Defibrillatoren & Herzschrittmacher: IQWiG Rapid Report
Hintergrund
Der IQWiG Rapid Report P21-01 liefert evidenzbasierte Entscheidungshilfen zur Implantation von Defibrillatoren (ICD) und Herzschrittmachern. Ziel ist die Unterstützung des Shared Decision Making im Rahmen des ärztlichen Zweitmeinungsverfahrens.
Die Dokumente adressieren Patientengruppen mit bradykarden Herzrhythmusstörungen, wie dem AV-Block, sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für Kammertachykardien. Es werden verschiedene Behandlungsoptionen und deren Vor- und Nachteile gegenübergestellt.
Die Erstellung erfolgte auf Basis systematischer Literaturrecherchen und orientiert sich an den International Patient Decision Aid Standards (IPDAS). Dabei wird auf direktive Empfehlungen verzichtet, um eine neutrale Aufklärung zu gewährleisten.
Empfehlungen
Herzschrittmacher bei Bradykardie
Der Bericht beschreibt die Implantation eines Herzschrittmachers als langfristige Therapie bei symptomatischen oder schweren bradykarden Herzrhythmusstörungen. Bei akuten Notfällen wird übergangsweise der Einsatz von Medikamenten oder externen Schrittmachern aufgeführt.
Die Indikationsstellung hängt maßgeblich vom Schweregrad des AV-Blocks und der Symptomatik ab:
| Patientengruppe | Indikation für Herzschrittmacher | Konservatives Vorgehen (Abwarten) |
|---|---|---|
| Schwerer AV-Block (Grad 3) oder Grad 2 Typ 2 | Indiziert (unabhängig von Symptomen) | Nicht empfohlen (Risiko für Herzstillstand) |
| Leichter AV-Block (Grad 1), Grad 2 Typ 1, Sick-Sinus-Syndrom | Indiziert (nur bei eindeutigen Symptomen wie Ohnmacht) | Empfohlen (wenn symptomfrei oder Ursache behebbar) |
Als mögliche Komplikationen einer Schrittmacher-Implantation nennt das Dokument Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie Verletzungen von Blutgefäßen oder der Lunge. Langfristig besteht ein geringes Risiko für Sondenprobleme oder ein Schrittmachersyndrom.
Prävention von Kammertachykardien
Zur Vermeidung eines plötzlichen Herztodes bei Kammertachykardien werden verschiedene Verfahren aufgeführt. Diese können laut Dokument auch kombiniert werden, beispielsweise ein ICD zusammen mit einer Katheterablation.
Die Entscheidungshilfe vergleicht folgende primäre Behandlungsstrategien:
| Behandlungsoption | Zielgruppe und Indikation | Spezifische Risiken und Nebenwirkungen |
|---|---|---|
| Implantierbarer Defibrillator (ICD) | Erhöhtes Risiko für Herztod (z. B. nach Herzinfarkt, Herzschwäche), überlebter Herztod | Schmerzhafte Stromstöße, Infektionen, Sondenprobleme (Komplikationsrate ca. 3 %) |
| Medikamente (z. B. Betablocker, Amiodaron) | Erhöhtes Risiko für Kammertachykardien, oft nach Herzinfarkt | Betablocker: langsamer Puls, niedriger Blutdruck. Amiodaron: Schilddrüsen-, Augen-, Lungenprobleme |
| Katheterablation | Wiederholte Kammertachykardien trotz Medikamenten, häufige ICD-Schocks, Infarktnarben | Gefäßverletzungen, Rhythmusstörungen (Komplikationsrate 4-11 % bei vorgeschädigtem Herz) |
Kriterien für die Therapieentscheidung
Das Dokument betont, dass die Wahl der geeigneten Therapie von individuellen Faktoren abhängt. Folgende Aspekte werden für die Entscheidungsfindung hervorgehoben:
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Die genaue Ursache der Herzrhythmusstörung und deren Behebbarkeit (z. B. Absetzen auslösender Medikamente).
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Das Vorliegen und der Schweregrad einer begleitenden Herzschwäche.
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Das individuelle Risiko für Komplikationen durch Begleiterkrankungen.
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Die bisherigen Behandlungsversuche und die Verträglichkeit von Medikamenten.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei leichten Formen des AV-Blocks (Grad 1 oder Grad 2 Typ 1) sowie beim Sick-Sinus-Syndrom ohne begleitende Symptome auf eine Schrittmacher-Implantation verzichtet werden kann. Es wird zudem hervorgehoben, dass potenziell behebbare Ursachen, wie die Einnahme herzfrequenzsenkender Medikamente, vor einer operativen Entscheidung ausgeschlossen werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Schrittmacher bei einem schweren AV-Block (Grad 3) oder Grad 2 Typ 2 unabhängig von Symptomen angezeigt. Bei leichteren Formen wird die Implantation nur bei eindeutigen Beschwerden wie Ohnmachtsanfällen beschrieben.
Das Dokument nennt schmerzhafte Stromstöße, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Sondenprobleme als mögliche Risiken. Die allgemeine Komplikationsrate wird mit etwa 3 von 100 Personen angegeben.
Die Katheterablation wird im Bericht als mögliche Alternative beschrieben, wenn das Herz abseits der Rhythmusstörung gesund und kräftig ist. Häufiger wird sie jedoch ergänzend eingesetzt, um wiederholte ICD-Schocks bei vernarbtem Herzgewebe zu reduzieren.
Zur medikamentösen Vorbeugung werden primär Betablocker aufgeführt, da diese herzkranke Menschen nachweislich schützen. Als Alternative wird Amiodaron genannt, welches jedoch mit mehr Nebenwirkungen verbunden ist.
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Quelle: IQWiG P21-01: Entscheidungshilfe Defibrillatoren und Herzschrittmacher (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.