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Sectio caesarea (Kaiserschnitt): S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Sectio-Klassifikation nach Robson soll zur Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit standardmäßig angewendet werden.
  • Eine primäre Sectio erfolgt vor Geburtsbeginn (keine Wehen, kein Blasensprung), eine sekundäre nach Geburtsbeginn.
  • Die Aufklärung über den Geburtsmodus soll frühzeitig und nach dem Prinzip des Shared Decision Making erfolgen.
  • Eine geplante vaginale Geburt weist ein geringeres Risiko für schwere mütterliche Morbidität und Mortalität auf als eine geplante Sectio.
  • Langzeitfolgen einer Sectio umfassen ein erhöhtes Risiko für Plazentationsstörungen und Uterusrupturen in Folgeschwangerschaften.
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Hintergrund

Die Sectio caesarea ist die weltweit häufigste Operation bei Frauen. In Deutschland lag die Sectio-Rate im Jahr 2014 bei 31,8 %. Eine spezifische Zielrate wird in der Leitlinie nicht vorgegeben, da belastbare Daten zur optimalen Rate fehlen. Es gilt jedoch als gesichert, dass eine Sectio-Rate von über 15 % keinen günstigen Einfluss auf die mütterliche und neonatale Morbidität und Mortalität hat.

Klinisch wird zwischen zwei Zeitpunkten unterschieden:

  • Primäre Sectio: Die Geburt hat noch nicht begonnen (weder vorzeitiger Blasensprung noch muttermundwirksame Wehentätigkeit).
  • Sekundäre Sectio: Die Geburt hat bereits begonnen.

Klassifikation nach Robson

Um Sectio-Raten national und international risikoadjustiert vergleichen zu können, soll die 10-Gruppen-Klassifikation nach Robson angewendet werden (Empfehlungsgrad A).

Robson-GruppePatientenkollektiv
1Nullipara, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn
2Nullipara, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Einleitung oder primäre Sectio
3Multipara (kein Z.n. Sectio), Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, spontaner Wehenbeginn
4Multipara (kein Z.n. Sectio), Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW, Einleitung oder primäre Sectio
5Multipara, Z.n. Sectio, Einling, Schädellage, ≥ 37+0 SSW
6Nullipara, Einling, Beckenendlage (BEL)
7Multipara (inkl. Z.n. Sectio), Einling, Beckenendlage (BEL)
8Alle Frauen, Mehrlingsgravidität
9Alle Frauen, Quer- oder Schräglage
10Alle Frauen, Einling, Schädellage, < 37+0 SSW

Aufklärung und Beratung

Die Besprechung des Geburtsmodus sollte in einem angemessenen Rahmen nach dem Prinzip des Shared Decision Making (partizipative Entscheidungsfindung) stattfinden. Schwangere müssen frühzeitig evidenzbasierte Informationen über Vor- und Nachteile erhalten. Dies schließt auch Frauen ein, die explizit eine Sectio wünschen.

Kurzzeit-Outcomes: Vaginale Geburt vs. Sectio

Bei unkomplizierten Schwangerschaften zeigen sich je nach geplantem Geburtsmodus unterschiedliche Risikoprofile. Die Aufklärung muss diese Aspekte umfassen:

OutcomeGeplante vaginale GeburtGeplante Sectio caesarea
Mütterliche MortalitätSeltenerHäufiger
Schwere mütterliche MorbiditätSeltenerHäufiger (OR 3,9)
HysterektomieSeltenerHäufiger
Frühe postpartale BlutungHäufigerSeltener
Geburtshilflicher SchockHäufigerSeltener
NICU-Aufnahme des KindesSeltenerHäufiger

Langzeitfolgen nach Sectio caesarea

Eine Sectio hat signifikante Auswirkungen auf Folgeschwangerschaften sowie auf die kindliche Entwicklung. Diese Langzeitfolgen müssen in die Entscheidungsfindung einfließen.

BereichErhöhtes Risiko nach SectioVermindertes Risiko nach Sectio
Mütterliche FolgenPlazenta praevia, Plazenta accreta, Uterusruptur, Hysterektomie, UnfruchtbarkeitUrininkontinenz, Gebärmutterprolaps
Kindliche FolgenAsthma (bis 12 Jahre), Übergewicht und AdipositasKeine signifikanten Unterschiede bei Zerebralparese oder Darmerkrankungen

Häufige Indikationen

Die Indikationsstellung zur Sectio hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Zu den häufigsten Indikationen gehören:

  • Zustand nach Sectio oder anderer Uterus-Operation (häufigste Indikation mit steigender Tendenz)
  • Pathologisches CTG / pathologische kindliche Herztöne
  • Relatives Missverhältnis
  • Beckenendlage (BEL)
  • Mehrlingsschwangerschaft

💡Praxis-Tipp

Wenden Sie die Robson-Klassifikation standardmäßig bei jeder Geburt an, um Ihre abteilungsinterne Sectio-Rate objektiv evaluieren zu können. Klären Sie Schwangere beim Aufklärungsgespräch zwingend auch über die Langzeitrisiken für Folgeschwangerschaften (z. B. Plazentationsstörungen) auf.

Häufig gestellte Fragen

Eine primäre Sectio findet statt, bevor die Geburt begonnen hat (kein Blasensprung, keine muttermundwirksamen Wehen). Eine sekundäre Sectio erfolgt, wenn die Geburt bereits im Gange ist.
Frauen haben nach einer Sectio in Folgeschwangerschaften ein signifikant erhöhtes Risiko für Plazenta praevia, Plazenta accreta, Uterusrupturen und Hysterektomien. Zudem gibt es Hinweise auf eine verzögerte Fertilität.
Kinder, die per Sectio geboren wurden, haben ein erhöhtes Risiko, in der Kindheit an Asthma zu erkranken sowie Übergewicht oder Adipositas zu entwickeln.
Eine feste Zielrate wird nicht vorgegeben. Es ist jedoch belegt, dass eine Sectio-Rate von über 15 % keinen zusätzlichen positiven Effekt auf die mütterliche oder neonatale Morbidität und Mortalität hat.

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