IQWiG2019Onkologie

Lenvatinib bei Schilddrüsenkarzinom: IQWiG-Bewertung

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A19-19 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Lenvatinib gemäß § 35a SGB V. Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem differenziertem Schilddrüsenkarzinom (DTC).

Voraussetzung für die Behandlung ist, dass der Tumor nicht auf eine Radiojodtherapie angesprochen hat. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Wirkstoff Sorafenib festgelegt.

Da keine direkten Vergleichsstudien vorliegen, basiert die Bewertung auf einem adjustierten indirekten Vergleich. Hierfür wurden die placebokontrollierten Studien SELECT (Lenvatinib) und DECISION (Sorafenib) über den Brückenkomparator Placebo herangezogen.

Empfehlungen

Methodik des indirekten Vergleichs

Laut Bewertung weisen die eingeschlossenen Studien SELECT und DECISION ein vergleichbares Design auf. In beiden Studien war ein Behandlungswechsel aus dem Placeboarm in den Verumarm nach Krankheitsprogression möglich.

Um die Ähnlichkeit der Studienpopulationen zu gewährleisten, wurde eine spezifische Anpassung vorgenommen. Aus der SELECT-Studie wurde nur die Teilpopulation ohne vorherige VEGF/VEGFR-zielgerichtete Therapie für den Vergleich herangezogen.

Bewertung der Endpunkte

Der Bericht identifiziert erhebliche methodische Einschränkungen bei der Auswertung der patientenrelevanten Endpunkte:

  • Für das Gesamtüberleben wird ein hohes Verzerrungspotenzial festgestellt, da ein Großteil der Placebo-Gruppe nach Progression das Verum erhielt (83 % bei Lenvatinib, bis zu 77 % bei Sorafenib).

  • Endpunkte zur Morbidität und Lebensqualität sind nicht verwertbar, da diese nur in der DECISION-Studie, nicht aber in der SELECT-Studie erhoben wurden.

  • Daten zu Nebenwirkungen gelten als nicht adäquat, da die Behandlungsdauer zwischen Verum- und Placeboarm stark abwich und keine zeitadjustierten Analysen vorlagen.

Fazit zum Zusatznutzen

Aufgrund der fehlenden verwertbaren Daten aus dem indirekten Vergleich kommt das IQWiG zu einem eindeutigen Ergebnis. Ein Zusatznutzen von Lenvatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Sorafenib ist nicht belegt.

Es wird ergänzend darauf hingewiesen, dass der G-BA im Jahr 2015 aufgrund des Orphan-Drug-Status einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen festgestellt hatte. Die aktuelle Bewertung basiert jedoch rein auf der vorliegenden Datenlage.

Dosierung

Die in den Zulassungsstudien verwendeten Dosierungsschemata für den indirekten Vergleich stellen sich wie folgt dar:

WirkstoffDosierungEinnahme
Lenvatinib (SELECT-Studie)24 mg (2x 10 mg + 1x 4 mg)1-mal täglich morgens, oral
Sorafenib (DECISION-Studie)800 mg (2x 400 mg)2-mal täglich im Abstand von 12 Stunden, oral

Kontraindikationen

Gemäß den Studienprotokollen galten bestimmte Vor- und Begleitbehandlungen als Ausschlusskriterien:

  • Mehr als eine vorherige VEGF/VEGFR-zielgerichtete Therapie (für die Lenvatinib-Studie).

  • Vorherige zielgerichtete Therapien, Thalidomid oder zytotoxische Chemotherapeutika (für die Sorafenib-Studie).

  • Die gleichzeitige Einnahme von starken CYP3A4-Induktoren wie Johanniskraut oder Phenytoin innerhalb von 7 Tagen vor Randomisierung (Sorafenib).

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💡Praxis-Tipp

Bei der Interpretation von Überlebensdaten aus placebokontrollierten Onkologie-Studien wird auf die Problematik des Crossovers hingewiesen. Wenn ein Großteil der Placebo-Gruppe nach Krankheitsprogression auf das Verum wechselt, führt dies laut Bewertung zu einem hohen Verzerrungspotenzial beim Endpunkt Gesamtüberleben. Dies erschwert den Nachweis eines tatsächlichen Überlebensvorteils im indirekten Vergleich erheblich.

Häufig gestellte Fragen

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Sorafenib als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Dies gilt für das radiojodrefraktäre, differenzierte Schilddrüsenkarzinom.

Laut IQWiG-Bericht liegen keine randomisierten kontrollierten Studien vor, die Lenvatinib direkt mit Sorafenib vergleichen. Die Bewertung stützt sich daher auf einen indirekten Vergleich über den Brückenkomparator Placebo.

Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die Daten aus dem indirekten Vergleich nicht verwertbar sind. Gründe hierfür sind hohe Verzerrungspotenziale durch Behandlungswechsel sowie fehlende oder methodisch unzureichende Daten zu Lebensqualität und Nebenwirkungen.

In der SELECT-Studie zu Lenvatinib wurden keine patientenrelevanten Endpunkte zur Morbidität oder zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben. Dies verhinderte einen indirekten Vergleich dieser Parameter mit der Sorafenib-Studie.

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Quelle: IQWiG A19-19: Lenvatinib (Schilddrüsenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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