Literaturrecherche ohne PubMed: IQWiG GA25-07
Hintergrund
Das IQWiG-Arbeitspapier GA25-07 untersucht die Sicherstellung wissenschaftlicher Recherchen für den Fall, dass US-amerikanische Datenbanken nicht mehr verfügbar sind. Hintergrund sind mögliche wissenschaftspolitische Veränderungen in den USA, die zu einem Wegfall oder einer Kostenpflichtigkeit von PubMed und ClinicalTrials.gov führen könnten.
Ein solcher Wegfall würde die Informationsbeschaffung für systematische Übersichtsarbeiten und die evidenzbasierte Medizin in Deutschland erheblich beeinträchtigen. Das Papier analysiert daher primär, wie die Nutzung von Bestandsdaten gesichert und welche alternativen Datenbanken für zukünftige Recherchen genutzt werden können.
Empfehlungen
Das Arbeitspapier formuliert folgende strategische Handlungsoptionen für die Literatur- und Studienrecherche:
Alternativen für PubMed und MEDLINE
Laut Bericht gehen die Betreiber davon aus, dass der bisherige Archivbestand von MEDLINE über bestehende Schnittstellen (API) oder Anbieter wie Ovid und Embase weiterhin zugänglich bleibt. Für die Suche nach neuen, zukünftigen Referenzen wird eine kombinierte Suchstrategie empfohlen.
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Nutzung von Crossref (beispielsweise über die Suchmaschine Lens) für einfache Recherchen
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Kombination aus Embase (Ovid) und Crossref (über Lens) bei komplexen Suchstrategien und hohen Trefferzahlen
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Kombinierte Abdeckung: Durch die Kombination von Embase und Crossref können laut Analyse etwa 96 % der MEDLINE-Journals abgedeckt werden
Alternativen für ClinicalTrials.gov
Für den Archivbestand von ClinicalTrials.gov stellt das ICTRP Search Portal der WHO derzeit die umfangreichste Datenquelle dar. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Portal lediglich auf die Originaleinträge verlinkt und Ergebnisdokumente separat identifiziert werden müssen.
Für die zukünftige Registrierung und Identifizierung von Studien bewertet das Papier verschiedene Register.
| Studienregister | Fokus | Eignung als Alternative |
|---|---|---|
| ISRCTN | Übergreifend | Einzige aktuelle Alternative für freie Registrierung, jedoch geringer Datenbestand |
| EU CTR / CTIS | Arzneimittelstudien | Geeignet für europäische Zulassungsstudien, keine freiwillige Registrierung möglich |
| ICTRP Search Portal | Metaregister | Geeignet für die Suche im Archivbestand, bietet selbst keine Registrierung an |
Strategische Forderungen
Um die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Informationsversorgung langfristig zu sichern, werden zentrale Akteure im europäischen Gesundheitswesen zum Handeln aufgefordert.
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Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur mit einem leistungsfähigen Interface für frei zugängliche Crossref-Referenzen
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Ausbau des ICTRP Search Portals zur direkten Bereitstellung von Dokumenten
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Öffnung des europäischen CTIS-Registers für freiwillige Studienregistrierungen
💡Praxis-Tipp
Bei einem Wegfall von PubMed reicht Embase allein nicht aus, da es nur etwa 64 % der MEDLINE-Journals abdeckt. Es wird empfohlen, systematische Recherchen zwingend um Academic Search Engines wie Lens (auf Basis von Crossref) zu ergänzen, um Informationsverluste zu vermeiden. Bei nicht-medikamentösen Studien droht ohne ClinicalTrials.gov ein massiver Datenverlust von bis zu 65 %, weshalb hier alternative Suchstrategien besonders kritisch sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es keine einzelne Datenbank, die PubMed vollständig ersetzen kann. Es wird eine kombinierte Recherche in Embase und Crossref (beispielsweise über Lens) empfohlen, womit etwa 96 % der MEDLINE-Journals abgedeckt werden können.
Das Arbeitspapier geht davon aus, dass der bisherige Archivbestand von MEDLINE erhalten bleibt. Der Zugriff soll weiterhin über bestehende Schnittstellen (API) oder kommerzielle Anbieter wie Ovid und Embase möglich sein.
Für neue Arzneimittelstudien in Europa stellen das EU CTR und das CTIS laut Bericht geeignete Alternativen dar. Für nicht-medikamentöse Verfahren oder freiwillige Registrierungen wird das ISRCTN-Register als derzeit einzige übergreifende Alternative genannt.
Das Papier verweist auf das ICTRP Search Portal der WHO, welches die Einträge aggregiert. Da dieses jedoch nur verlinkt, müssen tiefergehende Dokumente oder Ergebnisse gegebenenfalls über Web-Archive wie die Wayback Machine gesucht werden, was laut Analyse jedoch fehleranfällig ist.
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Quelle: IQWiG GA25-07: Sicherstellung wissenschaftlicher Recherchen ohne PubMed und ClinicalTrials.gov (IQWiG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.