Proteinzusätze in Muttermilch für Frühgeborene: Cochrane
Hintergrund
Frühgeborene benötigen eine höhere Proteinzufuhr als reifgeborene Säuglinge, um ein adäquates Wachstum und eine optimale Organentwicklung zu gewährleisten. Muttermilch bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile, jedoch variiert ihr Proteingehalt stark und reicht oft nicht aus, um den hohen Bedarf von Frühgeborenen zu decken.
Eine unzureichende Proteinversorgung in den ersten Lebenswochen ist mit einem verzögerten Wachstum und einer beeinträchtigten neurologischen Entwicklung assoziiert. Um diesen Mangel auszugleichen, können der abgepumpten Muttermilch Proteinzusätze (Fortifier) beigemischt werden.
Dieser Artikel basiert auf einem systematischen Cochrane Review. Es wird untersucht, ob eine reine Proteinsupplementierung das Wachstum und die Entwicklung von Frühgeborenen verbessert, ohne signifikante Nebenwirkungen zu verursachen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert folgende Kernaussagen zur Proteinsupplementierung bei Frühgeborenen:
Indikation und Einsatz
Laut Review kann eine reine Proteinanreicherung der Muttermilch in Situationen erwogen werden, in denen das Risiko für ein schlechtes postnatales Wachstum hoch ist. Dies gilt insbesondere, wenn keine Multinährstoffpräparate verfügbar oder anwendbar sind.
In der heutigen Praxis erfolgt die Proteingabe jedoch meist als Bestandteil von Multinährstoffanreicherungen, da Frühgeborene auch Defizite an Energie und Mineralien aufweisen.
Auswirkungen auf das Wachstum
Die Auswertung zeigt, dass die Zugabe von Protein zur Muttermilch das kurzfristige Wachstum von Frühgeborenen steigert (Evidenz von niedriger Qualität). Es werden folgende Effekte beschrieben:
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Erhöhte Gewichtszunahme um durchschnittlich 3,82 g/kg/Tag
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Gesteigertes Längenwachstum um durchschnittlich 0,12 cm/Woche
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Vermehrtes Kopfwachstum um durchschnittlich 0,06 cm/Woche
Unerwünschte Wirkungen und Unsicherheiten
Die Evidenz zu möglichen Risiken wird als sehr niedrig eingestuft. Es gibt Hinweise darauf, dass Säuglinge mit Proteinsupplementierung möglicherweise länger im Krankenhaus verbleiben.
Zudem wurden in den supplementierten Gruppen höhere Harnstoff- und Stickstoffkonzentrationen im Blut gemessen. Dies ist auf den Proteinabbau und die Nierenfunktion zurückzuführen.
Hinsichtlich des Risikos für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) oder Nahrungsmittelintoleranzen zeigt der Review keine eindeutige Erhöhung, betont aber die Unsicherheit der Datenlage. Zu langfristigen neurologischen oder metabolischen Auswirkungen liegen keine ausreichenden Daten vor.
Kontraindikationen
Der Review nennt im Hintergrundteil verschiedene potenzielle Risiken in Abhängigkeit von der Art des Fortifiers:
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Kuhmilchbasierte Präparate (intaktes bovines Protein) werden mit der Entwicklung von Allergien und allergischer Enterokolitis in Verbindung gebracht.
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Pulverförmige Anreicherungsmittel sind nicht steril und bergen das Risiko einer bakteriellen Kontamination (z. B. Cronobacter spp.), was zu einer Sepsis führen kann.
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Angesäuerte, proteinreiche Präparate können aufgrund der hohen Säurelast und der unreifen Nierenfunktion der Frühgeborenen zu Fütterungsunverträglichkeiten und metabolischer Azidose führen.
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Flüssige Präparate können das Volumen der Muttermilch verdrängen, sodass der Säugling insgesamt zu wenig Muttermilch erhält.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis aus dem Cochrane Review ist, dass pulverförmige Proteinzusätze nicht steril sind und ein potenzielles Risiko für bakterielle Infektionen bei unreifen Frühgeborenen darstellen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine reine Proteinsupplementierung heute meist durch Multinährstoffpräparate ersetzt wird, da Frühgeborene, die ausschließlich Muttermilch erhalten, auch Defizite an Energie und Mineralien aufweisen.
Häufig gestellte Fragen
Der Proteingehalt der Muttermilch variiert stark und sinkt nach den ersten zwei Wochen ab. Laut Cochrane Review reicht dieser oft nicht aus, um den stark erhöhten Proteinbedarf für das schnelle Wachstum von Frühgeborenen zu decken.
Ja, der Review zeigt, dass eine Proteinanreicherung der Muttermilch die kurzfristige Zunahme von Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang signifikant steigert. Die Evidenz hierfür ist jedoch von niedriger Qualität.
Die aktuelle Datenlage zeigt keinen klaren Unterschied im Risiko für eine NEC zwischen Säuglingen mit und ohne Proteinsupplementierung. Der Review betont jedoch, dass die Evidenzqualität für diese Fragestellung sehr niedrig ist.
Pulverförmige Fortifier sind keine sterilen Produkte. Es wird darauf hingewiesen, dass sie bakteriell kontaminiert sein können, was das Risiko einer Sepsis beim Frühgeborenen erhöht.
Laut dem systematischen Review liegen derzeit keine Daten zu den Auswirkungen einer reinen Proteinsupplementierung auf die langfristige neurologische Entwicklung oder das spätere metabolische Risiko vor.
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Quelle: Cochrane Review: Protein supplementation of human milk for promoting growth in preterm infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.