Capivasertib bei Mammakarzinom: IQWiG-Addendum G25-06
Hintergrund
Das IQWiG-Addendum G25-06 bewertet ergänzende Daten zur Nutzenbewertung von Capivasertib beim Mammakarzinom. Der Fokus liegt auf der Herleitung der Patientenzahlen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Die Zielpopulation umfasst Erwachsene mit Östrogenrezeptor(ER)-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom. Voraussetzung ist das Vorliegen von PIK3CA-, AKT1- oder PTEN-Alterationen nach Rezidiv oder Progression unter endokriner Therapie.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte im Stellungnahmeverfahren eine Neuberechnung der Patientenzahlen ein. Das IQWiG prüft diese methodischen Schritte auf Plausibilität und bewertet die verbleibenden Unsicherheiten der Schätzung.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende methodische Bewertungen zur Schätzung der Zielpopulation:
Methodik der Schätzung
Der Bericht beschreibt ein achtstufiges Verfahren zur Ermittlung der Patientenzahlen. Ausgehend von der Inzidenz und Prävalenz des Mammakarzinoms werden schrittweise Anteile für das Tumorstadium, den Rezeptorstatus und spezifische Vortherapien berechnet.
Anschließend wird die Population auf Personen mit PIK3CA-, AKT1- oder PTEN-Alterationen eingegrenzt. Zuletzt erfolgt die Berechnung des GKV-Anteils.
Identifizierte Unsicherheiten
Das IQWiG stuft die vorgelegten Berechnungen als rechnerisch nachvollziehbar, jedoch mit deutlichen Unsicherheiten behaftet ein. Folgende methodische Schwächen werden im Bericht hervorgehoben:
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Die Übertragung von weiblichen Anteilswerten auf männliche Erkrankte ist unklar belegt.
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Bei der unteren Grenze der Schätzung fehlen Erkrankte aus Vorjahren, was zu einer Unterschätzung führt.
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Bei der oberen Grenze kommt es durch die Vermischung von Prävalenzdaten und Progressionsraten zu methodischen Doppelzählungen.
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Die Addition der einzelnen Mutationsraten ignoriert, dass bei 4 bis 8 Prozent der Betroffenen mehrere Alterationen gleichzeitig vorliegen.
Zielpopulationen und berechnete Fallzahlen
Der Bericht unterteilt die Zielpopulation anhand der Vortherapien und des Geschlechts in vier Fragestellungen. Die geschätzten und vom IQWiG bewerteten GKV-Patientenzahlen stellen sich wie folgt dar:
| Fragestellung | Patientengruppe | Geschätzte GKV-Patientenzahl |
|---|---|---|
| 1 | Frauen, bisher keine Behandlung im fortgeschrittenen Stadium | 75 – 7.965 |
| 2 | Männer, bisher keine Behandlung im fortgeschrittenen Stadium | 1 – 68 |
| 3 | Frauen, Progression nach Therapie im fortgeschrittenen Stadium | 409 – 18.551 |
| 4 | Männer, Progression nach Therapie im fortgeschrittenen Stadium | 4 – 158 |
Fazit der Bewertung
Laut Bericht sind die neu vorgelegten Zahlen methodisch gegenüber dem ursprünglichen Dossier vorzuziehen. Die finale Entscheidung über die anerkannte Größe der GKV-Zielpopulation obliegt jedoch dem Gemeinsamen Bundesausschuss.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass bei der Schätzung von Mutationsraten (PIK3CA, AKT1, PTEN) eine einfache Addition der Einzelraten methodisch fehlerhaft ist. Es wird betont, dass bei einem relevanten Teil der Betroffenen (etwa 4 bis 8 Prozent) mehrere dieser Alterationen gleichzeitig vorliegen. Dies führt bei unkorrigierter Addition zu einer Überschätzung der tatsächlichen Zielpopulation.
Häufig gestellte Fragen
Laut Fachinformation wird das Vorliegen von einer oder mehreren PIK3CA-, AKT1- oder PTEN-Alterationen gefordert. Der IQWiG-Bericht merkt an, dass diese Mutationen bei einigen Betroffenen auch kombiniert auftreten können.
Die Zielpopulation umfasst Personen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom. Es muss sich zudem um einen ER-positiven und HER2-negativen Tumor handeln.
Der Bericht beschreibt, dass ein Rezidiv oder eine Progression der Erkrankung während oder nach einer endokrinen Therapie aufgetreten sein muss. Zudem darf keine Indikation für eine Chemotherapie zur schnellen Remission bestehen.
Die Schätzungen weisen eine sehr große Spannweite auf und sind laut IQWiG mit Unsicherheiten behaftet. Für Frauen mit Vortherapie im fortgeschrittenen Stadium wird beispielsweise eine Spanne von 409 bis 18.551 GKV-Patientinnen angegeben.
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Quelle: IQWiG G25-06: Capivasertib (Mammakarzinom) – 2. Addendum zum Projekt A24-105 (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.