Cannabisbezogene Störungen: S3-Leitlinie DGPPN
Hintergrund
Die S3-Leitlinie der DGPPN (2025) adressiert die steigende Behandlungsnachfrage bei cannabisbezogenen Störungen. Sie bietet evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Da weltweit keine Medikamente zur Entwöhnung oder Rückfallprophylaxe zugelassen sind, liegt der therapeutische Schwerpunkt auf psychosozialen Interventionen. Pharmakologische Ansätze erfolgen ausschließlich im Off-Label-Use.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit altersgerechter Behandlungssettings. Bei Minderjährigen wird zudem der Einbezug des familiären Umfelds als essenziell erachtet.
Empfehlungen
Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen
Laut Leitlinie wird der Einsatz von motivierenden Interventionen (MET) zur Reduktion des Cannabiskonsums empfohlen (schwache Empfehlung). Diese sollten idealerweise mit Psychoedukation und kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) kombiniert werden.
Zusätzlich wird der Einsatz familienbasierter Ansätze wie der Multidimensionalen Familientherapie (MDFT) empfohlen (schwache Empfehlung). Die Leitlinie betont, dass Familienangehörige eng in den Behandlungsprozess einbezogen werden sollen (Expertenkonsens).
Psychotherapie bei Erwachsenen
Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie ebenfalls motivierende Interventionen und KVT zur Konsumreduktion (schwache Empfehlung). Zur Steigerung der Effektivität kann ein abstinenzorientiertes Kontingenzmanagement zusätzlich eingesetzt werden.
Digitale Gesundheitsanwendungen
Bei veränderungsmotivierten Konsumierenden wird das Online-Programm "Quit the Shit" empfohlen (Expertenkonsens). Digitale Interventionen, die MET, KVT und Kontingenzmanagement vereinen, sollten nach Verfügbarkeit angeboten werden.
Pharmakotherapie und Entzug
Es gibt keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung cannabisbezogener Störungen. Die Leitlinie formuliert folgende spezifische Hinweise:
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THC-haltige Präparate und Cannabidiol (CBD) sollen nicht zur Rückfallprävention eingesetzt werden (starke Empfehlung).
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Bei ausgeprägten Entzugssymptomen kann befristet Gabapentin unter Risiko-Nutzen-Abwägung erwogen werden (schwache Empfehlung).
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Bei Jugendlichen können sedierende niedrig- bis mittelpotente Antipsychotika kurzzeitig beim Entzugssyndrom eingesetzt werden (Expertenkonsens).
Cannabis-Hyperemesis-Syndrom
Bei Vorliegen eines Cannabis-Hyperemesis-Syndroms wird die Einleitung einer strikten Cannabisabstinenz gefordert (starke Empfehlung). Cannabinoidhaltige Arzneimittel sind in diesem Fall kontraindiziert.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für den Off-Label-Use zur symptomatischen Behandlung von Entzugsbeschwerden:
| Wirkstoff | Indikation/Zielgruppe | Dosierung |
|---|---|---|
| Gabapentin | Ausgeprägte Entzugssymptome (Erwachsene) | Zieldosis 1200 mg/d (Start mit 300 mg/d, Steigerung an Tag 2-4 auf 300 mg 1-1-2) |
| Chlorprothixen | Entzugssyndrom (Kinder/Jugendliche) | 15-30 mg als Einzeldosis (bis zu 4x täglich), max. 2-3 Wochen |
| Promethazin | Entzugssyndrom (Kinder/Jugendliche) | 25 mg als Einzeldosis (bis zu 4x täglich), max. 2-3 Wochen |
| Melperon | Entzugssyndrom (Kinder/Jugendliche) | 25 mg als Einzeldosis (bis zu 4x täglich), max. 2-3 Wochen |
Es wird betont, dass diese medikamentösen Ansätze nur befristet und unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen sollen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sind cannabinoidhaltige Arzneimittel bei einem Cannabis-Hyperemesis-Syndrom strikt kontraindiziert.
Zudem wird explizit davon abgeraten, THC-haltige Cannabinoidpräparationen oder Cannabidiol (CBD) zur Rückfallprävention oder Abstinenzerhaltung bei cannabisbezogenen Störungen einzusetzen.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiges klinisches Bild bei langjährigem Konsum ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom, welches sich durch zyklisches Erbrechen äußert. Die Leitlinie betont, dass hierbei die Einleitung einer strikten Cannabisabstinenz die einzige kausale Therapie darstellt. Die Gabe von medizinischen Cannabinoiden zur Linderung der Übelkeit ist in diesem Fall kontraindiziert und verschlechtert die Symptomatik.
Häufig gestellte Fragen
Nein, laut Leitlinie sind weltweit keine Medikamente zur Entwöhnung oder Rückfallprophylaxe zugelassen. Pharmakologische Behandlungen erfolgen ausschließlich im Off-Label-Use als Heilversuch.
Die Leitlinie empfiehlt eine Kombination aus motivierender Gesprächsführung (MET) und kognitiver Verhaltenstherapie (KVT). Zudem wird der Einsatz familienbasierter Ansätze wie der Multidimensionalen Familientherapie (MDFT) stark befürwortet.
Bei Erwachsenen kann befristet Gabapentin unter strenger Indikationsstellung erwogen werden. Bei Jugendlichen nennt die Leitlinie den kurzzeitigen Einsatz sedierender, niedrigpotenter Antipsychotika wie Promethazin oder Chlorprothixen.
Es handelt sich um ein Syndrom mit zyklischem Erbrechen, das nach langjährigem Cannabiskonsum auftreten kann. Die Leitlinie stellt klar, dass die Symptome nur durch eine anhaltende Cannabisabstinenz gebessert werden können.
Ja, die Leitlinie empfiehlt für veränderungsmotivierte Konsumierende spezifische Online-Programme. Insbesondere das Programm "Quit the Shit" wird als wirksame digitale Intervention hervorgehoben.
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Quelle: S3-Leitlinie Behandlung cannabisbezogener Störungen (DGPPN, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.