Entrectinib bei NTRK-Genfusion: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-74 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Entrectinib. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene und pädiatrische Erkrankte ab 12 Jahren mit soliden Tumoren, die eine neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK)-Genfusion aufweisen.
Voraussetzung für die Anwendung ist eine lokal fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankung. Alternativ kann eine Erkrankung vorliegen, bei der eine chirurgische Resektion wahrscheinlich zu schwerer Morbidität führt.
Laut Bericht dürfen die Betroffenen bisher keinen NTRK-Inhibitor erhalten haben. Zudem dürfen keine zufriedenstellenden Therapieoptionen zur Verfügung stehen.
Empfehlungen
Das Institut formuliert in seiner Bewertung folgende Kernaussagen zur Datenlage und zum Zusatznutzen:
Studienlage und Datenbasis
Der pharmazeutische Unternehmer stützt sich primär auf die nicht kontrollierte, offene Basket-Studie STARTRK-2. Das IQWiG stellt fest, dass für pädiatrische Erkrankte ab 12 Jahren keine Daten vorgelegt wurden.
Kritik an der Auswertung
Die vorgelegten Daten werden vom Institut als unzureichend und für die Nutzenbewertung als nicht geeignet eingestuft. Folgende Kritikpunkte werden genannt:
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Es ist nicht sichergestellt, dass die Studienpopulation der Zulassung entspricht, da die fehlenden Therapiealternativen nicht operationalisiert wurden.
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Die Bildung der Analysepopulationen ist methodisch nicht nachvollziehbar.
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Die Ergebnisse wurden nicht vollständig getrennt nach Tumorentität vorgelegt.
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Es fehlen geeignete Vergleichsdaten zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Bewertung des Zusatznutzens
Aufgrund der unzureichenden Datenlage kommt der Bericht zu einem eindeutigen Ergebnis. Der Zusatznutzen von Entrectinib ist gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Dies gilt sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche ab 12 Jahren.
Dosierung
Die Studie STARTRK-2 wendete Entrectinib gemäß der Fachinformation an. Es sind Dosisanpassungen bei Toxizität vorgesehen.
| Wirkstoff | Standarddosis | Zyklusdauer | Dosisreduktionen |
|---|---|---|---|
| Entrectinib | 600 mg 1-mal täglich oral | 28 Tage | auf 400 mg und 200 mg möglich |
Kontraindikationen
Laut Studienprotokoll ist bei bestimmten Begleitmedikationen Vorsicht geboten. Folgende Substanzen werden explizit genannt:
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Starke Inhibitoren oder Induktoren von CYP3A4
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Substrate von CYP2C9, CYP2D6 und CYP3A4
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QT-Intervall verlängernde Substanzen
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Arzneimittel, die mit der Entwicklung einer Torsade-de-pointes-Arrhythmie in Zusammenhang stehen
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die Zulassung von Entrectinib explizit auf Fälle beschränkt ist, für die keine zufriedenstellenden Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Es wird kritisiert, dass in klinischen Studien oft nicht ausreichend dokumentiert wird, ob diese Voraussetzung bei den eingeschlossenen Personen tatsächlich erfüllt ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist das Medikament für Personen ab 12 Jahren mit soliden Tumoren und NTRK-Genfusion vorgesehen. Es muss eine fortgeschrittene Erkrankung ohne zufriedenstellende Therapieoptionen vorliegen.
Die Standarddosierung in der Zulassungsstudie betrug 600 mg einmal täglich oral. Bei Toxizität kann die Dosis schrittweise auf 400 mg und 200 mg reduziert werden.
Das Institut kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist. Begründet wird dies mit unzureichenden und methodisch mangelhaften Daten des Herstellers.
Gemäß den Einschlusskriterien der Studie dürfen die Betroffenen zuvor nicht mit einem NTRK-Inhibitor behandelt worden sein. Bei bestimmten Tumoren gelten zudem Einschränkungen für vorherige ROS1- oder ALK-Inhibitoren.
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Quelle: IQWiG A20-74: Entrectinib (solide Tumore mit einer neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase [NTRK]-Genfusion) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.