Osimertinib bei NSCLC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Osimertinib als Erstlinientherapie bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Voraussetzung für diese Therapie ist das Vorliegen von aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR).
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Afatinib, Erlotinib oder Gefitinib festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf der multizentrischen, doppelblinden, randomisierten kontrollierten Studie FLAURA, in der Osimertinib mit Erlotinib oder Gefitinib verglichen wird.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Gesamtüberleben und Lebensqualität
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Für das Gesamtüberleben zeigt sich laut Dossierbewertung ein statistisch signifikanter Effekt zugunsten von Osimertinib (Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen).
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Hinsichtlich der Morbidität und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind die vorgelegten Daten unvollständig. Ein Zusatznutzen ist in diesen Kategorien nicht belegt.
Nebenwirkungen und Therapieabbrüche
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Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUEs) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
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Für schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) wird ein statistisch signifikanter Effekt zugunsten von Osimertinib beschrieben. Es liegt jedoch eine Effektmodifikation durch das Geschlecht vor: Für Männer ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden, für Frauen ist dies nicht belegt.
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Bei Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse sowie bei spezifischen Ereignissen (erhöhte Alaninaminotransferase, Hauterkrankungen, Dermatitis akneiform) zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden unter Osimertinib.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
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Für Patientinnen und Patienten mit EGFR-Mutation Exon 19 Deletion oder Exon 21 (L858R) Substitutionsmutation gibt es einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Osimertinib gegenüber Erlotinib/Gefitinib.
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Für Personen mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen liegen keine Daten vor, weshalb ein Zusatznutzen hier nicht belegt ist.
Dosierung
Die in der zugrundeliegenden FLAURA-Studie verwendeten Dosierungen für die Erstlinientherapie lauten wie folgt:
| Wirkstoff | Standarddosis (oral, 1-mal täglich) | Reduzierte Dosis bei Toxizität |
|---|---|---|
| Osimertinib | 80 mg | 40 mg |
| Erlotinib | 150 mg | 100 mg |
| Gefitinib | 250 mg | Keine Dosisreduktion möglich |
Laut Studienprotokoll sind Dosisanpassungen oder Unterbrechungen (bis zu 2 Wochen) bei schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE ≥ 3) oder inakzeptabler Toxizität erlaubt.
Kontraindikationen
Gemäß den Einschlusskriterien der zugrundeliegenden Studie sind folgende Vorbehandlungen nicht erlaubt:
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Systemische Krebstherapie für das fortgeschrittene oder metastasierte Stadium
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Vorherige Therapie mit EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren (EGFR-TKIs)
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Strahlentherapie bei ≥ 30 % des Knochenmarks oder Weitfeld-Strahlentherapie innerhalb von 4 Wochen vor der ersten Studienmedikation
Als Begleitbehandlung ist die Einnahme von CYP3A4-Induktoren nicht gestattet.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei der Bewertung von schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) eine Effektmodifikation durch das Geschlecht vorliegt. Während sich für Männer ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden durch Osimertinib im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigt, ist ein solcher Unterschied für Frauen nicht belegt. Zudem wird angemerkt, dass im Vergleichsarm etwa ein Drittel der Behandelten Erlotinib möglicherweise nicht zulassungskonform (nüchtern) eingenommen hat, was die Aussagesicherheit der Studienergebnisse einschränkt.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen bei NSCLC-Patienten mit einer EGFR-Mutation Exon 19 Deletion oder Exon 21 (L858R) Substitutionsmutation. Für andere aktivierende EGFR-Mutationen liegen keine Daten vor.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Afatinib, Erlotinib oder Gefitinib als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. In der bewerteten Zulassungsstudie wurde Osimertinib mit Erlotinib oder Gefitinib verglichen.
In der zugrundeliegenden Studie wurde Osimertinib in einer Dosierung von 80 mg einmal täglich oral verabreicht. Bei schweren unerwünschten Ereignissen ist eine Dosisreduktion auf 40 mg täglich möglich.
Die Dossierbewertung beschreibt einen statistisch signifikanten Effekt zugunsten von Osimertinib beim Gesamtüberleben im Vergleich zu Erlotinib oder Gefitinib. Dies führt zur Ableitung eines Anhaltspunkts für einen Zusatznutzen.
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Quelle: IQWiG A18-45: Osimertinib (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.