Kohlenhydratsupplementierung bei Frühgeborenen: Cochrane
Hintergrund
Frühgeborene kommen mit geringen Glykogenspeichern zur Welt und benötigen eine höhere Glukosezufuhr, um das fetale Wachstum aufzuholen. Muttermilch ist die optimale Ernährung, deckt aber den hohen Energiebedarf dieser vulnerablen Gruppe oft nicht vollständig ab.
Laktose ist das häufigste Kohlenhydrat in der Muttermilch und fördert die Aufnahme von essenziellen Mineralien wie Kalzium und Magnesium. Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs) dienen zudem als Präbiotika, welche die Immunabwehr stärken und das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) senken können.
Da Frühgeborene häufig einen Mangel an dem Enzym Laktase aufweisen, wird in der Praxis teilweise eine Supplementierung von Kohlenhydraten erwogen. Dies soll das Wachstum fördern und neurologische Defizite verhindern.
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2020) liefert aufgrund unzureichender Datenlage keine direkten klinischen Empfehlungen. Die Auswertung basiert auf einer einzigen Studie mit 75 Frühgeborenen und Evidenz von sehr niedriger Qualität.
Klinische Endpunkte
Laut den Autoren des Reviews zeigen die verfügbaren Daten folgende Tendenzen bei der Zugabe von präbiotischen Kohlenhydraten:
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Das durchschnittliche Gewicht am 30. Lebenstag war in der Interventionsgruppe erhöht.
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Die Dauer des Krankenhausaufenthalts war im Median um 9 Tage verkürzt.
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Für das Risiko einer Nahrungsunverträglichkeit oder einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) konnte kein eindeutiger Unterschied festgestellt werden.
Langzeitauswirkungen und Sicherheit
Es wird betont, dass derzeit keine Daten zu den kurz- und langfristigen gesundheitlichen Vorteilen oder Schäden vorliegen. Dies betrifft insbesondere:
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Langfristiges Wachstum und Körperzusammensetzung
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Neurologische Entwicklung
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Kardiometabolische Gesundheit
Implikationen für die Praxis
Aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität können laut Review keine klinischen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Es wird darauf hingewiesen, dass verdauliche Kohlenhydrate in der aktuellen Praxis meist ohnehin als Bestandteil von standardisierten Muttermilch-Fortifiern (Nährstoffkonzentraten) verabreicht werden.
Kontraindikationen
Der Review weist darauf hin, dass eine übermäßige Zufuhr von Kohlenhydraten potenziell zu Hyperglykämien führen kann.
Zudem werden vorübergehende Malabsorptionssymptome wie Diarrhö, Flatulenz, abdominelle Distension und Schmerzen als mögliche Risiken einer Supplementierung genannt.
💡Praxis-Tipp
Der Review unterstreicht, dass die alleinige Supplementierung von Kohlenhydraten zur Muttermilch bei Frühgeborenen aufgrund fehlender Evidenz nicht routinemäßig unterstützt werden kann. In der klinischen Praxis erfolgt die Anreicherung stattdessen meist über standardisierte Multi-Nährstoff-Fortifier, welche ein ausgewogenes Verhältnis der Makronährstoffe sicherstellen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es Hinweise von sehr niedriger Qualität, dass eine präbiotische Supplementierung das Gewicht an Tag 30 erhöhen kann. Aufgrund der schwachen Datenlage lässt sich daraus jedoch keine verlässliche klinische Aussage ableiten.
Die verfügbare Evidenz zeigt keinen eindeutigen Unterschied im Risiko für eine NEC zwischen Frühgeborenen mit und ohne Kohlenhydratsupplementierung. Es werden weitere Studien benötigt, um diesen Endpunkt sicher zu bewerten.
Es wird beschrieben, dass eine exzessive Kohlenhydratzufuhr zu Hyperglykämien und gastrointestinalen Beschwerden führen kann. Dazu zählen unter anderem Diarrhö, Blähungen und ein aufgetriebenes Abdomen.
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Quelle: Cochrane Review: Carbohydrate supplementation of human milk to promote growth in preterm infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.