COVID-19 Therapie: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Eine antivirale Frühtherapie (Nirmatrelvir/Ritonavir oder Remdesivir) wird für Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf empfohlen.
- •Bei COVID-19-Pneumonie mit Sauerstoffbedarf soll Dexamethason (6 mg/Tag für 10 Tage) verabreicht werden.
- •Eine routinemäßige Thromboembolieprophylaxe wird im ambulanten Bereich bei milden Verläufen nicht empfohlen.
- •Hospitalisierte Patienten sollen standardmäßig eine medikamentöse Thromboembolieprophylaxe (NMH) erhalten.
- •Inhalative Steroide sollen zur COVID-19-Therapie nicht eingesetzt werden.
Hintergrund
Die Infektion mit SARS-CoV-2 verursacht primär Atemwegsinfektionen, kann aber auch andere Organe betreffen. Durch die zunehmende Immunisierung der Bevölkerung und die Omikron-Variante hat der Anteil schwerer Erkrankungen drastisch abgenommen. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Krankheitsphase: In der Frühphase stehen antivirale Ansätze im Vordergrund, in der Spätphase bei überschießender Immunreaktion immunmodulatorische Substanzen.
Risikostratifizierung
Eine zuverlässige Identifizierung von Hochrisikogruppen ist essenziell für die Indikation zur antiviralen Frühtherapie. Die Leitlinie teilt Patienten in drei Risikogruppen ein:
| Risikogruppe | Risiko für Hospitalisierung | Patientengruppen |
|---|---|---|
| Hohes Risiko | ca. 6 % | Z.n. Organtransplantation, Anti-B-Zell-Therapie, CAR-T-Zell-Therapie, starke Immunsuppression |
| Moderates Risiko | ca. 3 % | > 65 Jahre, Adipositas, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre/pulmonale/renale Vorerkrankungen |
| Geringes Risiko | ca. 0,5 % | Patienten ohne die oben genannten Risikofaktoren |
Antivirale Therapie (Frühphase)
Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf sollten innerhalb der ersten Symptomtage antiviral behandelt werden.
| Wirkstoff | Dosierung | Therapiedauer | Indikation | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|---|
| Nirmatrelvir/Ritonavir | 300 mg + 100 mg 2x/d p.o. | 5 Tage | Hohes Risiko, Start < 5 Tage nach Symptombeginn | B (sollte) |
| Remdesivir | 200 mg i.v. (Tag 1), dann 100 mg i.v. | 3 Tage | Hohes Risiko, Start < 7 Tage nach Symptombeginn | B (sollte) |
- Persistierende Infektion: Bei stark immunsupprimierten Patienten (z.B. Anti-CD20-Therapie) mit persistierender symptomatischer Infektion sollte eine antivirale Kombinationstherapie erfolgen.
Immunmodulatorische Therapie
In der Spätphase einer schweren COVID-19-Erkrankung steht die Dämpfung der Hyperinflammation im Fokus.
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| Dexamethason | 6 mg p.o./i.v. täglich | Sauerstoffbedarf oder Beatmung (WHO 5-9) | A (soll) |
| Tocilizumab | Gewichtsabhängig i.v. (Einmalgabe) | Progrediente Erkrankung mit Sauerstoffbedarf + Dexamethason | 0 (kann) |
- Wichtig: Bei Patienten ohne Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe soll keine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden erfolgen.
- Nicht empfohlene Medikamente: Inhalative Steroide sollen nicht zur COVID-19-Therapie eingesetzt werden (A).
Antikoagulation
Die Empfehlungen zur Antikoagulation richten sich nach dem Behandlungssetting und der Schwere der Erkrankung:
| Phase | Krankheitsaktivität | Empfehlung zur Antikoagulation |
|---|---|---|
| Ambulant | Mild (WHO 1-3) | Keine routinemäßige Prophylaxe. Ausnahmen bei hohem Risiko/Immobilität möglich. |
| Stationär | Moderat bis Schwer | Standardmäßige Thromboembolieprophylaxe (NMH) für alle ohne Kontraindikation. |
| Stationär (Normalstation) | Moderat (WHO 4-5) | Intensivierte Antikoagulation kann bei hohem Risiko (z.B. D-Dimere ≥ 2 mg/l) erwogen werden. |
| Stationär (Intensiv) | Schwer (WHO 6-9) | Keine therapeutische Antikoagulation ohne spezifische Indikation. Halbtherapeutisch kann erwogen werden. |
Diagnostik und Klinik
Der PCR-Nachweis gilt als Goldstandard der Diagnostik. Bei Hospitalisierung sollte stets eine Urinuntersuchung (Albuminurie, Hämaturie, Leukozyturie) erfolgen, da eine Nierenbeteiligung mit erhöhter Mortalität assoziiert ist.
Kriterien für die Intensivstation
Eine Aufnahme auf die Intensivstation sollte bei Erfüllung eines der folgenden Kriterien erfolgen:
- Hypoxämie SpO2 < 90 % (unter 2 - 4 Liter Sauerstoff/min bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe
- Atemfrequenz > 25-30/min
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie vor der Verordnung von Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) zwingend mögliche Medikamenteninteraktionen (z.B. Statine, orale Antikoagulantien, Immunsuppressiva), da Ritonavir ein starker CYP3A4-Inhibitor ist.