Vaginale Geburt am Termin: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie umfasst Einlingsschwangerschaften in Schädellage zwischen 37+0 und 41+6 SSW.
- •Ab der aktiven Eröffnungsphase wird eine 1-zu-1-Betreuung durch eine Hebamme empfohlen.
- •In der aktiven Austrittsphase dürfen Gebärende nicht vom Fachpersonal alleingelassen werden.
- •Die Aufklärung zur Wahl des Geburtsortes muss objektiv und wertfrei erfolgen.
Hintergrund
Die S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin richtet sich an Schwangere und Gebärende mit einer Einlingsschwangerschaft in Schädellage zwischen 37+0 und 41+6 Schwangerschaftswochen (SSW). Ziel ist es, die physiologische Geburt zu fördern, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken und eine frauzentrierte Betreuung zu gewährleisten.
Geburtsphasen
Die Leitlinie definiert die Phasen der Geburt klar, um pathologische Entwicklungen besser abgrenzen zu können:
| Phase | Definition |
|---|---|
| Geburtsbeginn | Beginn regelmäßiger, schmerzhafter und progressiver Wehentätigkeit |
| Latenzphase (frühe Eröffnungsphase) | Geburtsbeginn bis zu einer Muttermundöffnung von 4–6 cm |
| Aktive Eröffnungsphase | Muttermundöffnung von 4–6 cm bis zur vollständigen Muttermundöffnung |
| Passive Austrittsphase | Vollständige Muttermundöffnung, (noch) kein Pressdrang |
| Aktive Austrittsphase | Kind sichtbar und/oder reflektorischer Pressdrang bei vollständigem Muttermund bzw. aktives Pressen |
| Nachgeburtsphase | Entwicklung des Neugeborenen bis zum vollständigen Vorliegen von Plazenta und Eihäuten |
Aufklärung und Beratung
Eine informierte und selbstbestimmte Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) ist essenziell. Frauen haben das Recht, umfassend über Maßnahmen, Risiken und Alternativen aufgeklärt zu werden.
- Empfehlungsgrad A: Frauen sollen über die Möglichkeit unterschiedlicher Geburtsorte (Klinik, Geburtshaus, Hausgeburt) informiert sein.
- Empfehlungsgrad A: Die Aufklärung über geburtshilfliche Settings (z. B. Zugang zu Schmerzmitteln, ärztlicher Betreuung) muss erfolgen.
- Empfehlungsgrad A: Die Beratung zur Wahl des Geburtsortes soll objektiv und ohne persönliche Wertung der beratenden Person stattfinden.
- Empfehlungsgrad A: Kommunikation und Information müssen für medizinische Laien verständlich sein, auch unter Berücksichtigung von Sprachbarrieren oder Behinderungen.
Betreuung unter der Geburt
Die kontinuierliche Unterstützung durch geburtshilfliches Fachpersonal hat einen positiven Einfluss auf den Geburtsverlauf und die Zufriedenheit der Frau.
- Empfehlungsgrad B: Frauen sollten ab der aktiven Eröffnungsphase eine Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme erhalten. Dies ist assoziiert mit mehr vaginalen Geburten, weniger Kaiserschnitten und weniger höhergradigen Dammrissen.
- Expert*innenkonsens: Frauen sollen in der aktiven Austrittsphase nicht vom geburtshilflichen Personal alleingelassen werden.
- Empfehlungsgrad B: Frauen sollte es ermöglicht werden, von einer Begleitperson ihrer Wahl während der Geburt unterstützt zu werden.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie das Modell der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making), um Frauen objektiv und verständlich über Geburtsorte und Interventionen aufzuklären, ohne persönliche Wertungen einfließen zu lassen.