Sachkunde ICD-Therapie: Curriculum & Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die Indikationsstellung zur ICD-Therapie erfordert eine strikte Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärprävention des plötzlichen Herztodes.
- •Das primäre Ziel der ICD-Programmierung ist die Vermeidung des plötzlichen Herztodes, sekundär sollen inadäquate Schocks minimiert werden.
- •Die strukturierte Nachsorge umfasst klinische Kontrollen, telemetrische Abfragen und die Differenzierung von adäquaten und inadäquaten Therapien.
- •Bei Systeminfektionen oder schweren Sondenfehlfunktionen ist eine zeitnahe Revision oder Sondenextraktion indiziert.
Hintergrund
Das Curriculum "Sachkunde ICD-Therapie" der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) definiert die theoretischen Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Versorgung mit implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD). Es richtet sich an Kardiologen und umfasst technische Grundlagen, Indikationsstellung, operative Durchführung sowie die strukturierte Nachsorge.
Indikationen und Kontraindikationen
Die Entscheidung zur ICD-Implantation basiert auf der Risikostratifizierung für den plötzlichen Herztod. Es ist zwingend zwischen Primär- und Sekundärprävention zu unterscheiden.
| Kategorie | Kriterien und Beispiele |
|---|---|
| Sekundärprävention | Überlebter plötzlicher Herzstillstand (VF/VT), Arrhythmie-bedingte Synkopen |
| Primärprävention | Reduzierte LVEF bei Herzinsuffizienz (NYHA-Stadien beachten), genetische Ionenkanalerkrankungen (z. B. Brugada-Syndrom, LQTS) |
| Kontraindikationen | Geringe Lebenserwartung, NYHA-IV ohne Option auf Herztransplantation/Assist-Device, floride Infektion/Sepsis |
| Fehlende Indikation | VT/VF im akuten Myokardinfarkt (<48 h), reversible Ursachen (Elektrolytentgleisung, akute Ischämie) |
ICD-Systeme im Vergleich
Je nach zugrunde liegender Pathologie und Begleiterkrankungen kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz:
| System | Besonderheiten | Primäre Indikation |
|---|---|---|
| 1-Kammer-ICD | Basisversorgung, RV-Sonde | Standard-ICD-Indikation ohne Bradykardie- oder CRT-Indikation |
| 2-Kammer-ICD | Zusätzliche atriale Sonde | Bradykardie-Indikation, verbesserte Rhythmusdiskriminierung (SVT vs. VT) |
| 3-Kammer-ICD (CRT-D) | Zusätzliche LV-Sonde | Herzinsuffizienz mit Indikation zur kardialen Resynchronisationstherapie |
| Subkutaner ICD (S-ICD) | Keine intravaskulären Sonden | Fehlender venöser Zugang, hohes Infektionsrisiko, keine Schrittmacher-Indikation |
Programmierung und Therapieabgabe
Das primäre Ziel der Programmierung ist die Vermeidung des plötzlichen Herztodes. Sekundäre Ziele umfassen die Vermeidung von Synkopen und inadäquaten Schockabgaben.
- Antitachykarde Stimulation (ATP): Schmerzfreie Überstimulation (Burst, Ramp, Scan) zur Terminierung von Kammertachykardien.
- Schocktherapie: Kardioversion oder Defibrillation bei hämodynamisch relevanten VT oder Kammerflimmern (VF).
- Zusatzkriterien: Nutzung von Morphologie, plötzlichem Beginn und Stabilität zur Unterscheidung zwischen supraventrikulären (SVT) und ventrikulären Tachykardien (VT).
Strukturierte Nachsorge
Die Nachsorge beinhaltet die klinische Evaluation, Wundkontrolle und technische Abfrage (inklusive telemedizinischem Monitoring). Die Dringlichkeit der Vorstellung variiert je nach Ereignis:
| Vorstellungsart | Auslösende Ereignisse |
|---|---|
| Sofortige Vorstellung | Anhaltende VT/VF, elektrischer Sturm, repetitive Schocks (z. B. innerhalb 48 h) |
| Dringliche Vorstellung | Erster Schock, Synkope unklarer Genese, Verdacht auf Systeminfektion, Herzinsuffizienz-Verschlechterung |
| Routinenachsorge | Geplante Intervalle, Entlassungsuntersuchung nach Implantation |
Komplikationen und Revisionseingriffe
Eine der häufigsten Komplikationen ist die inadäquate Therapieabgabe, oft bedingt durch Vorhofflimmern, T-Wellen-Oversensing oder Sondenbrüche.
Bei einer Infektion des ICD-Systems (Tascheninfektion, Endokarditis) ist in der Regel eine vollständige Systemexplantation (ggf. Sondenextraktion) unter adjuvanter Antibiotikatherapie indiziert. Ein Aggregataustausch erfolgt regulär bei vorzeitiger Batterieerschöpfung (ERI/EOL).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei Patienten mit rezidivierenden inadäquaten Schocks die telemetrische Abfrage der intrakardialen Elektrogramme (EGM), um zwischen Sondenfehlfunktionen (z. B. Isolationsdefekt) und supraventrikulären Tachykardien zu differenzieren.