerzen, Schlafstörungen, Geruchs-/Geschmacksstörungen, Kognitionsstörungen
GastroenterologischBauchschmerzen, Diarrhö
PsychiatrischDepression, Angst
DermatologischFlush, Rötung

Pathophysiologische Konzepte

Die genaue Genese ist unzureichend verstanden. Es existiert kein spezifischer Biomarker zum Nachweis eines PCS. Diskutiert werden unter anderem folgende Mechanismen:

  • Immunologische Prozesse: Dysregulation des Immunsystems, Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) und chronische Inflammation.
  • Viruspersistenz: Verbleib von Virusfragmenten (Spike-Protein) oder Reaktivierung anderer Viren (z. B. Epstein-Barr-Virus).
  • Endotheliale Dysfunktion: Störungen der Mikrozirkulation und prokoagulatorische Effekte.
  • Metabolische Störungen: Veränderungen im Lipid- und Aminosäurestoffwechsel.

Kardiologische Diagnostik

Zur kardiologischen Abklärung führen meist Dyspnoe, thorakale Beschwerden, Palpitationen und Schwindel.

VerdachtsdiagnoseDiagnostik / KriterienBemerkung
Peri-/MyokarditisNT-proBNP, Troponin, Kardio-MRTRisiko im 1. Jahr nach Infektion erhöht (insb. bei stationären Verläufen).
POTS (Posturales Tachykardiesyndrom)Stehtest / KipptischuntersuchungPositiv bei HF-Anstieg >30/min in 10 Min. Stehzeit ohne pathologischen Blutdruckabfall.
PEM (Post-Exertional Malaise)Anamnese (Kanadische Konsensuskriterien)Inadäquate Erschöpfung nach Belastung (oft erst 24h verzögert).

Therapie und Management

Spezifische pharmakologische Therapien mit Wirksamkeitsbeleg für das PCS sind nicht bekannt. Die Behandlung erfolgt symptomorientiert.

MaßnahmeEmpfehlung / Evidenz
ImpfungReduziert das Risiko für die Entwicklung eines PCS signifikant.
AntikoagulationKeine Indikation bei nicht-stationär behandelten COVID-19-Patienten und PCS (D-Dimere bei PCS meist normal).
POTS-TherapieFlüssigkeits-/Salzzufuhr, Kompressionsstrümpfe. Ggf. Betablocker, Ivabradin, Midodrin oder Fludrocortison (individueller Heilversuch).
RehabilitationMultimodale Konzepte. Wichtig: Bei PEM-Symptomatik Gefahr der Verschlechterung durch Training (Pacing erforderlich!).
Experimentelle VerfahrenImmunadsorption, Lipidapherese oder hyperbare Sauerstofftherapie werden außerhalb von Studien nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Zuweisung zur Rehabilitation zwingend auf das Vorliegen einer Post-Exertional Malaise (PEM). Bei schwerer PEM droht durch klassisches körperliches Training eine Zustandsverschlechterung (Crash); hier ist das Erlernen von Pacing (Energiemanagement) essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Wenn Symptome auch 3 Monate nach der Infektion vorliegen, mindestens 2 Monate anhalten und nicht anderweitig erklärbar sind.
Es existieren bislang keine spezifischen Biomarker für das PCS. Auch Entzündungswerte oder D-Dimere sind bei Betroffenen häufig im Normbereich.
Mittels Stehtest oder Kipptischuntersuchung. Ein positiver Befund liegt vor, wenn die Herzfrequenz während der 10-minütigen Stehzeit um über 30 Schläge pro Minute ansteigt, ohne dass der Blutdruck pathologisch abfällt.
Nein. Es besteht keine Indikation für eine Thrombozytenaggregationshemmung oder Antikoagulation bei nicht-stationär behandelten COVID-19-Patienten und PCS.
Ja, aktuelle Daten belegen, dass eine Impfung das Risiko für die Entwicklung eines Post-COVID-Syndroms nach einer Infektion reduziert.

Verwandte Leitlinien