Muttermilchanreicherung bei Frühgeborenen: Cochrane Review
Hintergrund
Frühgeborene haben ein hohes Risiko für ein mangelhaftes Wachstum nach der Geburt (extrauterine Wachstumsrestriktion). Muttermilch reduziert zwar das allgemeine Krankheitsrisiko, deckt jedoch oft nicht den hohen Nährstoffbedarf dieser Kinder.
Um das Wachstum zu fördern, wird Muttermilch auf neonatologischen Intensivstationen üblicherweise mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert. Die standardmäßige Anreicherung geht dabei von einer einheitlichen Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch aus.
Da der tatsächliche Nährstoffgehalt der Muttermilch jedoch stark schwankt, wurden individualisierte Strategien entwickelt. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht, ob eine individualisierte Anreicherung das Wachstum und die klinischen Endpunkte im Vergleich zur Standardmethode verbessert.
Empfehlungen
Der Cochrane Review vergleicht verschiedene Strategien zur Anreicherung von Muttermilch bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm oder einem Gestationsalter unter 37 Wochen.
Strategien der Muttermilchanreicherung
Die Autoren unterscheiden drei grundlegende Herangehensweisen bei der Nährstoffzugabe:
| Strategie | Basis der Anpassung | Individualisierungsgrad |
|---|---|---|
| Standardmäßige Anreicherung | Einheitliche Annahme des Nährstoffgehalts | Keine Individualisierung |
| Gezielte Anreicherung (Targeted) | Direkte Analyse der Muttermilchzusammensetzung | Hoch (milchbasiert) |
| Anpassbare Anreicherung (Adjustable) | Laborwerte des Kindes (z.B. Blut-Harnstoff-Stickstoff) | Hoch (kindbasiert) |
Auswirkungen auf das Wachstum
Laut Review führt eine individualisierte Anreicherung (gezielt oder anpassbar) im Vergleich zur Standardmethode wahrscheinlich zu einer verbesserten Gewichtszunahme während der Intervention (Evidenzgrad: moderat).
Zudem kann die individualisierte Strategie das Längenwachstum sowie das Wachstum des Kopfumfangs in der Interventionsphase steigern (Evidenzgrad: niedrig bis moderat).
Klinische Endpunkte und Sicherheit
Bezüglich wichtiger klinischer Endpunkte ist die aktuelle Evidenzlage laut Review sehr unsicher.
Es bleibt unklar, ob es Unterschiede zwischen den Anreicherungsstrategien hinsichtlich der Krankenhausmortalität, der bronchopulmonalen Dysplasie oder der nekrotisierenden Enterokolitis gibt.
Auch für späte Sepsis, Retinopathie des Frühgeborenen (ROP), Osteopenie und die Dauer des Krankenhausaufenthalts liegen keine ausreichenden Daten vor, um eine Überlegenheit der individualisierten Methoden zu belegen.
💡Praxis-Tipp
Obwohl individualisierte Anreicherungsstrategien das kurzfristige Wachstum von Frühgeborenen verbessern können, weist der Review auf eine unzureichende Datenlage bezüglich der langfristigen Sicherheit hin. Es wird betont, dass die optimale Methode zur Individualisierung der Nährstoffzufuhr (welche Makronährstoffe in welcher Kombination) derzeit noch nicht abschließend geklärt ist.
Häufig gestellte Fragen
Bei der gezielten Anreicherung (Targeted Fortification) werden Nährstoffe basierend auf einer direkten Analyse der Muttermilch hinzugefügt. Die anpassbare Anreicherung (Adjustable Fortification) richtet sich hingegen nach den Blutwerten des Frühgeborenen, wie etwa dem Harnstoff-Stickstoff.
Laut Cochrane Review führt eine individualisierte Anreicherung im Vergleich zur Standardmethode zu einer besseren Zunahme von Gewicht, Länge und Kopfumfang während der Interventionsphase. Die Evidenz hierfür wird als moderat bis niedrig eingestuft.
Der Review stellt fest, dass die Evidenz zu wichtigen klinischen Endpunkten wie Mortalität, nekrotisierender Enterokolitis oder Sepsis sehr spärlich ist. Daher können derzeit keine sicheren Aussagen zur langfristigen Sicherheit oder zu klinischen Vorteilen jenseits des kurzfristigen Wachstums getroffen werden.
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Quelle: Cochrane Review: Individualized versus standard diet fortification for growth and development in preterm infants receiving human milk (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.