Sectio caesarea (Kaiserschnitt): S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Sectio-Klassifikation nach Robson soll zur Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit standardmäßig angewendet werden.
- •Eine primäre Sectio erfolgt vor Geburtsbeginn (keine Wehen, kein Blasensprung), eine sekundäre nach Geburtsbeginn.
- •Die Aufklärung über den Geburtsmodus soll frühzeitig und nach dem Prinzip des Shared Decision Making erfolgen.
- •Eine geplante vaginale Geburt weist ein geringeres Risiko für schwere mütterliche Morbidität und Mortalität auf als eine geplante Sectio.
- •Langzeitfolgen einer Sectio umfassen ein erhöhtes Risiko für Plazentationsstörungen und Uterusrupturen in Folgeschwangerschaften.
Hintergrund
Die Sectio caesarea ist die weltweit häufigste Operation bei Frauen. In Deutschland lag die Sectio-Rate im Jahr 2014 bei 31,8 %. Eine spezifische Zielrate wird in der Leitlinie nicht vorgegeben, da belastbare Daten zur optimalen Rate fehlen. Es gilt jedoch als gesichert, dass eine Sectio-Rate von über 15 % keinen günstigen Einfluss auf die mütterliche und neonatale Morbidität und Mortalität hat.
Klinisch wird zwischen zwei Zeitpunkten unterschieden:
- Primäre Sectio: Die Geburt hat noch nicht begonnen (weder vorzeitiger Blasensprung noch muttermundwirksame Wehentätigkeit).
- Sekundäre Sectio: Die Geburt hat bereits begonnen.
Klassifikation nach Robson
Um Sectio-Raten national und international risikoadjustiert vergleichen zu können, soll die 10-Gruppen-Klassifikation nach Robson angewendet werden (Empfehlungsgrad A).
| Robson-Gruppe | Patientenkollektiv |
|---|---|
| 1 | Nullipara, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn |
| 2 | Nullipara, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Einleitung oder primäre Sectio |
| 3 | Multipara (kein Z.n. Sectio), Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn |
| 4 | Multipara (kein Z.n. Sectio), Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Einleitung oder primäre Sectio |
| 5 | Multipara, Z.n. Sectio, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW |
| 6 | Nullipara, Einling, Beckenendlage (BEL) |
| 7 | Multipara (inkl. Z.n. Sectio), Einling, Beckenendlage (BEL) |
| 8 | Alle Frauen, Mehrlingsgravidität |
| 9 | Alle Frauen, Quer- oder Schräglage |
| 10 | Alle Frauen, Einling, Schädellage, < 37+0 SSW |
Aufklärung und Beratung
Die Besprechung des Geburtsmodus sollte in einem angemessenen Rahmen nach dem Prinzip des Shared Decision Making (partizipative Entscheidungsfindung) stattfinden. Schwangere müssen frühzeitig evidenzbasierte Informationen über Vor- und Nachteile erhalten. Dies schließt auch Frauen ein, die explizit eine Sectio wünschen.
Kurzzeit-Outcomes: Vaginale Geburt vs. Sectio
Bei unkomplizierten Schwangerschaften zeigen sich je nach geplantem Geburtsmodus unterschiedliche Risikoprofile. Die Aufklärung muss diese Aspekte umfassen:
| Outcome | Geplante vaginale Geburt | Geplante Sectio caesarea |
|---|---|---|
| Mütterliche Mortalität | Seltener | Häufiger |
| Schwere mütterliche Morbidität | Seltener | Häufiger (OR 3,9) |
| Hysterektomie | Seltener | Häufiger |
| Frühe postpartale Blutung | Häufiger | Seltener |
| Geburtshilflicher Schock | Häufiger | Seltener |
| NICU-Aufnahme des Kindes | Seltener | Häufiger |
Langzeitfolgen nach Sectio caesarea
Eine Sectio hat signifikante Auswirkungen auf Folgeschwangerschaften sowie auf die kindliche Entwicklung. Diese Langzeitfolgen müssen in die Entscheidungsfindung einfließen.
| Bereich | Erhöhtes Risiko nach Sectio | Vermindertes Risiko nach Sectio |
|---|---|---|
| Mütterliche Folgen | Plazenta praevia, Plazenta accreta, Uterusruptur, Hysterektomie, Unfruchtbarkeit | Urininkontinenz, Gebärmutterprolaps |
| Kindliche Folgen | Asthma (bis 12 Jahre), Übergewicht und Adipositas | Keine signifikanten Unterschiede bei Zerebralparese oder Darmerkrankungen |
Häufige Indikationen
Die Indikationsstellung zur Sectio hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Zu den häufigsten Indikationen gehören:
- Zustand nach Sectio oder anderer Uterus-Operation (häufigste Indikation mit steigender Tendenz)
- Pathologisches CTG / pathologische kindliche Herztöne
- Relatives Missverhältnis
- Beckenendlage (BEL)
- Mehrlingsschwangerschaft
💡Praxis-Tipp
Wenden Sie die Robson-Klassifikation standardmäßig bei jeder Geburt an, um Ihre abteilungsinterne Sectio-Rate objektiv evaluieren zu können. Klären Sie Schwangere beim Aufklärungsgespräch zwingend auch über die Langzeitrisiken für Folgeschwangerschaften (z. B. Plazentationsstörungen) auf.