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COVID-19 Therapie: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine antivirale Frühtherapie (Nirmatrelvir/Ritonavir oder Remdesivir) wird für Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf empfohlen.
  • Bei COVID-19-Pneumonie mit Sauerstoffbedarf soll Dexamethason (6 mg/Tag für 10 Tage) verabreicht werden.
  • Eine routinemäßige Thromboembolieprophylaxe wird im ambulanten Bereich bei milden Verläufen nicht empfohlen.
  • Hospitalisierte Patienten sollen standardmäßig eine medikamentöse Thromboembolieprophylaxe (NMH) erhalten.
  • Inhalative Steroide sollen zur COVID-19-Therapie nicht eingesetzt werden.
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Hintergrund

Die Infektion mit SARS-CoV-2 verursacht primär Atemwegsinfektionen, kann aber auch andere Organe betreffen. Durch die zunehmende Immunisierung der Bevölkerung und die Omikron-Variante hat der Anteil schwerer Erkrankungen drastisch abgenommen. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Krankheitsphase: In der Frühphase stehen antivirale Ansätze im Vordergrund, in der Spätphase bei überschießender Immunreaktion immunmodulatorische Substanzen.

Risikostratifizierung

Eine zuverlässige Identifizierung von Hochrisikogruppen ist essenziell für die Indikation zur antiviralen Frühtherapie. Die Leitlinie teilt Patienten in drei Risikogruppen ein:

RisikogruppeRisiko für HospitalisierungPatientengruppen
Hohes Risikoca. 6 %Z.n. Organtransplantation, Anti-B-Zell-Therapie, CAR-T-Zell-Therapie, starke Immunsuppression
Moderates Risikoca. 3 %> 65 Jahre, Adipositas, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre/pulmonale/renale Vorerkrankungen
Geringes Risikoca. 0,5 %Patienten ohne die oben genannten Risikofaktoren

Antivirale Therapie (Frühphase)

Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf sollten innerhalb der ersten Symptomtage antiviral behandelt werden.

WirkstoffDosierungTherapiedauerIndikationEmpfehlungsgrad
Nirmatrelvir/Ritonavir300 mg + 100 mg 2x/d p.o.5 TageHohes Risiko, Start < 5 Tage nach SymptombeginnB (sollte)
Remdesivir200 mg i.v. (Tag 1), dann 100 mg i.v.3 TageHohes Risiko, Start < 7 Tage nach SymptombeginnB (sollte)
  • Persistierende Infektion: Bei stark immunsupprimierten Patienten (z.B. Anti-CD20-Therapie) mit persistierender symptomatischer Infektion sollte eine antivirale Kombinationstherapie erfolgen.

Immunmodulatorische Therapie

In der Spätphase einer schweren COVID-19-Erkrankung steht die Dämpfung der Hyperinflammation im Fokus.

WirkstoffDosierungIndikationEmpfehlungsgrad
Dexamethason6 mg p.o./i.v. täglichSauerstoffbedarf oder Beatmung (WHO 5-9)A (soll)
TocilizumabGewichtsabhängig i.v. (Einmalgabe)Progrediente Erkrankung mit Sauerstoffbedarf + Dexamethason0 (kann)
  • Wichtig: Bei Patienten ohne Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe soll keine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden erfolgen.
  • Nicht empfohlene Medikamente: Inhalative Steroide sollen nicht zur COVID-19-Therapie eingesetzt werden (A).

Antikoagulation

Die Empfehlungen zur Antikoagulation richten sich nach dem Behandlungssetting und der Schwere der Erkrankung:

PhaseKrankheitsaktivitätEmpfehlung zur Antikoagulation
AmbulantMild (WHO 1-3)Keine routinemäßige Prophylaxe. Ausnahmen bei hohem Risiko/Immobilität möglich.
StationärModerat bis SchwerStandardmäßige Thromboembolieprophylaxe (NMH) für alle ohne Kontraindikation.
Stationär (Normalstation)Moderat (WHO 4-5)Intensivierte Antikoagulation kann bei hohem Risiko (z.B. D-Dimere ≥ 2 mg/l) erwogen werden.
Stationär (Intensiv)Schwer (WHO 6-9)Keine therapeutische Antikoagulation ohne spezifische Indikation. Halbtherapeutisch kann erwogen werden.

Diagnostik und Klinik

Der PCR-Nachweis gilt als Goldstandard der Diagnostik. Bei Hospitalisierung sollte stets eine Urinuntersuchung (Albuminurie, Hämaturie, Leukozyturie) erfolgen, da eine Nierenbeteiligung mit erhöhter Mortalität assoziiert ist.

Kriterien für die Intensivstation

Eine Aufnahme auf die Intensivstation sollte bei Erfüllung eines der folgenden Kriterien erfolgen:

  • Hypoxämie SpO2 < 90 % (unter 2 - 4 Liter Sauerstoff/min bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe
  • Atemfrequenz > 25-30/min

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie vor der Verordnung von Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) zwingend mögliche Medikamenteninteraktionen (z.B. Statine, orale Antikoagulantien, Immunsuppressiva), da Ritonavir ein starker CYP3A4-Inhibitor ist.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf innerhalb der ersten 5 Tage nach Symptombeginn.
Die empfohlene Dosis beträgt 6 mg Dexamethason p.o. oder i.v. täglich für 10 Tage bei Patienten mit Sauerstoffbedarf oder Beatmung.
Nein, eine routinemäßige medikamentöse Thromboembolieprophylaxe sollte bei ambulanten Patienten ohne hohes Risiko für einen schweren Verlauf nicht erfolgen.
Bei einer SpO2 < 90 % (unter 2-4 L O2/min) mit Dyspnoe oder einer Atemfrequenz von > 25-30/min.
Nein, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung gegen den Einsatz von inhalativen Steroiden zur COVID-19-Therapie aus.

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