Aromatasehemmer bei Mammakarzinom: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Aromatasehemmer sind ein zentraler Bestandteil der endokrinen Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs. Sie blockieren die körpereigene Östrogensynthese und zielen darauf ab, das Rückfallrisiko zu senken und das Überleben zu verlängern.
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2016 bewertet den Nutzen dieser Wirkstoffklasse. Untersucht wurden die in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe Anastrozol, Exemestan und Letrozol.
Die systematische Bewertung vergleicht die Aromatasehemmer primär mit Tamoxifen oder Placebo. Dabei wird detailliert zwischen dem frühen und dem fortgeschrittenen Mammakarzinom sowie verschiedenen Therapiestrategien (Upfront-, Switch- und erweiterte Therapie) differenziert.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht liefert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit der Aromatasehemmer:
Frühes Mammakarzinom: Upfront- und Switchtherapie
Für die primäre Therapie ohne Vorbehandlung (Upfronttherapie) sowie den Wechsel nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen (Switchtherapie) zeigt der Bericht einen Zusatznutzen der Aromatasehemmer gegenüber Tamoxifen.
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Es zeigt sich ein Vorteil im Gesamtüberleben und in der Rezidivfreiheit (DFS).
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Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und thromboembolische Ereignisse treten seltener auf.
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Als negativer Effekt wird ein höheres Frakturrisiko unter Aromatasehemmern im Vergleich zu Tamoxifen festgestellt.
Frühes Mammakarzinom: Erweiterte und neoadjuvante Therapie
Für die erweiterte Therapie mit Letrozol nach einer fünfjährigen Tamoxifenbehandlung gibt es laut Bericht in der Gesamtschau keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen im Vergleich zu Placebo. Zwar gibt es Hinweise auf eine verbesserte Rezidivfreiheit, jedoch stehen dem vermehrte Therapieabbrüche und ein potenziell höheres Frakturrisiko gegenüber.
Für die neoadjuvante Therapie mit Letrozol wurden keine relevanten Studien identifiziert. Ein Nutzen ist hierfür laut Auswertung nicht belegt.
Fortgeschrittenes Mammakarzinom
Bei fortgeschrittenen Tumorstadien zeigt die Auswertung keinen belegten Zusatznutzen der Aromatasehemmer.
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In der Erstlinientherapie (Anastrozol, Letrozol) gibt es keinen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen gegenüber Tamoxifen.
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Für die Zweit- und Drittlinientherapie fehlen laut IQWiG relevante Studien, die einen Nutzen belegen.
Wirkstoffvergleich und Zulassungsstatus
Aussagekräftige direkt vergleichende Studien zwischen den einzelnen Aromatasehemmern liegen kaum vor, weshalb kein genereller Vor- oder Nachteil eines spezifischen Wirkstoffs abgeleitet wird. Die folgende Tabelle fasst die bewerteten Wirkstoffe und ihre Ergebnisse in den untersuchten Therapiestrategien beim frühen Mammakarzinom zusammen:
| Wirkstoff | Upfronttherapie (vs. Tamoxifen) | Switchtherapie (vs. Tamoxifen) | Erweiterte Therapie (vs. Placebo) |
|---|---|---|---|
| Anastrozol | Zusatznutzen belegt | Zusatznutzen belegt | Nicht zugelassen |
| Exemestan | Nicht zugelassen | Zusatznutzen belegt | Nicht zugelassen |
| Letrozol | Zusatznutzen belegt | Nicht zugelassen / bewertet | Kein Nutzen belegt |
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt ein charakteristisches Nebenwirkungsprofil der Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen hervor. Während schwerwiegende thromboembolische Ereignisse seltener auftreten, wird ein signifikant höheres Risiko für Knochenfrakturen verzeichnet. Die Datenlage unterstreicht die Relevanz knochenspezifischer unerwünschter Ereignisse unter dieser Therapieform.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht bieten Aromatasehemmer in der primären Therapie (Upfront) und beim Wechsel nach Vorbehandlung (Switch) einen Zusatznutzen. Es zeigt sich ein Vorteil beim Gesamtüberleben und der Rezidivfreiheit gegenüber Tamoxifen.
Der Bericht stellt fest, dass aussagekräftige direkt vergleichende Studien zwischen Anastrozol, Letrozol und Exemestan fehlen. Es lässt sich daher kein genereller Vor- oder Nachteil für einen spezifischen Wirkstoff ableiten.
Im Vergleich zu Tamoxifen verursachen Aromatasehemmer seltener schwerwiegende unerwünschte und thromboembolische Ereignisse. Allerdings weist die Auswertung auf ein deutlich erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen hin.
Für die erweiterte Therapie mit Letrozol nach einer fünfjährigen Tamoxifenbehandlung sieht das IQWiG keinen belegten Nutzen. Einer potenziell verbesserten Rezidivfreiheit stehen vermehrte Therapieabbrüche und mögliche Frakturrisiken gegenüber.
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Quelle: IQWiG A10-03: Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau (IQWiG, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.