IQWiG2023Neurologie

Faricimab bei feuchter AMD: IQWiG-Nutzenbewertung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die IQWiG-Dossierbewertung A22-110 untersucht den Zusatznutzen von Faricimab bei erwachsenen Personen mit neovaskulärer (feuchter) altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD). Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Ranibizumab oder Aflibercept festgelegt.

Der pharmazeutische Unternehmer wählte Aflibercept als Vergleichstherapie. Zur Bewertung wurden die randomisierten, kontrollierten Studien TENAYA und LUCERNE herangezogen.

Laut Bericht zielen neue Behandlungsoptionen darauf ab, längere Behandlungsintervalle bei hoher Wirksamkeit zu ermöglichen. Dies soll die injektionsbedingte Behandlungslast im klinischen Alltag reduzieren.

Empfehlungen

Bewertung des Zusatznutzens

Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Faricimab nicht belegt ist. Es liegen keine geeigneten Daten für einen fairen Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.

Methodische Mängel der Zulassungsstudien

Der fehlende Beleg des Zusatznutzens begründet sich laut Dossierbewertung durch das Studiendesign der Studien TENAYA und LUCERNE:

  • Im Interventionsarm wurde Faricimab gemäß Fachinformation mit einem flexiblen Dosierungsschema (bis zu 16 Wochen) eingesetzt.

  • Im Vergleichsarm wurde Aflibercept starr alle 8 Wochen appliziert, obwohl die Fachinformation ein individuelles "Treat-and-Extend"-Schema vorsieht.

  • Diese fehlende individuelle Therapieanpassung im Vergleichsarm führt zu einer Ungleichheit und verzerrt das Behandlungsergebnis.

Epidemiologie

Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird die Zielpopulation auf etwa 378.514 bis 379.677 betroffene Personen geschätzt. Die Bewertung weist jedoch auf methodische Unsicherheiten bei dieser Schätzung hin.

Dosierung

Der Bericht zitiert die Fachinformation zu folgenden Dosierungsschemata für die intravitreale Injektion (6 mg entspricht 0,05 ml Lösung):

IndikationInitialdosisErhaltungsdosis
Neovaskuläre (feuchte) AMD6 mg alle 4 Wochen (für die ersten 4 Dosen)Nach 20/24 Wochen Evaluierung: Ohne Krankheitsaktivität alle 16 Wochen; mit Aktivität alle 8 oder 12 Wochen
Diabetisches Makulaödem (DMÖ)6 mg alle 4 Wochen (für die ersten 4 Dosen)"Treat-and-Extend" in Schritten von bis zu 4 Wochen auf bis zu 16 Wochen verlängerbar

Es wird betont, dass die Injektion durch ärztliches Personal mit Erfahrung in intravitrealen Injektionen erfolgen muss.

Kontraindikationen

Laut Fachinformation bestehen besondere Warnhinweise für durch die intravitreale Injektion bedingte Reaktionen und eine Erhöhung des intraokularen Drucks. Zudem wird vor systemischen Wirkungen, Immunogenität und Einrissen des retinalen Pigmentepithels gewarnt.

Eine gleichzeitige Anwendung mit anderen systemischen oder okularen Anti-VEGF-Arzneimitteln ist zu vermeiden.

Aufgrund des Wirkmechanismus wird Faricimab als potenziell teratogen eingestuft. Eine Anwendung in der Schwangerschaft darf nur erfolgen, wenn der potenzielle Nutzen das Risiko überwiegt. Frauen im gebärfähigen Alter müssen bis 3 Monate nach der letzten Injektion zuverlässig verhüten.

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💡Praxis-Tipp

Die Dossierbewertung verdeutlicht, dass ein starrer Injektionsrhythmus bei Anti-VEGF-Therapien nicht dem aktuellen medizinischen Standard entspricht. Es wird hervorgehoben, dass eine patientenindividuelle Therapieanpassung ("Treat-and-Extend") nach dem Grundsatz "so viel wie nötig, so wenig wie möglich" für die Therapieadhärenz und den Erhalt der Sehfähigkeit essenziell ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Faricimab gegenüber Aflibercept nicht belegt. Die vorgelegten Studien ließen aufgrund unterschiedlicher Flexibilität in den Dosierungsschemata keinen fairen Vergleich zu.

Die Bewertung zitiert die Fachinformation, wonach initial 4 monatliche Injektionen zu je 6 mg erfolgen. Anschließend wird das Intervall je nach Krankheitsaktivität auf bis zu 16 Wochen ausgedehnt.

Es wird darauf hingewiesen, dass Faricimab potenziell teratogen wirkt. Eine Gabe in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen überwiegt das Risiko für den Fötus deutlich.

Gemäß den zitierten Warnhinweisen müssen Frauen im gebärfähigen Alter während der Therapie zuverlässig verhüten. Dieser Empfehlung ist bis mindestens 3 Monate nach der letzten intravitrealen Injektion Folge zu leisten.

Der Bericht warnt vor einer gleichzeitigen Anwendung. Faricimab soll nicht zeitgleich mit anderen systemischen oder okularen Anti-VEGF-Arzneimitteln verabreicht werden.

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Quelle: IQWiG A22-110: Faricimab (neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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