Ribociclib bei frühem Mammakarzinom: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung von Ribociclib beauftragt. Die Bewertung bezieht sich auf die adjuvante Behandlung in Kombination mit einem Aromatasehemmer.
Eingeschlossen sind Patientinnen und Patienten mit einem Hormonrezeptor(HR)-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2(HER2)-negativen frühen Mammakarzinom. Voraussetzung für die Behandlung ist ein hohes Rezidivrisiko nach vollständiger chirurgischer Resektion.
Die Bewertung gliedert sich in drei Fragestellungen: prämenopausale Frauen, postmenopausale Frauen und Männer. Für alle drei Gruppen wurde der Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie des G-BA geprüft.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen von Ribociclib:
Prämenopausale Frauen
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen für prämenopausale Frauen nicht belegt. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegte NATALEE-Studie wird für diese Fragestellung als nicht geeignet eingestuft.
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Im Vergleichsarm der Studie erhielten die Patientinnen überwiegend Anastrozol oder Letrozol mit Ovarialsuppression.
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Diese Wirkstoffe entsprechen nicht der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie (Tamoxifen, Abemaciclib oder Olaparib).
Postmenopausale Frauen
Auch für postmenopausale Frauen ist ein Zusatznutzen laut IQWiG nicht belegt. Zwar wird die NATALEE-Studie für diese Gruppe als relevant eingestuft, die vorgelegten Daten sind jedoch methodisch ungeeignet.
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Die eingereichten Auswertungen basieren auf einem nicht prädefinierten, post-hoc durchgeführten Datenschnitt (29.04.2024).
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Die Ergebnisse zum relevanten, präspezifizierten Datenschnitt (21.07.2023) fehlen im entsprechenden Dossier-Modul.
Männer
Für männliche Patienten mit Brustkrebs liegt kein Zusatznutzen vor. Es wurden keine geeigneten Daten für den direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie eingereicht.
Dosierung
Die in der NATALEE-Studie verwendete Dosierung der Studienmedikation wird wie folgt beschrieben:
| Medikament | Dosis | Anwendung |
|---|---|---|
| Ribociclib | 400 mg/Tag | Tag 1–21 eines 28-Tage-Zyklus (oral) |
| Letrozol | 2,5 mg/Tag | kontinuierlich (oral) |
| Anastrozol | 1 mg/Tag | kontinuierlich (oral) |
| Goserelin | 3,6 mg | Tag 1 ± 3 eines 28-Tage-Zyklus (subkutan) |
Laut Bericht ist bei nicht tolerierbarer Toxizität eine einmalige Dosisreduktion von Ribociclib auf 200 mg/Tag möglich. Eine erneute Eskalation ist nicht vorgesehen. Bei prämenopausalen Frauen und Männern wird die Therapie mit Goserelin kombiniert.
Kontraindikationen
Gemäß den Ausschlusskriterien der NATALEE-Studie dürfen folgende Vorbehandlungen nicht erfolgt sein:
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Vorherige Gabe von CDK4/6-Inhibitoren
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Tamoxifen, Raloxifen oder Aromataseinhibitoren zur Brustkrebsprävention oder Osteoporosebehandlung in den letzten 2 Jahren
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Anthrazykline in hohen Dosen (Doxorubicin ≥ 450 mg/m², Epirubicin ≥ 900 mg/m²)
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Systemische Kortikosteroide (≤ 2 Wochen vor Studienbeginn)
💡Praxis-Tipp
Der Bericht verdeutlicht die strikten methodischen Anforderungen der frühen Nutzenbewertung. Es wird darauf hingewiesen, dass Studiendaten nur dann anerkannt werden, wenn sie exakt die vom G-BA festgelegte Vergleichstherapie abbilden und auf präspezifizierten Datenschnitten beruhen. Abweichungen führen regelhaft dazu, dass ein Zusatznutzen formal als nicht belegt gilt, unabhängig von den klinischen Ergebnissen der Studie.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Ribociclib in der adjuvanten Therapie für keine der untersuchten Patientengruppen belegt. Grund hierfür sind methodische Mängel im eingereichten Dossier.
Der Bericht bemängelt, dass die Patientinnen im Vergleichsarm der Studie nicht die vom G-BA geforderte zweckmäßige Vergleichstherapie erhielten. Statt Tamoxifen, Abemaciclib oder Olaparib wurde überwiegend Anastrozol oder Letrozol eingesetzt.
In der Studie wurde Ribociclib in einer Dosierung von 400 mg pro Tag an den Tagen 1 bis 21 eines 28-Tage-Zyklus verabreicht. Bei Toxizität war eine Dosisreduktion auf 200 mg pro Tag möglich.
Gemäß dem Studienprotokoll ist eine Behandlungsdauer mit Ribociclib von 36 Monaten (etwa 39 Zyklen) vorgesehen. Die begleitende endokrine Therapie wird für 60 Monate fortgeführt.
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Quelle: IQWiG A24-124: Ribociclib (Mammakarzinom, adjuvante Therapie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.