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Opioide bei nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS) | AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Langzeittherapie mit Opioiden (> 3 Monate) erfordert eine strenge Indikationsstellung und darf nicht als Monotherapie erfolgen.
  • Vor Therapiebeginn müssen nicht-medikamentöse Optionen und medikamentöse Alternativen ausgeschöpft sein.
  • Primäre Kopfschmerzen, somatoforme Störungen und Schmerzen als Leitsymptom psychischer Erkrankungen sind absolute Kontraindikationen.
  • Bei chronischem Rückenschmerz und Arthrose besteht eine Empfehlung für 4-26 Wochen, darüber hinaus nur eine offene Empfehlung für Responder.
  • Die Kombination von Opioiden mit Tranquilizern erhält eine stark negative Empfehlung.
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Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie LONTS (Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen) regelt den Einsatz von opioidhaltigen Analgetika bei CNTS. Eine Langzeitanwendung wird aus klinischer Sicht bei einer Therapiedauer von > 3 Monaten angenommen. In Studien wird unterschieden zwischen kurzfristig (4-12 Wochen), mittelfristig (13-26 Wochen) und langfristig (> 26 Wochen).

Entgegen der Situation in Nordamerika gibt es laut Leitlinie keine Hinweise auf eine Opioidepidemie in Deutschland. Die Prävalenz einer Gebrauchsstörung bei Patienten mit Langzeitbehandlung liegt zwischen 0,8 % und 1,8 %.

Grundsätze der Opioidtherapie

Vor der Einleitung einer Therapie mit Opioiden müssen folgende starke Konsensempfehlungen beachtet werden:

  • Nicht-medikamentöse Therapieoptionen müssen optimiert sein.
  • Medikamentöse Alternativen müssen erwogen und ausgeschöpft sein.
  • Opioide dürfen nicht als Monotherapie eingesetzt werden (Ergänzung durch physikalische, physiotherapeutische oder psychotherapeutische Verfahren ist zwingend).
  • Beschränkung auf Patienten mit einem relevanten somatischen Anteil in der Schmerzentstehung.
  • Eine Kombinationstherapie von Opioiden mit Tranquilizern erhält eine stark negative Empfehlung.

Indikationen und Empfehlungsgrade

Die Leitlinie differenziert die Empfehlungen nach Therapiedauer. Bei fehlender Evidenz für einen längeren Einsatz wird die weitere Verwendung auf Therapieresponder beschränkt.

Schmerzsyndrom4-12 Wochen13-26 Wochen> 26 Wochen
Chronischer RückenschmerzEmpfehlungEmpfehlungOffene Empfehlung
ArthroseschmerzEmpfehlungEmpfehlungOffene Empfehlung
Diabetische PolyneuropathieStarke EmpfehlungOffene EmpfehlungOffene Empfehlung
PostzosterneuralgieEmpfehlungOffene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)
PhantomschmerzEmpfehlungOffene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)
Nicht-diabetische PolyneuropathieEmpfehlungOffene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)
Restless Legs SyndromEmpfehlung (Oxycodon/Naloxon)Offene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)
RadikulopathieOffene EmpfehlungOffene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)
Rheumatoide ArthritisOffene EmpfehlungOffene Empfehlung (Responder)Offene Empfehlung (Responder)

Hinweis zu Arthrose: Der Einsatz soll auf Patienten beschränkt werden, bei denen ein Gelenkersatz nicht möglich/gewünscht ist und andere Analgetika versagen oder kontraindiziert sind.

Kontraindikationen

Für bestimmte Krankheitsbilder spricht die Leitlinie klare negative oder stark negative Empfehlungen aus:

Erkrankung / ZustandEmpfehlungBemerkung
Primäre KopfschmerzenStark negative EmpfehlungGilt für Migräne, Spannungskopfschmerz etc.
Funktionelle/somatoforme StörungenStark negative EmpfehlungZ.B. Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie (starke Opioide)
Psychische StörungenStark negative EmpfehlungWenn Schmerz das Leitsymptom ist (z.B. bei Depression, PTBS)
Schwere affektive Störung / SuizidalitätStark negative EmpfehlungAbsolute Kontraindikation für Therapiebeginn
Aktueller schädlicher GebrauchStarke Empfehlung dagegenKeine Opioide bei Suchtanamnese/Medikamentenweitergabe
Chronische PankreatitisNegative EmpfehlungGilt für die Langzeitanwendung
Chronisch entzündliche DarmerkrankungenNegative EmpfehlungGilt für die Langzeitanwendung

Sonderfall Fibromyalgiesyndrom (FMS): Für starke Opioide gilt eine stark negative Empfehlung. Bezüglich Tramadol gab es keinen Konsens (Minderheitenvotum der Deutschen Schmerzgesellschaft für eine offene Empfehlung, DGRh dagegen).

Vorbereitung und Aufklärung

Vor Therapiebeginn ist eine ausführliche allgemeine, sucht- und schmerzbezogene Anamnese zwingend erforderlich. Im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung müssen Patienten über spezifische Nebenwirkungen aufgeklärt werden:

  • Erhöhtes Sturzrisiko
  • Sexuelle Funktionsstörungen / endokrine Funktionsstörungen
  • Schlafbezogene Atmungsstörungen
  • Opioidinduzierte Obstipation (prophylaktische Maßnahmen mitbedenken)

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor jeder Opioid-Verordnung eine ausführliche Sucht- und Schmerzanamnese durch. Kombinieren Sie Opioide niemals mit Tranquilizern und klären Sie aktiv über Risiken wie Sturzgefahr und schlafbezogene Atmungsstörungen auf.

Häufig gestellte Fragen

Aus klinischer Sicht wird eine Langzeitanwendung bei einer Therapiedauer von mehr als 3 Monaten angenommen. In Studien wird langfristig als > 26 Wochen definiert.
Nein, für starke Opioide gibt es eine stark negative Empfehlung. Für Tramadol konnte in der Leitliniengruppe kein Konsens erzielt werden.
Nein, für alle primären Kopfschmerzen (wie Migräne oder Spannungskopfschmerz) gibt es eine stark negative Empfehlung.
Zu den absoluten Kontraindikationen zählen aktueller Substanzmissbrauch, schwere affektive Störungen, Suizidalität sowie Schmerzen bei somatoformen Störungen oder als Leitsymptom psychischer Erkrankungen.
Nein, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung dagegen aus. Opioide sollen immer durch physikalische, physiotherapeutische oder psychotherapeutische Verfahren ergänzt werden.

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