Entrectinib bei ROS1-positivem NSCLC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-75 befasst sich mit der frühen Nutzenbewertung des Wirkstoffs Entrectinib. Die Bewertung erfolgt für erwachsene Personen mit C-ros-Oncogene-1 (ROS1)-positivem, fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).
Voraussetzung für diese Zielpopulation ist, dass zuvor keine Behandlung mit ROS1-Inhibitoren stattgefunden hat. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Crizotinib festgelegt.
Da keine randomisierten kontrollierten Studien für einen direkten Vergleich vorlagen, reichte der pharmazeutische Unternehmer Vergleiche einzelner Studienarme ein. Diese basieren primär auf der Phase-II-Studie STARTRK-2 für Entrectinib sowie auf Registerdaten für Crizotinib.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Bewertung der Evidenz
Laut Bewertung sind die vorgelegten Daten nicht geeignet, um einen Zusatznutzen von Entrectinib gegenüber Crizotinib abzuleiten. Es wird kritisiert, dass verschiedene Auswertungspopulationen mit unterschiedlichen Datenschnitten herangezogen wurden.
Die genaue Zusammensetzung dieser Populationen ist anhand der Unterlagen nicht vollständig nachvollziehbar. Der Bericht fasst die herangezogenen Datenquellen wie folgt zusammen:
| Intervention | Studientyp | Datenquelle |
|---|---|---|
| Entrectinib | Einarmige Phase-II-Basket-Studie | STARTRK-2 |
| Crizotinib | Retrospektive Kohortenstudie | Flatiron-Health-Datenbank |
| Crizotinib | Einarmige Studie | EUCROSS |
Methodische Mängel
Der Bericht identifiziert mehrere methodische Schwächen in den vorgelegten Analysen:
-
Die Einschränkung auf Personen mit einem Follow-up von mindestens 6 beziehungsweise 12 Monaten nach dem ersten Ansprechen schließt Therapieversager systematisch aus.
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Es bleibt unklar, wie viele Personen ohne Ansprechen durch diese Kriterien unberücksichtigt blieben.
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Die Vergleiche einzelner Studienarme weisen aufgrund der fehlenden Randomisierung eine hohe inhärente Unsicherheit auf.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der methodischen Mängel und der unzureichenden Datenlage kommt der Bericht zu einem eindeutigen Schluss.
Ein Zusatznutzen von Entrectinib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie Crizotinib ist nicht belegt. Die beobachteten Effekte beim Gesamtüberleben sind nicht groß genug, um eine systematische Verzerrung auszuschließen.
Kontraindikationen
Die Bewertung nennt folgende Ausschlusskriterien für die betrachtete Zielpopulation in den Studien:
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Vorherige Behandlung mit ROS1-Inhibitoren
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Vorliegen weiterer Treibermutationen (zum Beispiel im EGFR- oder KRAS-Gen)
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass Vergleiche von einarmigen Studien ohne Randomisierung stark anfällig für systematische Verzerrungen sind. Es wird betont, dass der Ausschluss von Personen ohne Therapieansprechen aus der Auswertungspopulation die Überlebensdaten künstlich verfälschen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Entrectinib im Vergleich zu Crizotinib nicht belegt. Die vorgelegten Daten aus einarmigen Studien waren für eine valide Ableitung methodisch nicht geeignet.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Crizotinib als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Dies gilt für Erwachsene mit ROS1-positivem NSCLC ohne vorherige ROS1-Inhibitor-Therapie.
Die Daten zu Entrectinib stammen primär aus der nicht kontrollierten Phase-II-Basket-Studie STARTRK-2. Ergänzend wurden Daten aus den Dosisfindungsstudien STARTRK-1 und ALKA-372-001 herangezogen.
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Quelle: IQWiG A20-75: Entrectinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.