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Geburtseinleitung: S2k-Leitlinie (AWMF/DGGG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Terminüberschreitung erfordert ab 41+0 SSW das Angebot einer Einleitung, ab 42+0 SSW soll sie dringend empfohlen werden.
  • Der Bishop-Score sollte zur Prädiktion des Einleitungserfolgs erhoben und dokumentiert werden.
  • Oxytocin soll bei unreifem Zervixbefund nicht eingesetzt werden; hier sind Prostaglandine oder Ballonkatheter indiziert.
  • Misoprostol ist das wirksamste Medikament bei unreifem Zervixbefund, die orale Applikation sollte bevorzugt werden.
  • Bei Zustand nach Sectio ist eine strenge Indikationsstellung und schriftliche Aufklärung über das Uterusruptur-Risiko zwingend.
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Hintergrund

Die Geburtseinleitung gehört zu den häufigsten geburtshilflichen Maßnahmen und wird bei etwa 20–25 % aller Schwangerschaften durchgeführt. Ziel ist es, ein besseres perinatales Ergebnis für Mutter und Kind zu erreichen als durch eine abwartende Haltung. Vor jeder Einleitung soll eine ärztliche Aufklärung und Beratung zur gemeinsamen Entscheidungsfindung erfolgen.

Indikationen und Zeitpunkte

Die Empfehlungen zur Einleitung richten sich stark nach dem Gestationsalter und vorliegenden Risikofaktoren.

IndikationGestationsalter (SSW)Empfehlungsgrad / Bemerkung
Terminüberschreitungab 41+0Kann angeboten werden
ab 41+3Sollte empfohlen werden
Übertragungab 42+0Soll dringend empfohlen werden
PPROM (<37+0)spätestens ab 37+0Sollte empfohlen werden (bei fehlendem Triple I)
PROM (am Termin)spätestens nach 24hSoll empfohlen werden
Gestationsdiabetes< 38+0Soll nicht angestrebt werden (Gefahr der Frühgeburtlichkeit)
ab 40+0Soll bei insulinpflichtigem GDM angeboten werden
Präeklampsieab 34+0Soll nach Abwägung empfohlen werden
spätestens ab 37+0Soll empfohlen werden
Gestationshypertonieab 37+0Sollte empfohlen werden
Chronische Hypertonieab 38+0Sollte empfohlen werden
Cholestaseab 38+0Soll empfohlen werden (ab 37+0 sollte)
Makrosomie (>95. Perz.)ab 39+0Sollte angeboten werden
Wunscheinleitungnicht vor 39+0Sollte nicht vor 39+0 SSW durchgeführt werden

Hinweis: Ein diätetisch gut eingestellter Gestationsdiabetes, ein isoliertes Oligohydramnion (>37+0 SSW) oder ein isoliertes Polyhydramnion stellen für sich genommen keine routinemäßige Indikation zur Beendigung dar.

Prädiktion und Zervixbeurteilung

Der Bishop-Score sollte vor jeder Einleitung erhoben und dokumentiert werden, da er maßgeblich den Einleitungserfolg prädiziert und die Methodenwahl bestimmt. Ein reifer Zervixbefund begünstigt den Erfolg.

Methoden der Geburtseinleitung

Mechanische Verfahren

MethodeIndikation / BemerkungEvidenz / Empfehlung
EipollösungAm TerminKann angeboten werden
AmniotomieReifer ZervixbefundSoll nicht als alleiniges Verfahren erfolgen
BallonkatheterUnreifer ZervixbefundWirksam; geringere Überstimulationsrate als Prostaglandine
Hygroskopische DilatatorenUnreifer ZervixbefundKönnen verwendet werden (auch bei Z.n. Sectio)

Medikamentöse Verfahren

WirkstoffIndikationEmpfehlung / Bemerkung
OxytocinReifer ZervixbefundSoll nicht bei unreifem Befund verwendet werden. Kontinuierliches CTG soll erfolgen.
Dinoproston (PGE2)Unreifer ZervixbefundVaginale Applikation sollte der intrazervikalen vorgezogen werden.
Misoprostol (PGE1)Unreifer ZervixbefundWirksamstes Medikament. Orale Applikation sollte bevorzugt werden.
RizinusölStationäres SettingSoll nicht ambulant verwendet werden. Sollte nur in Studien erfolgen.

Besonderheiten zu Misoprostol

  • Off-Label-Use: Bis zum Erhalt einer neuen Zulassung soll über den Off-Label-Use aufgeklärt werden.
  • Dosierung: 25 µg gelten vaginal als sicher. 50 µg oral entsprechen dem Sicherheitsprofil von 25 µg vaginal.
  • Grenzwerte: Erstgaben > 50 µg und Einzelgaben > 100 µg sollten vermieden werden.
  • Herstellung: Eigenhändiges Zerstückeln oder Auflösen von Tabletten ist aufgrund ungenauer Wirkstoffkonzentrationen zu vermeiden. Eine korrekte Herstellung durch eine Apotheke ist unabdingbar.

Überwachung

  • Vor Beginn einer medikamentösen Einleitung soll ein CTG erfolgen.
  • Bei relevanten Wehen oder Blasensprung unter medikamentöser Einleitung soll ein CTG geschrieben werden.
  • Nach Prostaglandingabe sollten CTG-Kontrollen im Verlauf erfolgen.
  • Bei Oxytocin soll kontinuierlich CTG abgeleitet werden.

Besondere Situationen

  • Zustand nach Sectio: Erfordert eine strenge Indikationsstellung, ausführliche Aufklärung über das Uterusruptur-Risiko und eine schriftliche Einverständniserklärung.
  • Adipositas: Assoziiert mit längeren Einleitungsintervallen und höherem Dosisbedarf an Oxytocin und Prostaglandinen.
  • Beckenendlage (BEL): Eine Geburtseinleitung ist möglich.
  • Geminigravidität: Bei normal verlaufender dichorialer Geminigravidität kann ab 37+0 SSW und sollte ab 38+0 SSW die Schwangerschaft beendet werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf das eigenhändige Zerstückeln oder Auflösen von Misoprostol-Tabletten. Nutzen Sie stets apothekengefertigte Präparate, um ungenaue Wirkstoffkonzentrationen und Überstimulationen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Ab 41+0 SSW kann, ab 41+3 SSW sollte und ab 42+0 SSW soll die Einleitung dringend empfohlen werden.
Nein, Oxytocin soll bei einem unreifen Zervixbefund nicht zur Geburtseinleitung verwendet werden.
Die orale Applikation sollte bevorzugt werden. 50 µg oral entsprechen dabei dem Sicherheitsprofil von 25 µg vaginal.
Ja, sie erfordert aber eine strenge Indikationsstellung, ausführliche Aufklärung über das Uterusruptur-Risiko und zwingend eine schriftliche Einverständniserklärung.
Spätestens nach 24 Stunden soll eine Geburtseinleitung empfohlen werden.

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