Selpercatinib bei RET-mutiertem MTC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2025 eine erneute Nutzenbewertung für den Wirkstoff Selpercatinib durchgeführt. Gegenstand der Bewertung ist die Erstlinientherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem, Rearranged-during-Transfection (RET)-mutiertem medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC).
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Behandlung mit Vandetanib oder Cabozantinib festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, kontrollierten Phase-3-Studie LIBRETTO-531.
In dieser offenen Studie wurde Selpercatinib als Monotherapie direkt mit Cabozantinib oder Vandetanib verglichen. Die vorliegende Bewertung bezieht sich ausschließlich auf Patientinnen und Patienten, die zuvor noch nicht mit Kinaseinhibitoren im fortgeschrittenen Krankheitsstadium behandelt wurden.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf den Studiendaten folgende zentrale Bewertungsergebnisse:
Gesamtüberleben und Lebensqualität
Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Intervention. Der Bericht leitet daraus einen Hinweis auf einen Zusatznutzen ab.
Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der patientenberichteten Symptomatik überwiegen die positiven Effekte. Es zeigen sich Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen bei:
-
Globalem Gesundheitsstatus und verschiedenen Funktionsskalen (EORTC QLQ-C30)
-
Schmerzreduktion (Worst Pain NRS)
-
Reduktion von Fatigue, Übelkeit, Dyspnoe und Diarrhö
Nebenwirkungen und Sicherheit
In der Kategorie der unerwünschten Ereignisse (UEs) überwiegen laut Bewertung die positiven Effekte von Selpercatinib deutlich. Es ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden erheblichen Ausmaßes bei der Gesamtrate der schweren UEs (CTCAE-Grad ≥ 3).
Zudem zeigt sich ein Vorteil bei den Therapieabbrüchen wegen UEs. Demgegenüber stehen vereinzelte negative Effekte, für die ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden festgestellt wurde:
-
Mundtrockenheit
-
Erhöhte Alaninaminotransferase (ALT)
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau bescheinigt das IQWiG Selpercatinib einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf bestimmte Gruppen unklar bleibt. Dies betrifft insbesondere Personen unter 18 Jahren sowie Betroffene mit einem ECOG-Performance-Status von 2 oder schlechter, da diese in der Zulassungsstudie kaum vertreten waren.
💡Praxis-Tipp
Bei der Therapie mit Selpercatinib wird ein besonderes Augenmerk auf die Leberwerte und die Mundschleimhaut empfohlen. Obwohl das Nebenwirkungsprofil insgesamt vorteilhafter als bei der Vergleichstherapie bewertet wird, zeigt der Bericht ein signifikant erhöhtes Risiko für Mundtrockenheit und einen Anstieg der Alaninaminotransferase (ALT).
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen im Vergleich zu Cabozantinib oder Vandetanib. Dies begründet sich durch Vorteile beim Gesamtüberleben, der Lebensqualität und einem geringeren Risiko für schwere Nebenwirkungen.
Laut Festlegung des G-BA gilt für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen RET-mutierten medullären Schilddrüsenkarzinoms die Behandlung mit Vandetanib oder Cabozantinib als zweckmäßige Vergleichstherapie.
Der Bewertungsbericht stellt fest, dass unter Selpercatinib vermehrt Mundtrockenheit sowie erhöhte Alaninaminotransferase-Werte (ALT) auftreten. Bei den meisten anderen Nebenwirkungen, insbesondere im gastrointestinalen Bereich, zeigt die Substanz jedoch Vorteile.
Die Zulassung umfasst Jugendliche ab 12 Jahren. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf Personen unter 18 Jahren unklar ist, da in der Hauptstudie kaum Minderjährige vertreten waren.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A25-71 : Selpercatinib (RET-mutiertes medulläres Schilddrüsenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.