Systematische Reviews in der Nutzenbewertung: IQWiG
Hintergrund
Das IQWiG-Arbeitspapier GA19-01 untersucht, ob die Verwendung bereits publizierter systematischer Übersichtsarbeiten (SÜs) die Erstellung eigener Nutzenbewertungen vereinfachen und beschleunigen kann. Bisherige Versuche scheiterten oft an unzureichender methodischer Qualität oder Fehlern in der Studienselektion der SÜs.
Um den effizienten Einsatz von Ressourcen zu prüfen, vergleicht das Papier retrospektiv fünf abgeschlossene Nutzenbewertungen mit 22 korrespondierenden SÜs. Dabei wird die Übereinstimmung hinsichtlich der Informationsbeschaffung und der Datenextraktion analysiert.
Die methodische Qualität der eingeschlossenen SÜs wurde mit dem ROBIS-Instrument (Risk of Bias in Systematic Reviews) bewertet. Die Analyse fokussiert sich auf nicht-medikamentöse Verfahren, die zwischen 2016 und 2019 veröffentlicht wurden.
Empfehlungen
Das Papier formuliert zentrale Erkenntnisse zur Methodik und Nutzbarkeit systematischer Übersichten:
Informationsbeschaffung (Studienidentifikation)
Die Analyse zeigt, dass durch SÜs im Durchschnitt nur 60 Prozent der relevanten Primärstudien identifiziert werden konnten. Etwa 31 Prozent der Studien fehlten aus nachvollziehbaren inhaltlichen Gründen, wie abweichenden Einschlusskriterien.
Bei 10 Prozent der Primärstudien war das Fehlen in den SÜs jedoch methodisch nicht erklärbar. Das Papier betont, dass eine Vollständigkeit von 90 Prozent für nationale Kostenerstattungsentscheidungen als unzureichend angesehen wird.
Datenextraktion und Endpunkte
Hinsichtlich der Datenextraktion erwiesen sich die SÜs als weitgehend unvollständig. Das Papier dokumentiert folgende Ergebnisse:
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Für 62 Prozent der patientenrelevanten Endpunkte lagen in den SÜs überhaupt keine verwertbaren Ergebnisse vor.
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Bei den verbleibenden 38 Prozent der Endpunkte konnte im Median nur ein Drittel (35,5 Prozent) der Primärstudiendaten extrahiert werden.
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Eine ergänzende Datenextraktion direkt aus den Primärstudien ist laut Bericht in fast allen Fällen zwingend erforderlich.
Qualitätsbewertung der SÜs
Die methodische Qualität der 22 untersuchten SÜs wurde mittels ROBIS-Tool bewertet. Dabei ergab sich folgendes Bild:
| Verzerrungsrisiko (ROBIS Phase 3) | Anzahl der SÜs | Anteil |
|---|---|---|
| Niedriges Risiko | 11 | 50 % |
| Unklares Risiko | 6 | 27 % |
| Hohes Risiko | 5 | 23 % |
Das Papier hält fest, dass selbst bei SÜs mit niedrigem Verzerrungsrisiko relevante Primärstudien fehlen können. Eine vorherige inhaltliche und methodische Prüfung externer SÜs wird daher als unerlässlich beschrieben.
Gesamtfazit zur Arbeitserleichterung
In der Gesamtschau erwartet das Institut keine relevante Reduzierung des Aufwands bei der Erstellung von Nutzenbewertungen durch den reinen Rückgriff auf SÜs. Die notwendige Nachprüfung und ergänzende Extraktion heben die theoretische Zeitersparnis weitgehend auf.
💡Praxis-Tipp
Das Papier verdeutlicht, dass publizierte systematische Reviews oft nicht alle relevanten Primärstudien enthalten und für Kostenerstattungsentscheidungen unzureichend sein können. Es wird darauf hingewiesen, dass eine kritische methodische Eigenprüfung und eine ergänzende Datenextraktion aus den Primärstudien unerlässlich bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Das Arbeitspapier zeigt, dass externe systematische Übersichten oft unvollständig sind und relevante Primärstudien übersehen. Zudem fehlen häufig detaillierte Daten zu patientenrelevanten Endpunkten, was eine eigene Datenextraktion zwingend erforderlich macht.
Laut der retrospektiven Analyse des Instituts konnten über die untersuchten systematischen Übersichten nur etwa 60 Prozent der relevanten Primärstudien identifiziert werden. Bei 10 Prozent der Studien war das Fehlen methodisch nicht erklärbar.
Das Institut verwendet für die Qualitätsbewertung das Instrument ROBIS (Risk of Bias in Systematic Reviews). Dieses bewertet mögliche Verzerrungen bei der Studienauswahl, Datenextraktion und Synthese, um das Gesamtrisiko einzustufen.
Der Bericht stellt fest, dass dies in der Praxis kaum möglich ist, da für 62 Prozent der patientenrelevanten Endpunkte keine Ergebnisse in den Reviews vorlagen. Selbst wenn Daten vorhanden waren, erwiesen sich diese meist als unvollständig.
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Quelle: IQWiG GA19-01: Nutzenbewertungen des IQWiG anhand von systematischen Übersichten: Eine vergleichende Bestandsaufnahme (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.