Carfilzomib bei Multiplem Myelom: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A17-38 bewertet den Zusatznutzen von Carfilzomib bei erwachsenen Personen mit multiplem Myelom. Es geht um Behandelte, die bereits mindestens eine Vortherapie erhalten haben.
Die Bewertung untersucht zwei Kombinationstherapien im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Dies umfasst Carfilzomib plus Lenalidomid und Dexamethason sowie Carfilzomib plus Dexamethason allein.
Als Datengrundlage reichte der pharmazeutische Unternehmer die Studien ASPIRE und ENDEAVOR ein. Die Bewertung fokussiert sich auf patientenrelevante Endpunkte wie Gesamtüberleben, Morbidität und Nebenwirkungen.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung kommt zu differenzierten Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens.
Carfilzomib plus Lenalidomid und Dexamethason
Laut Bericht zeigt sich in der ASPIRE-Studie ein statistisch signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben zugunsten der Dreifachkombination. Dieser Effekt wird jedoch stark durch das Alter modifiziert.
Die Bewertung leitet daraus folgende Schlüsse ab:
-
Für Personen unter 65 Jahren gibt es einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen beim Gesamtüberleben.
-
Das genaue Ausmaß des Zusatznutzens ist jedoch nicht quantifizierbar, da das Nebenwirkungsprofil nicht abschließend interpretierbar ist.
-
Für Personen ab 65 Jahren ist kein Zusatznutzen belegt, da kein Überlebensvorteil vorliegt und ein höherer Schaden durch Nebenwirkungen möglich ist.
Carfilzomib plus Dexamethason
Für diese Zweifachkombination liegen laut Bewertung keine verwertbaren Daten vor. Die eingereichte ENDEAVOR-Studie wurde nicht für die Nutzenbewertung herangezogen.
Es wird bemängelt, dass unklar blieb, ob Personen ohne vorherige Stammzelltransplantation tatsächlich für eine solche ungeeignet waren. Zudem wurde die Vergleichstherapie mit Bortezomib teilweise über die zugelassene Dauer hinaus verabreicht.
Datenqualität und Verzerrungspotenzial
Das IQWiG stuft das Verzerrungspotenzial der ASPIRE-Studie als hoch ein. Es wird eine mögliche ergebnisabhängige Berichterstattung kritisiert.
Dies betrifft insbesondere folgende Endpunkte:
-
Symptomatik und gesundheitsbezogene Lebensqualität (nur selektive Daten eingereicht)
-
Schwerwiegende und schwere unerwünschte Ereignisse (unterschiedliche Beobachtungsdauern nicht adäquat berücksichtigt)
Dosierung
Die ASPIRE-Studie verwendete folgendes Dosierungsschema für Carfilzomib (intravenös) in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason:
| Zyklus (28 Tage) | Dosierung Carfilzomib | Anwendungstage |
|---|---|---|
| Zyklus 1 | 20 mg/m2, dann 27 mg/m2 | Tag 1, 2 (20 mg/m2) sowie Tag 8, 9, 15, 16 (27 mg/m2) |
| Zyklen 2–12 | 27 mg/m2 | Tag 1, 2, 8, 9, 15, 16 |
| Zyklen 13–18 | 27 mg/m2 | Tag 1, 2 |
Kontraindikationen
Der Bericht weist auf wichtige Einschränkungen bei der Vergleichstherapie mit Bortezomib hin. Bortezomib ist bei einer Vortherapie nur zugelassen, wenn bereits eine Stammzelltransplantation erfolgte oder eine Nichteignung dafür besteht.
Zudem wird betont, dass eine Therapie mit Bortezomib und Dexamethason nach 4 Zyklen bei Ansprechen für maximal 4 weitere Zyklen fortgeführt werden darf. Eine längere Gabe ist nicht zulassungskonform.
💡Praxis-Tipp
Bei der Therapieplanung mit Carfilzomib, Lenalidomid und Dexamethason wird auf den starken Einfluss des Alters hingewiesen. Laut IQWiG-Bewertung profitiert lediglich die Altersgruppe unter 65 Jahren von einem Überlebensvorteil. Bei älteren Personen ab 65 Jahren ist kein Zusatznutzen belegt, während gleichzeitig ein potenziell höheres Risiko für unerwünschte Ereignisse besteht.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es für Personen unter 65 Jahren einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren, beträchtlichen Zusatznutzen der Dreifachkombination. Für Personen ab 65 Jahren ist kein Zusatznutzen belegt.
Die Bewertung schloss die Studie aus, da unklar war, ob die Behandelten die Zulassungskriterien für die Vergleichstherapie mit Bortezomib erfüllten. Zudem wurde Bortezomib in der Studie teilweise länger als zugelassen verabreicht.
Die intravenöse Gabe startet im ersten Zyklus an den ersten beiden Tagen mit 20 mg/m2 und wird dann auf 27 mg/m2 gesteigert. Ab dem 13. Zyklus reduziert sich die Anzahl der monatlichen Anwendungstage.
Der Bericht stellt fest, dass unter der Kombination mit Carfilzomib höhere Ereignisraten für schwerwiegende und schwere unerwünschte Ereignisse möglich sind. Eine genaue Quantifizierung war aufgrund methodischer Mängel der eingereichten Daten jedoch nicht möglich.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A17-38: Carfilzomib (multiples Myelom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.