IQWiG2019

Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A19-37 bewertet den Zusatznutzen von Dapagliflozin in Ergänzung zu Insulin bei erwachsenen Personen mit Diabetes mellitus Typ 1. Die Zielgruppe umfasst ausschließlich Betroffene mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 27 kg/m2, bei denen Insulin allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Behandlung mit Humaninsulin oder Insulinanaloga festgelegt. Die Bewertung basiert primär auf den Daten der beiden randomisierten, placebokontrollierten Zwillingsstudien DEPICT 1 und DEPICT 2.

In diesen Studien wurde Dapagliflozin als Add-on-Therapie zu einer optimierten Insulinbehandlung über einen Zeitraum von 52 Wochen untersucht. Ziel war es, die Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zu Placebo plus Insulin zu ermitteln.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:

Mortalität und Morbidität

Laut Bewertung traten in den eingeschlossenen Studien nach 52 Wochen keine Todesfälle auf, weshalb ein Zusatznutzen bezüglich der Gesamtmortalität nicht belegt ist.

Für den Endpunkt HbA1c-Wert zeigt die Analyse einen relevanten Unterschied bei der Responderanalyse zugunsten von Dapagliflozin. Es ergibt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen für den HbA1c-Wert als Surrogatparameter für mikrovaskuläre Folgekomplikationen.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität

Es wird dargelegt, dass sich beim Gesundheitszustand (gemessen anhand der EQ-5D VAS) zwar ein statistisch signifikanter Vorteil für Dapagliflozin zeigt. Dieser liegt jedoch im Irrelevanzbereich, weshalb ein Zusatznutzen hier nicht belegt ist.

Nebenwirkungen und Schadenspotenzial

Die Bewertung identifiziert in der Metaanalyse spezifische Risiken unter der Therapie mit Dapagliflozin. Es zeigt sich kein signifikanter Unterschied bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) oder schwerwiegenden Hypoglykämien.

Der Bericht fasst die Effekte im Vergleich zur Placebo-Gruppe wie folgt zusammen:

EndpunktBeobachteter EffektBewertung des Zusatznutzens
GesamtmortalitätKein signifikanter UnterschiedNicht belegt
HbA1c-Wert (Senkung ≥ 0,5 Prozentpunkte)Vorteil für DapagliflozinHinweis auf Zusatznutzen
Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)Unterschied im IrrelevanzbereichNicht belegt
GenitalinfektionenNachteil für DapagliflozinBeleg für höheren Schaden
Gastrointestinale ErkrankungenNachteil für DapagliflozinBeleg für höheren Schaden

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

In der Gesamtschau werden die Effekte von Dapagliflozin wie folgt bilanziert:

  • Ein positiver Effekt zeigt sich bei der HbA1c-Senkung.

  • Zwei negative Effekte zeigen sich bei Genital- und Gastrointestinalinfektionen.

  • Ein übergreifender Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist insgesamt nicht belegt.

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💡Praxis-Tipp

Der Bericht weist auf ein methodisches Problem in den Zulassungsstudien hin, da zu Beginn der Dapagliflozin-Gabe eine Reduktion der Insulindosis um bis zu 20 Prozent empfohlen wurde. Dies führte im Placebo-Arm zu einer inadäquaten Behandlung, was bei der Interpretation der HbA1c- und Hypoglykämie-Ergebnisse als potenziell verzerrend berücksichtigt wird.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht bezieht sich die Bewertung ausschließlich auf Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 und einem BMI von mindestens 27 kg/m2. Voraussetzung ist zudem, dass der Blutzucker durch Insulin allein trotz optimaler Therapie nicht ausreichend kontrolliert wird.

Die Bewertung zeigt einen Hinweis auf einen Zusatznutzen bezüglich der HbA1c-Senkung. Insbesondere bei der Reduktion um mindestens 0,5 Prozentpunkte ergab sich ein relevanter Vorteil für die Kombination aus Dapagliflozin und Insulin.

Der Bericht belegt einen höheren Schaden durch vermehrte Genitalinfektionen sowie Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts. Bei schwerwiegenden Hypoglykämien oder diabetischen Ketoazidosen zeigte sich in den ausgewerteten Daten hingegen kein signifikanter Unterschied.

In der Gesamtschau der vorliegenden Daten wird ein Zusatznutzen von Dapagliflozin in Ergänzung zu Insulin vom IQWiG als nicht belegt eingestuft. Dem positiven Effekt auf den HbA1c-Wert stehen Belege für einen höheren Schaden bei bestimmten Nebenwirkungen gegenüber.

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Quelle: IQWiG A19-37: Dapagliflozin (Diabetes mellitus Typ 1) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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