Beckenbodentraining in der Schwangerschaft: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der IQWiG-Vorbericht N25-04 untersucht den Nutzen eines präventiven Beckenbodentrainings während der Schwangerschaft. Zielgruppe der Bewertung sind schwangere Frauen ohne bestehende Symptome einer Harninkontinenz.
Während der Schwangerschaft kommt es zu hormonellen und physischen Veränderungen, die den Beckenboden stark belasten. Dies führt häufig zu einer schwangerschaftsbedingten Harninkontinenz, von der laut Bericht etwa 41 Prozent der Frauen zu irgendeinem Zeitpunkt betroffen sind.
Auch nach der Entbindung bleibt das Risiko bestehen, insbesondere nach vaginalen Spontangeburten oder dem Einsatz geburtshilflicher Instrumente. Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur soll diesen Beschwerden bereits präventiv entgegenwirken.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert zentrale Ergebnisse zum Nutzen des Beckenbodentrainings im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung.
Harninkontinenz
Für erstgebärende Frauen mit Einlingsschwangerschaft zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Nutzen des Beckenbodentrainings. Die präventive Maßnahme reduziert laut Datenlage das Auftreten einer prä- und postpartalen Harninkontinenz signifikant.
Häufig tritt die Problematik als Belastungsinkontinenz auf. Der Bericht zitiert zur Einteilung der Schweregrade die Ingelman-Sundberg-Klassifikation:
| Schweregrad | Auslöser des unwillkürlichen Harnverlusts |
|---|---|
| Grad I | Beim Husten, Niesen oder Lachen |
| Grad II | Beim Heben, Laufen oder Treppensteigen |
| Grad III | Im Stehen ohne körperliche Betätigung |
Weitere klinische Endpunkte
Für andere untersuchte Parameter konnte der Bericht weder einen Nutzen noch einen Schaden durch das Training feststellen. Dies betrifft folgende Endpunkte:
-
Prä- und postpartale Stuhlinkontinenz
-
Postpartale Schmerzen
-
Prä- und postpartale Sexualfunktion
Hinsichtlich der präpartalen gesundheitsbezogenen Lebensqualität ist laut Bericht keine Nutzenaussage ableitbar. Dies wird mit einer Herabstufung der Aussagesicherheit aufgrund unpublizierter Studienergebnisse begründet.
Geburtsverlauf und Sicherheit
Das Beckenbodentraining zeigt keine negativen Auswirkungen auf den Geburtsverlauf. Es ergab sich kein nachteiliger Effekt hinsichtlich Spontangeburten, höhergradigen Dammrissen, Frühgeburten oder vorzeitigen Blasensprüngen.
Zudem wurden in den eingeschlossenen Studien keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Training berichtet.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist auf eine hohe methodische Verzerrung in den zugrundeliegenden Studien hin, da häufig eine Verblindung fehlte und Ergebnisse selektiv berichtet wurden. Dennoch wird das präventive Beckenbodentraining als sichere Maßnahme eingestuft, die den Geburtsverlauf nicht negativ beeinflusst. Es bietet sich an, schwangere Frauen frühzeitig über diese nebenwirkungsfreie Präventionsmöglichkeit aufzuklären.
Häufig gestellte Fragen
In den untersuchten Studien variierte der Beginn stark. Häufig wurde das Training ab der 20. Schwangerschaftswoche gestartet, in einigen Studien jedoch auch schon ab der 8. bis 14. Woche.
Laut dem IQWiG-Bericht lässt sich auf Basis der aktuellen Datenlage weder ein Nutzen noch ein Schaden für die Prävention der prä- oder postpartalen Stuhlinkontinenz ableiten.
Der Bericht verneint dies. Es zeigte sich kein nachteiliger Effekt des Trainings auf den Geburtsmodus oder das Auftreten höhergradiger Dammrisse.
Der Bericht hält fest, dass das Training zur Prävention nicht als ärztliche Verordnung erstattungsfähig ist. Es besteht jedoch die Möglichkeit, zertifizierte Präventionskurse zu nutzen, bei denen Krankenkassen die Gebühren anteilig erstatten können.
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Quelle: IQWiG N25-04 : Bewertung des Beckenbodentrainings in der Schwangerschaft zur Prävention von prä- und postpartaler Harninkontinenz (IQWiG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.