Misoprostol zur Geburtseinleitung: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2022 befasst sich mit der Nutzenbewertung von Misoprostol zur Geburtseinleitung. Es handelt sich um ein Addendum im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).
Ziel des Berichts ist die genauere Eingrenzung der Zielpopulation innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Insbesondere wird der Anteil der schwangeren Frauen untersucht, für die aufgrund eines vorangegangenen Kaiserschnitts eine Kontraindikation für das Medikament besteht.
Laut Fachinformation wird Misoprostol ab der 37. Schwangerschaftswoche angewendet, wenn die Reife des Gebärmutterhalses unzureichend ist (Bishop-Score < 7). Bei einer reifen Zervix kommt das Medikament zur Geburtseinleitung in der Regel nicht zum Einsatz.
Empfehlungen
Der Bericht fokussiert sich auf die epidemiologische Eingrenzung der Zielpopulation und formuliert folgende Kernaussagen:
Zielpopulation und Kontraindikationen
Der IQWiG-Bericht analysiert die Zielpopulation für Misoprostol auf Basis von Daten des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) aus dem Jahr 2019.
Es wird betont, dass Misoprostol bei Verdacht auf oder Nachweis einer Uterusnarbe aus früheren Operationen kontraindiziert ist. Dies betrifft in der geburtshilflichen Praxis insbesondere Frauen mit einem Zustand nach Kaiserschnitt (Sectio caesarea).
Epidemiologische Auswertung
Zur Ermittlung des Anteils der betroffenen Frauen wurde eine spezifische Populationsebene (Einlinge, > 36. Schwangerschaftswoche, keine Querlage) ausgewertet. Die Verteilung stellt sich wie folgt dar:
| Population | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Erst- oder mehrgebärende Mütter (Gesamtbasis) | 692.258 | 100 % |
| Davon mehrgebärende Mütter | 376.720 | ca. 54 % |
| Davon Mütter mit vorangegangenem Kaiserschnitt | 104.370 | ca. 28 % der Mehrgebärenden |
Daraus ergibt sich rechnerisch ein Anteil von ca. 15 % der Frauen mit einem Kaiserschnitt bei einer vorangegangenen Geburt, bezogen auf die Gesamtpopulation der Erst- und Mehrgebärenden.
Klinische Einordnung
Der Bericht weist darauf hin, dass dieser errechnete Anteil von 15 % nicht direkt auf die GKV-Zielpopulation für eine Geburtseinleitung übertragen werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass der tatsächliche Anteil in der Zielpopulation geringer ausfällt.
Als Grund hierfür wird angeführt, dass die Indikation zur Geburtseinleitung nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt aufgrund des Risikos einer Uterusruptur besonders streng gestellt werden muss.
Kontraindikationen
Laut IQWiG-Bericht und zugrundeliegender Fachinformation ist Misoprostol in folgenden Fällen kontraindiziert:
-
Bei Verdacht auf eine Uterusnarbe aus früheren Uterus- oder Zervixoperationen
-
Bei Nachweis einer Uterusnarbe, wie zum Beispiel nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt (Sectio caesarea)
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt unter Verweis auf die S2k-Leitlinie hervor, dass bei einer Geburtseinleitung nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt ein erhöhtes Risiko für eine Uterusruptur besteht. Es wird betont, dass die Indikation in diesen Fällen streng gestellt und mögliche Alternativen (wie eine Re-Sectio) aufgezeigt werden müssen. Zudem wird explizit darauf hingewiesen, dass Misoprostol bei Zustand nach Kaiserschnitt kontraindiziert ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Bericht wird Misoprostol ab der 37. Schwangerschaftswoche empfohlen, wenn die Reife des Gebärmutterhalses unzureichend ist. Dies entspricht einem Bishop-Score von unter 7.
Nein, der IQWiG-Bericht verweist auf die Fachinformation, wonach Misoprostol bei einer Uterusnarbe kontraindiziert ist. Dies schließt Patientinnen mit einem vorangegangenen Kaiserschnitt ein.
Der pharmazeutische Unternehmer schätzt die jährliche GKV-Zielpopulation auf 90.497 bis 106.286 Patientinnen. Diese Zahlen umfassen Frauen mit einer Indikation zur Geburtseinleitung bei unreifer Zervix.
Der Bericht zitiert die S2k-Leitlinie, welche auf das Risiko einer Uterusruptur bei einer Geburtseinleitung nach vorangegangenem Kaiserschnitt hinweist. Daher wird eine besonders strenge Indikationsstellung in diesen Fällen gefordert.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG G22-04: Misoprostol (Geburtseinleitung) - Addendum zum Auftrag A21-114 (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.