Intestinale Motilitätsstörung: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Intestinale Motilitätsstörungen beruhen auf einer neuromuskulären Dysfunktion von Dünn- und/oder Dickdarm einschließlich des Rektums. Sie können primär auftreten oder sekundär infolge anderer Erkrankungen entstehen.
Pathophysiologisch wird laut der AWMF-Leitlinie zwischen intestinalen Neuropathien, Myopathien und Mesenchymopathien unterschieden. Auch Mischformen kommen vor und erschweren oft die exakte Zuordnung.
Zu den etablierten Krankheitsbildern zählen die chronische intestinale Pseudoobstruktion (CIPO), die akute kolonische Pseudoobstruktion (ACPO), das idiopathische Megakolon (IMC) und der Morbus Hirschsprung. Zudem werden die "Slow Transit Constipation" (STC) und anorektale Funktionsstörungen dazugezählt.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass die Symptomatik allein keine sichere Differenzierung zwischen einer mechanischen Obstruktion und einer schweren Motilitätsstörung zulässt. Es wird betont, dass bildgebende Untersuchungen zum Ausschluss eines mechanischen Hindernisses stets vorrangig erfolgen sollen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine aussagekräftige histologische Diagnostik in der Regel tiefe Rektumbiopsien oder Ganzwandbiopsate erfordert, da konventionelle Mukosabiopsien die tieferen neuromuskulären Strukturen nicht erfassen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt zunächst eine rein supportive Therapie. Erst wenn sich das klinische Bild nach 1 bis 2 Tagen nicht bessert, wird eine medikamentöse oder endoskopische Dekompression empfohlen.
Es wird dringend davon abgeraten, Schmerzen bei CIPO mit Opioiden zu behandeln. Laut Leitlinie verschlechtern Opioide die Motilitätsstörung und können die abdominellen Beschwerden weiter aggravieren.
Als Referenzverfahren gilt die Etagenbiopsie des Rektums (Saugbiopsie) mit anschließender histopathologischer Untersuchung. Die Leitlinie empfiehlt hierbei die Bestimmung der Acetylcholinesterase-Aktivität oder den Einsatz immunhistochemischer Verfahren.
Bei unzureichendem Effekt von Ballaststoffen und konventionellen Laxanzien können laut Leitlinie Prokinetika wie Prucaloprid oder Sekretagoga wie Linaclotid erwogen werden. Oft sind Kombinationstherapien aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen erforderlich.
Zur Behandlung einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms wird der Einsatz des topischen Antibiotikums Rifaximin empfohlen. Bei häufigen Rezidiven kann eine zyklische, präventive Antibiotikagabe sinnvoll sein.
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Quelle: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der intestinalen Motilitätsstörung (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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