IQWiG2016Onkologie

Ramucirumab bei NSCLC: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A16-11 aus dem Jahr 2016 bewertet den Zusatznutzen von Ramucirumab in Kombination mit Docetaxel. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).

Voraussetzung für die Behandlung in diesem Setting ist ein Tumorprogress nach einer platinhaltigen Chemotherapie. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Monotherapie mit Docetaxel festgelegt.

Die Bewertung basiert primär auf den randomisierten, doppelblinden und kontrollierten Studien REVEL und JVCG. In diesen Studien wurde die Kombination aus Ramucirumab und Docetaxel gegen Placebo und Docetaxel verglichen.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert basierend auf den Studiendaten differenzierte Aussagen zum Zusatznutzen. Die Ergebnisse zeigen eine starke Abhängigkeit vom Alter der behandelten Personen.

Personen unter 65 Jahren

Für diese Altersgruppe zeigt die Auswertung einen Beleg für einen Zusatznutzen beträchtlichen Ausmaßes beim Gesamtüberleben. Dem stehen jedoch negative Effekte bei den Nebenwirkungen gegenüber.

Laut Bewertung ergibt sich in der Gesamtschau für Personen unter 65 Jahren ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen von Ramucirumab in Kombination mit Docetaxel gegenüber der alleinigen Docetaxel-Gabe.

Personen ab 65 Jahren

Bei älteren Personen konnte kein Überlebensvorteil durch die Kombinationstherapie nachgewiesen werden. Stattdessen verbleiben ausschließlich negative Effekte im Bereich der Nebenwirkungen.

Zusammenfassend stellt der Bericht für die Subgruppe ab 65 Jahren einen Beleg für einen geringeren Nutzen der Kombinationstherapie im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie fest.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Die Analyse der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigt für die Kombinationstherapie spezifische Risiken auf. Der Bericht dokumentiert folgende negative Effekte im Vergleich zur Monotherapie:

  • Beleg für einen höheren Schaden durch Studienabbrüche wegen UE sowie durch febrile Neutropenien (CTCAE-Grad ≥ 3)

  • Hinweis auf einen höheren Schaden durch Stomatitis (CTCAE-Grad ≥ 3)

  • Anhaltspunkt für einen höheren Schaden durch schwere UE generell (CTCAE-Grad ≥ 3)

Zusätzlich wird ein höheres Risiko für Blutungen und Hämorrhagien bei Personen mit Nicht-Plattenepithelkarzinom beschrieben. Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Symptomatik ließ sich laut Dossierbewertung kein Zusatznutzen belegen.

Dosierung

Die in den bewerteten Studien (REVEL und JVCG) angewendeten Dosierungsschemata für die Kombinationstherapie stellen sich wie folgt dar:

MedikamentDosierungApplikation
Ramucirumab10 mg/kg Körpergewichtintravenöse Infusion über ca. 60 Minuten
Docetaxel (REVEL-Studie)75 mg/m2 Körperoberflächeintravenöse Infusion über 60 Minuten, im Anschluss an Ramucirumab
Docetaxel (JVCG-Studie)60 mg/m2 Körperoberflächeintravenöse Infusion über 60 Minuten, im Anschluss an Ramucirumab

Die Behandlung erfolgte in den Studien in Zyklen von jeweils 3 Wochen. Laut Studienprotokoll wurde die Therapie bis zur Krankheitsprogression, inakzeptabler Toxizität oder dem Abbruch durch Arzt oder behandelte Person fortgeführt.

Als Prämedikation wurde die Gabe von Histamin-H1-Antagonisten (z. B. Diphenhydramin) empfohlen. Zusätzlich erfolgte eine Prämedikation mit Kortikosteroiden wie Dexamethason.

Kontraindikationen

Gemäß den Einschlusskriterien der bewerteten Studien waren bestimmte Vor- und Begleittherapien nicht zugelassen.

Folgende Behandlungen waren in den Studien ausgeschlossen:

  • Vorbehandlung mit Docetaxel

  • Zusätzliche Chemotherapie neben der Studienmedikation

  • Strahlentherapie mit kurativer Zielsetzung

  • Immunmodulatoren

  • Beginn einer Behandlung mit Bisphosphonaten oder RANK-L-Inhibitoren

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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht zeigt eine deutliche Altersabhängigkeit des Therapieeffekts auf. Während bei Personen unter 65 Jahren ein Überlebensvorteil belegt ist, überwiegen bei Personen ab 65 Jahren die toxischen Effekte ohne nachweisbaren Nutzen beim Gesamtüberleben. Es wird in der Bewertung zudem auf ein signifikant erhöhtes Risiko für schwere febrile Neutropenien und Blutungen, insbesondere bei Nicht-Plattenepithelkarzinomen, hingewiesen.

Häufig gestellte Fragen

Der IQWiG-Bericht belegt einen geringen Zusatznutzen für Personen unter 65 Jahren. Bei Personen ab 65 Jahren wird hingegen ein geringerer Nutzen im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie festgestellt.

Die Bewertung bezieht sich auf Personen mit Tumorprogress nach einer platinhaltigen Chemotherapie. Eine vorherige Behandlung mit Docetaxel war in den zugrundeliegenden Studien ein explizites Ausschlusskriterium.

Laut Bericht kommt es unter der Kombinationstherapie signifikant häufiger zu febrilen Neutropenien und Stomatitis. Zudem wird ein erhöhtes Risiko für Blutungen bei Nicht-Plattenepithelkarzinomen beschrieben.

In den Zulassungsstudien wurde Ramucirumab in einer Dosierung von 10 mg/kg Körpergewicht alle drei Wochen verabreicht. Die Gabe erfolgte als intravenöse Infusion vor der Applikation von Docetaxel.

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Quelle: IQWiG A16-11: Ramucirumab (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2016). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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