Entrectinib bei Kindern (NTRK-Genfusion): IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A24-78 untersucht den Wirkstoff Entrectinib. Dieser wird zur Behandlung von pädiatrischen Erkrankten im Alter von über einem Monat bis unter 12 Jahren mit soliden Tumoren eingesetzt.
Voraussetzung für die Anwendung ist das Vorliegen einer neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase(NTRK)-Genfusion. Zudem muss eine lokal fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankung vorliegen oder eine Situation, in der eine chirurgische Resektion wahrscheinlich zu schwerer Morbidität führen würde.
Die Zielgruppe umfasst Erkrankte, die bisher keinen NTRK-Inhibitor erhalten haben. Eine weitere Bedingung ist, dass außer Larotrectinib keine zufriedenstellenden Therapieoptionen zur Verfügung stehen.
Empfehlungen
Zusatznutzen
Laut Bewertung ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Es liegen keine geeigneten randomisierten kontrollierten Studien (RCT) für einen direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten stammen aus einarmigen Studien. Diese sind aufgrund des fehlenden Vergleichsarms für die Ableitung eines Zusatznutzens nicht geeignet:
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STARTRK-NG
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TAPISTRY
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STARTRK-2
Diagnostik vor Therapiebeginn
Vor der Einleitung einer Therapie mit Entrectinib wird ein validierter Test gefordert. Der NTRK-Genfusions-positive Status muss zwingend vorab bestätigt sein.
Es wird empfohlen, dass die Behandlung durch ärztliches Personal eingeleitet wird, welches Erfahrung in der Anwendung von antineoplastischen Arzneimitteln besitzt.
Dosierung
Die Dosierung von Entrectinib richtet sich bei Kindern nach dem Alter und der Körperoberfläche (KOF).
Für pädiatrische Erkrankte im Alter von über 6 Monaten gilt folgendes Dosierungsschema:
| Körperoberfläche (KOF) | Empfohlene Dosis (einmal täglich) |
|---|---|
| Bis 0,50 m² | 100 mg |
| 0,51 bis 0,80 m² | 200 mg |
| 0,81 bis 1,10 m² | 300 mg |
| 1,11 bis 1,50 m² | 400 mg |
| ≥ 1,51 m² | 600 mg |
Für Säuglinge im Alter von über 1 Monat bis 6 Monaten beträgt die empfohlene Dosis 250 mg/m² KOF einmal täglich. Hierfür wird die Verwendung von Kapseln empfohlen, die als Suspension zum Einnehmen zubereitet werden.
Bei Erwachsenen liegt die Standarddosis bei 600 mg einmal täglich.
Bei der gleichzeitigen Anwendung von starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren sind spezifische Dosisanpassungen erforderlich. Bei Kindern über 1 Monat sollte diese Kombination laut Fachinformation grundsätzlich vermieden werden.
Kontraindikationen
Als Gegenanzeige wird eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile genannt.
Besondere Vorsicht ist bei kognitiven Störungen geboten, da in Studien Verwirrtheit, Halluzinationen und Gedächtnisstörungen auftraten.
Zudem wird auf ein stark erhöhtes Frakturrisiko hingewiesen. In klinischen Studien erlitten knapp 30 Prozent der pädiatrischen Behandelten Knochenbrüche, vorwiegend an den unteren Extremitäten.
💡Praxis-Tipp
Ein besonderes Augenmerk sollte auf das hohe Frakturrisiko bei Kindern unter 12 Jahren gelegt werden. Laut Bericht traten Knochenbrüche bei fast einem Drittel der pädiatrischen Behandelten auf, oft an den unteren Extremitäten. Es wird empfohlen, bei Anzeichen von Schmerzen oder nach leichten Traumata frühzeitig an mögliche Frakturen zu denken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Bericht beträgt die Dosis für Säuglinge zwischen 1 und 6 Monaten 250 mg/m² Körperoberfläche einmal täglich. Die Verabreichung erfolgt als oral zubereitete Suspension aus den Kapseln.
Die IQWiG-Bewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist. Grund dafür ist das Fehlen vergleichender Studien gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Entrectinib ist als Hartkapsel und als filmüberzogenes Granulat verfügbar. Für Kinder, die keine Kapseln schlucken können, kann das Granulat auf weiche Nahrung gestreut oder eine Suspension aus den Kapseln hergestellt werden.
Bei Kindern über 1 Monat sollte die gleichzeitige Anwendung von starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren vermieden werden. Bei Erwachsenen sind bei unvermeidbarer Gabe strenge Dosisreduktionen und eine zeitliche Begrenzung auf 14 Tage vorgesehen.
Der Bericht warnt insbesondere vor kognitiven Störungen wie Verwirrtheit und Halluzinationen. Bei Kindern unter 12 Jahren wird zudem ein stark erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen beschrieben.
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Quelle: IQWiG A24-78: Entrectinib (solide Tumore mit einer neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase [NTRK]-Genfusion, > 1 Monat bis < 12 Jahre) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.