Biomarker-Tests bei Brustkrebs: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht P17-03 (Addendum zu D14-01) befasst sich mit der Erstellung einer Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei frühem Brustkrebs. Zielgruppe sind Frauen mit primärem, Hormonrezeptor-positivem und HER2/neu-negativem Mammakarzinom mit null bis drei befallenen Lymphknoten.
Bei diesen Patientinnen ist oft keine pauschale Empfehlung für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie möglich. Zur Abschätzung des Rezidivrisikos werden standardmäßig klinisch-pathologische Kriterien herangezogen.
Zusätzlich werden biomarkerbasierte Tests angeboten, um das individuelle Rückfallrisiko genauer zu bestimmen. Der Bericht evaluiert die Evidenz dieser Tests und definiert die Grundlagen für eine informierte, partizipative Entscheidungsfindung.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaspekte zur Risikobewertung und Testanwendung:
Definition des Rezidivrisikos
Der Bericht definiert das 10-Jahres-Rezidivrisiko in drei Kategorien, um die Indikation zur Chemotherapie abzuwägen.
| Risikokategorie | 10-Jahres-Rezidivrisiko | Medizinische Einschätzung |
|---|---|---|
| Niedrig | < 5 % oder < 10 % | Schaden der Chemotherapie überwiegt den Nutzen |
| Mittel | 5 % bis 20 % | Individuelle Abwägung erforderlich |
| Hoch | > 15 % oder > 20 % | Nutzen der Chemotherapie überwiegt den Schaden |
Nutzen und Schaden der Chemotherapie
Für den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie wird eine durchschnittliche Reduktion des Rezidivrisikos um 30 % angenommen.
Dem gegenüber stehen potenzielle Schäden, die in die Entscheidungsfindung einfließen müssen:
-
Akute schwerwiegende Nebenwirkungen (ca. 10 % Risiko für Hospitalisierung oder Notaufnahme im ersten Jahr)
-
Langfristige oder irreversible Schäden (z. B. Herzinsuffizienz Grad 3 bis 4, Leukämie)
-
Lebensqualität einschränkende, aber oft reversible Nebenwirkungen (Haarausfall, Übelkeit)
Bewertung der Biomarker-Tests
Laut Bericht gibt es derzeit keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden einer biomarkerbasierten Strategie zur Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie. Es liegen für keinen der untersuchten Tests (MammaPrint, Oncotype DX, Prosigna, Femtelle) aussagekräftige Daten vor.
Der Bericht warnt vor einer unkritischen Übernahme der herstellerbasierten Risikokategorien. Diese basieren häufig nur auf dem Risiko für Fernrezidive, wodurch das Gesamtrisiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung unterschätzt werden kann.
Zudem wird betont, dass die Tests eine individuelle Abwägung nicht ersetzen. Die herstellerseitigen Behandlungsempfehlungen berücksichtigen keine persönlichen Wertvorstellungen oder Begleiterkrankungen.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass die Risikokategorisierung kommerzieller Biomarker-Tests (wie die Einstufung als "niedriges Risiko") oft irreführend ist, da sie meist nur Fernrezidive abbildet. Lokale oder lokoregionale Rezidive bleiben unberücksichtigt, was zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Rückfallrisikos führen kann. Der Bericht betont, dass Biomarker-Tests das ärztliche Beratungsgespräch und die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung nicht ersetzen können.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht stellt fest, dass es aktuell keinen Beleg für einen Nutzen oder Schaden einer biomarkerbasierten Entscheidungsstrategie gibt. Es fehlen aussagekräftige Daten, die zeigen, dass diese Tests die klinisch-pathologischen Kriterien übertreffen.
Ein 10-Jahres-Rezidivrisiko von über 15 % bis 20 % wird als hoch eingestuft, sodass der medizinische Nutzen einer Chemotherapie den potenziellen Schaden überwiegt. Bei einem Risiko unter 5 % bis 10 % überwiegen hingegen die Nachteile der Therapie.
Neben akuten Komplikationen, die bei etwa 10 % der Frauen zu Hospitalisierungen führen, werden auch Langzeitschäden wie Herzinsuffizienz oder Leukämie berücksichtigt. Zudem spielen Einschränkungen der Lebensqualität durch Haarausfall oder Übelkeit eine wichtige Rolle.
Die Hersteller teilen das Risiko oft in feste Kategorien ein, die primär auf dem Risiko für Fernrezidive basieren. Dadurch kann das Gesamtrisiko für ein Wiederauftreten des Tumors unterschätzt werden, was eine falsche Sicherheit vermitteln kann.
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Quelle: IQWiG P17-03: Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei Brustkrebs - Addendum zum Auftrag D14-01 (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.