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Enterale Ernährung bei Frühgeborenen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) betrifft etwa 5 % der sehr unreifen Frühgeborenen (unter 32 Schwangerschaftswochen) oder Säuglinge mit sehr geringem Geburtsgewicht (VLBW, unter 1500 g). Die Erkrankung geht mit einer hohen Mortalität von über 20 % sowie einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsverzögerungen einher.

Traditionell wird der enterale Nahrungsaufbau bei diesen Risikogruppen oft um mehrere Tage verzögert. Ziel dieser Zurückhaltung ist es, den unreifen Gastrointestinaltrakt zu schonen und das Risiko für eine NEC oder Nahrungsunverträglichkeiten zu minimieren.

Gleichzeitig verlängert ein verzögerter Nahrungsaufbau die Notwendigkeit einer parenteralen Ernährung. Dies birgt bekannte Risiken wie metabolische Entgleisungen und katheterassoziierte Infektionen, weshalb der optimale Zeitpunkt für den Beginn des Nahrungsaufbaus klinisch intensiv diskutiert wird.

Empfehlungen

Der vorliegende Cochrane Review (2022) vergleicht den verzögerten (vier oder mehr Tage nach der Geburt) mit einem früheren Beginn des enteralen Nahrungsaufbaus bei sehr unreifen Frühgeborenen.

Auswirkungen auf NEC und Mortalität

Die Meta-Analyse zeigt, dass ein verzögerter Nahrungsaufbau das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis wahrscheinlich nicht verringert (Evidenzgrad Niedrig). Dies gilt auch für Säuglinge, die bereits intrauterin wachstumsretardiert waren.

Ebenso ergab sich kein signifikanter Unterschied bezüglich der Gesamtmortalität vor der Krankenhausentlassung. Die Autoren schlussfolgern, dass eine Verzögerung über den vierten Lebenstag hinaus keinen Überlebensvorteil bietet.

Infektionsrisiko und Nahrungsunverträglichkeit

Ein früherer Beginn des Nahrungsaufbaus (vor dem vierten Lebenstag) reduziert wahrscheinlich das Risiko für späte invasive Infektionen leicht (Evidenzgrad Moderat). Der verzögerte Aufbau erhöht dieses Risiko signifikant.

Im Gegensatz dazu kann eine Verzögerung des Nahrungsaufbaus das Risiko für eine klinische Nahrungsunverträglichkeit geringfügig senken (Evidenzgrad Niedrig).

Übersicht der klinischen Endpunkte

Klinischer EndpunktEffekt bei verzögertem BeginnEvidenzgrad (GRADE)
Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)Keine signifikante Reduktion (RR 0,81)Niedrig
Mortalität vor EntlassungKeine signifikante Reduktion (RR 0,97)Niedrig
NahrungsunverträglichkeitLeichte Reduktion (RR 0,81)Niedrig
Invasive InfektionenErhöhtes Risiko (RR 1,44)Moderat
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💡Praxis-Tipp

Ein verzögerter enteraler Nahrungsaufbau über den vierten Lebenstag hinaus bietet laut Review keinen sicheren Schutz vor einer nekrotisierenden Enterokolitis bei VLBW-Frühgeborenen. Es wird stattdessen darauf hingewiesen, dass ein früherer Nahrungsaufbau das Risiko für invasive Infektionen durch eine kürzere parenterale Ernährungsdauer senken kann.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane Review zeigt, dass ein früher Beginn innerhalb der ersten vier Lebenstage sicher ist. Eine Verzögerung über diesen Zeitraum hinaus bringt keinen Vorteil hinsichtlich der Prävention einer nekrotisierenden Enterokolitis.

Laut der Meta-Analyse gibt es keine Evidenz dafür, dass ein früherer Beginn das Risiko für eine NEC signifikant erhöht. Auch bei intrauterin wachstumsretardierten Säuglingen zeigte sich kein erhöhter Schutz durch eine Verzögerung.

Ein späterer Beginn verlängert die Notwendigkeit einer parenteralen Ernährung. Dies ist laut Review mit einem moderat erhöhten Risiko für invasive Infektionen verbunden.

Die Daten deuten darauf hin, dass ein verzögerter Beginn das Risiko für passagere Nahrungsunverträglichkeiten leicht senken kann. Dieser geringe Vorteil muss jedoch gegen das erhöhte Infektionsrisiko abgewogen werden.

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Quelle: Cochrane Review: Delayed introduction of progressive enteral feeds to prevent necrotising enterocolitis in very low birth weight infants (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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