Internetnutzungsstörungen: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die Nutzung des Internets ist stark in das alltägliche Leben integriert und in den meisten Fällen unproblematisch. Bei einem Teil der Nutzer können jedoch schwerwiegende psychische, soziale und finanzielle Probleme durch eine suchtartige Nutzung entstehen.
Der Begriff der Internetnutzungsstörungen dient als Oberbegriff für verschiedene Formen der exzessiven Nutzung. Hierzu zählen unter anderem die Computerspielstörung, die Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung, die Shoppingstörung und die Pornografie-Nutzungsstörung.
Die Computerspielstörung ist mittlerweile in der ICD-11 als eigenständige Diagnose anerkannt. Für die anderen Formen existieren Kriterien, die eine Einordnung als andere spezifizierte Störungen aufgrund süchtigen Verhaltens ermöglichen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die strikte Trennung von Screening und Diagnosestellung. Fragebogenverfahren im Selbstbericht eignen sich ausschließlich für die Ableitung einer Verdachtsdiagnose, während für eine gesicherte Diagnose zwingend ein klinisches Interview (wie das AICA-SKI-IBS) durchgeführt werden soll.
Häufig gestellte Fragen
Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie die Internet Gaming Disorder Scale-Short-Form (IGDS9-SF) oder den Gaming Disorder Test (GDT). Bei Kindern und Jugendlichen sollten die Computerspielabhängigkeitsskala (CSAS) oder die Gaming Disorder Scale (GADIS) eingesetzt werden.
Eine primäre Pharmakotherapie existiert nicht, die Behandlung orientiert sich an Komorbiditäten. Bei einer Computerspielstörung mit komorbider Depression kann laut Leitlinie Bupropion oder Escitalopram erwogen werden, bei komorbider ADHS Methylphenidat oder Atomoxetin.
Die Leitlinie empfiehlt als erste Wahl eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Ergänzend sollten eine Modifikation störungsspezifischer kognitiver Verzerrungen sowie (teil-)abstinenzorientierte Verfahren eingeleitet werden.
Es wird eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Von einer rein medikamentösen Behandlung der Shoppingstörung rät die Leitlinie explizit ab.
Bei der Behandlung von Minderjährigen sollen störungsspezifische verhaltenstherapeutische Elemente inklusive Psychoedukation angewendet werden. Die Leitlinie betont, dass Eltern und Angehörige zwingend in die Behandlung integriert werden sollten.
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Quelle: S3-Leitlinie Pathologisches Glücksspiel und Glücksspielstörung (AWMF, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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