Langzeit-Opioidtherapie (LONTS): Indikation & Therapie
Hintergrund
Die AWMF S3-Leitlinie LONTS (2020) befasst sich mit der Langzeitanwendung von opioidhaltigen Analgetika bei chronischen, nicht-tumorbedingten Schmerzen (CNTS). Ziel ist die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit diesen Medikamenten in der ärztlichen Praxis.
Laut Leitlinie gibt es in Deutschland keine "Opioidepidemie" vergleichbar mit der Situation in den USA. Dennoch wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Stellenwert von Opioiden kritisch zu überprüfen, um Fehlversorgungen und Abhängigkeitsentwicklungen zu vermeiden.
Eine Langzeitanwendung wird ab einer Therapiedauer von mehr als drei Monaten angenommen. Die Leitlinie unterscheidet bei ihren evidenzbasierten Empfehlungen zwischen einer kurzfristigen (4-12 Wochen), mittelfristigen (13-26 Wochen) und langfristigen (über 26 Wochen) Anwendung.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Kombination von Opioiden mit Tranquilizern wie Benzodiazepinen, da dies mit einem deutlich erhöhten Risiko für Überdosierungen und Mortalität assoziiert ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei einer Toleranzentwicklung mit wiederholtem Bedarf für Dosissteigerungen nicht endlos rotiert werden sollte. Stattdessen wird in solchen Fällen eine schrittweise Opioidreduktion oder ein Entzug empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie soll eine Dosis von über 120 mg pro Tag (orales Morphinäquivalent) nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Vor einer solchen Dosiserhöhung wird eine erneute Überprüfung der Indikation und möglicher Alternativen empfohlen.
Die Leitlinie spricht eine stark negative Empfehlung für starke Opioide bei funktionellen und somatoformen Störungen aus. Bezüglich des Einsatzes von Tramadol bei Fibromyalgie konnte in der Leitliniengruppe kein Konsens erzielt werden, weshalb hier eine offene Situation besteht.
Eine Therapie über drei Monate hinaus wird nur bei sogenannten Therapierespondern empfohlen. Nach sechs Monaten sollte laut Leitlinie mit dem Patienten die Möglichkeit einer Dosisreduktion oder eines Auslassversuches besprochen werden.
Es wird empfohlen, die Behandlung der opioidinduzierten Obstipation mit Laxantien bei den meisten Patienten prophylaktisch zu beginnen. Die Auswahl des Präparats richtet sich nach dem individuellen Defäkationsmuster.
Die Leitlinie empfiehlt, Urinkontrollen auf Drogen nicht routinemäßig durchzuführen. Sie werden jedoch bei einem konkreten Verdacht auf missbräuchliche Verwendung von Drogen oder rezeptpflichtigen Medikamenten empfohlen.
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Quelle: S3-Leitlinie LONTS - Langzeitanwendung von Opioiden (AWMF 145-003, 2020) (AWMF / Deutsche Schmerzgesellschaft, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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