CochraneIa2020

Probiotika bei Frühgeborenen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Bei sehr früh geborenen Säuglingen und Säuglingen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW, unter 1.500 g) besteht ein hohes Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC). Diese schwere Darmerkrankung geht mit einer hohen Mortalität sowie langfristigen neurologischen Beeinträchtigungen einher.

Es wird vermutet, dass eine intestinale Dysbiose maßgeblich zur Pathogenese der NEC beiträgt. Eine Modulation des Darmmikrobioms durch die enterale Gabe von Probiotika stellt daher einen potenziellen präventiven Ansatz dar, um die Schleimhautbarriere zu stärken und das Wachstum von Pathogenen zu hemmen.

Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Probiotika bei dieser vulnerablen Patientengruppe. Die Meta-Analyse schließt 56 Studien mit über 10.000 Säuglingen ein.

Empfehlungen

Klinische Endpunkte bei VLBW-Frühgeborenen

Laut der Meta-Analyse zeigt die prophylaktische Gabe von Probiotika bei sehr früh geborenen oder sehr leichtgewichtigen Säuglingen (VLBW) positive Effekte auf wesentliche klinische Endpunkte. Die Ergebnisse stellen sich wie folgt dar:

EndpunktRelatives Risiko (RR)Evidenzgrad (GRADE)Klinischer Effekt
Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)0,54NiedrigReduziertes Risiko
Gesamtmortalität0,76ModeratWahrscheinlich reduziertes Risiko
Invasive Spätinfektionen0,89ModeratWahrscheinlich reduziertes Risiko
Schwere neurologische Beeinträchtigung1,03NiedrigKein relevanter Effekt

Extrem kleine Frühgeborene (ELBW)

Für extrem früh geborene Säuglinge oder solche mit extrem niedrigem Geburtsgewicht (ELBW, unter 1.000 g) liegen laut Review deutlich weniger Daten vor.

  • In dieser Subgruppe konnte kein signifikanter Effekt auf NEC, Mortalität oder Infektionen nachgewiesen werden.

  • Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Population wird als niedrig eingestuft.

Implikationen für die Praxis

Trotz der gezeigten Effekte auf NEC und Mortalität weist der Review auf bestehende Unsicherheiten bei der routinemäßigen Anwendung hin.

  • Es gibt bisher keinen Konsens über die optimale Zusammensetzung (Stämme), Dosierung und Dauer der Probiotika-Gabe.

  • Die am häufigsten untersuchten Präparate enthielten Bifidobacterium spp., Lactobacillus spp., Saccharomyces spp. und Streptococcus spp.

  • Eine breite klinische Anwendung wird oft durch regulatorische Hürden und fehlende Standardisierung der verfügbaren Produkte limitiert.

Kontraindikationen

Der Review weist auf potenzielle Sicherheitsbedenken bei der Gabe von Probiotika an sehr kleine Frühgeborene hin.

Obwohl die Daten aus den eingeschlossenen Studien bezüglich der Sicherheit beruhigend wirken, wurden in der Praxis Fälle von Bakteriämie oder Fungämie durch die verabreichten probiotischen Stämme berichtet.

Es bleibt laut den Autoren unklar, ob verschiedene Bakterienstämme oder Kombinationen unterschiedliche Sicherheitsprofile aufweisen.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Bei der Erwägung einer Probiotika-Prophylaxe sollte beachtet werden, dass die Evidenz für extrem kleine Frühgeborene (ELBW unter 1.000 g) unzureichend ist und hier kein nachweisbarer Nutzen belegt wurde. Zudem wird in der Literatur vor dem Risiko einer probiotika-induzierten Sepsis (Bakteriämie oder Fungämie) bei dieser hochvulnerablen Patientengruppe gewarnt.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review enthalten die am häufigsten verwendeten Präparate Stämme von Bifidobacterium, Lactobacillus, Saccharomyces und Streptococcus. Es gibt jedoch noch keine abschließende Evidenz darüber, welche spezifische Kombination am wirksamsten ist.

Die Meta-Analyse zeigt, dass die Gabe von Probiotika bei sehr kleinen Frühgeborenen (VLBW) die Gesamtmortalität wahrscheinlich reduziert (moderater Evidenzgrad). Bei extrem kleinen Frühgeborenen (ELBW) konnte dieser Effekt jedoch nicht nachgewiesen werden.

Obwohl die Studienlage auf eine generelle Sicherheit hindeutet, verweist der Review auf Fallberichte über Bakteriämien und Fungämien, die durch die probiotischen Stämme selbst ausgelöst wurden. Die Sicherheitsprofile verschiedener Präparate sind noch nicht vollständig geklärt.

Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Probiotika-Gabe wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Effekt auf schwere neurologische Entwicklungsstörungen hat. Die Evidenz für diesen Endpunkt wird als niedrig eingestuft.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Cochrane Review: Probiotics to prevent necrotising enterocolitis in very preterm or very low birth weight infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien