Lactoferrin bei Frühgeborenen: Sepsis- & NEK-Prävention
Hintergrund
Sepsis und die nekrotisierende Enterokolitis (NEK) stellen weltweit führende Ursachen für Mortalität und Morbidität bei Frühgeborenen dar. Trotz des Einsatzes potenter Antibiotika bleiben die Komplikationsraten hoch.
Lactoferrin ist ein Glykoprotein, das natürlicherweise im menschlichen Kolostrum und in der Muttermilch vorkommt. Es besitzt antimikrobielle Eigenschaften gegen Bakterien sowie Pilze und wirkt immunmodulatorisch.
Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit einer enteralen Lactoferrin-Supplementierung bei Frühgeborenen. Ziel ist die Beurteilung der Prävention von Sepsis und NEK durch diese Maßnahme.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse fasst die Ergebnisse zur enteralen Lactoferrin-Gabe wie folgt zusammen:
Klinische Endpunkte im Vergleich
Der Review vergleicht die Effekte der Lactoferrin-Monotherapie mit der Kombinationstherapie (Lactoferrin plus Probiotika) gegenüber Placebo.
| Intervention | Spätsepsis | Pilzinfektionen | NEK (Stadium II/III) | Gesamtmortalität |
|---|---|---|---|---|
| Lactoferrin (Monotherapie) | Signifikant reduziert | Signifikant reduziert | Kein Effekt | Kein Effekt |
| Lactoferrin + Probiotika | Signifikant reduziert | Signifikant reduziert | Signifikant reduziert | Kein Effekt |
Detaillierte Ergebnisse zur Monotherapie
Laut Meta-Analyse ergeben sich für die alleinige Gabe von Lactoferrin folgende Effekte:
-
Reduktion der Spätsepsis (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
-
Verringerung von Pilzinfektionen (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
-
Verkürzung der Krankenhausverweildauer um durchschnittlich 2,38 Tage.
-
Kein signifikanter Effekt auf die neurologische Entwicklung nach 24 Monaten.
Detaillierte Ergebnisse zur Kombinationstherapie
Für die kombinierte Gabe mit Probiotika (überwiegend Lactobacillus rhamnosus GG) zeigt die Auswertung:
-
Deutliche Reduktion der bestätigten Spätsepsis (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
-
Verringerung der NEK-Inzidenz (Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit).
Sicherheit und Nebenwirkungen
In den eingeschlossenen Studien wurden keine unerwünschten Nebenwirkungen durch die enterale Gabe berichtet. Die Autoren betonen jedoch, dass die aktuelle Datenlage durch Publikationsbias und methodische Mängel kleinerer Studien eingeschränkt ist.
💡Praxis-Tipp
Der Review warnt davor, dass die positiven Effekte von Lactoferrin auf die Spätsepsis möglicherweise durch einen Publikationsbias überschätzt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass kleine Studien mit methodischen Mängeln die Effektstärke künstlich erhöhen könnten. Daher ist bei der klinischen Implementierung eine kritische Abwägung der aktuell noch niedrigen Evidenzqualität erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut Meta-Analyse zeigt die alleinige Gabe von Lactoferrin keinen signifikanten Effekt auf die NEK-Inzidenz. Eine Kombination aus Lactoferrin und Probiotika verringert das Risiko für eine NEK ab Stadium II, wobei die Evidenz hierfür als sehr niedrig eingestuft wird.
Der Review zeigt, dass die enterale Supplementierung das Risiko für eine Spätsepsis sowie für Pilzinfektionen senkt. Dieser Effekt wurde sowohl für die Monotherapie als auch für die Kombination mit Probiotika beobachtet.
In den ausgewerteten Studien wurden keine unerwünschten Wirkungen durch die Supplementierung berichtet. Die Sicherheit gilt in den untersuchten Dosierungen als gut, auch wenn Langzeitdaten teilweise noch ausstehen.
Die Auswertung der verfügbaren Daten zeigt keinen Unterschied in der neurologischen Entwicklung im Alter von 24 Monaten. Weder im Mullen- noch im Bayley-III-Test ergaben sich signifikante Abweichungen zur Kontrollgruppe.
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Quelle: Cochrane Review: Enteral lactoferrin supplementation for prevention of sepsis and necrotizing enterocolitis in preterm infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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