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AWMFS32021Suchtmedizin

Alkoholbezogene Störungen: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Riskanter Konsum beginnt bei gesunden Erwachsenen bei >24 g/Tag (Männer) bzw. >12 g/Tag (Frauen).
  • Zum Screening auf alkoholbezogene Störungen soll primär der AUDIT oder die Kurzform AUDIT-C eingesetzt werden.
  • Für den Nachweis von akutem Konsum eignen sich Ethanol (Atem/Blut) sowie EtG und EtS (Urin).
  • Chronischer Konsum sollte über PEth (Blut) oder EtG (Haare) nachgewiesen werden, da diese direkten Marker indirekten Markern überlegen sind.
  • Bei Schwangeren weisen Fragebögen eine unzureichende Sensitivität auf; hier sollen Biomarker (EtG, FAEEs, PEth) genutzt werden.
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Hintergrund

Alkoholbezogene Störungen gehören zu den häufigsten Diagnosen in deutschen Krankenhäusern. In Deutschland konsumieren etwa 18,1 % der Erwachsenen Alkohol in riskanten Mengen. Die S3-Leitlinie zielt darauf ab, die Früherkennung (Screening) und Diagnostik zu verbessern, da die Erkrankung im klinischen Alltag oft unterdiagnostiziert oder bagatellisiert wird.

Definitionen und Grenzwerte

Die Leitlinie definiert klare Grenzen für den Alkoholkonsum bei gesunden Erwachsenen (nicht gültig für Schwangere, Jugendliche oder Kranke):

KonsumformMännerFrauen
Risikoarmer Konsum≤ 24 g/Tag≤ 12 g/Tag
Riskanter Konsum> 24 g/Tag> 12 g/Tag
Rauschtrinken (Binge Drinking)≥ 5 Standardgetränke/Gelegenheit≥ 4 Standardgetränke/Gelegenheit

Screening-Instrumente

Für das Screening in der medizinischen Grundversorgung (z. B. Hausarztpraxis, Notaufnahme, Allgemeinkrankenhaus) werden strukturierte Fragebögen empfohlen:

  • Empfehlungsgrad A: Zum Screening auf riskanten oder schädlichen Konsum sowie Abhängigkeit soll der AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test) eingesetzt werden.
  • KKP (Klinischer Konsenspunkt): Wenn der AUDIT im Alltag zu aufwendig ist, soll die Kurzform AUDIT-C verwendet werden.
  • Cut-offs für Deutschland: Beim AUDIT wird ein Cut-off von 5 Punkten für Männer und 4 Punkten für Frauen empfohlen, um eine optimale Sensitivität zu erreichen.

Biomarker und Labordiagnostik

Zur Objektivierung des Konsums und zur Abstinenzkontrolle spielen Zustandsmarker eine zentrale Rolle. Direkte Ethanolmetabolite sind indirekten Markern (wie GGT, MCV oder CDT) in Sensitivität und Spezifität deutlich überlegen.

Marker-TypParameterProbenmaterialIndikationEvidenz
Akuter KonsumEthanolAtemluft, BlutAkute IntoxikationEmpfehlungsgrad A
Akuter KonsumEtG, EtSUrinKürzlicher Konsum (Tage), AbstinenzkontrolleEmpfehlungsgrad A
Chronischer KonsumPEthBlutExzessiver Konsum, RückfalldiagnostikEmpfehlungsgrad B
Chronischer KonsumEtG, EtPaHaareLangzeitverlaufEmpfehlungsgrad B
Indirekte MarkerGGT, MCV, CDTBlutKombination zur Erhöhung der diagnostischen GüteEmpfehlungsgrad A

Schwangerschaft

  • Empfehlungsgrad A: Alle Schwangeren sollen dahingehend beraten werden, dass jeglicher Alkoholkonsum in der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit schädlich für das Ungeborene ist.
  • Da Fragebögen bei Schwangeren eine unzureichende Sensitivität aufweisen, sollen zum Nachweis Biomarker wie EtG (Urin), FAEEs (Haar) oder PEth (Blut) eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie im klinischen Alltag den kurzen AUDIT-C Fragebogen für ein schnelles Screening. Zur strikten Abstinenzkontrolle (z.B. vor Organtransplantationen) ist die Bestimmung von EtG im Urin (Cut-off 0,1 mg/L) oder PEth im Blut deutlich zuverlässiger als die reine Patientenanamnese.

Häufig gestellte Fragen

Bei gesunden Erwachsenen liegt die Grenze für riskanten Konsum bei >24 g Reinalkohol pro Tag für Männer und >12 g für Frauen.
Die Leitlinie empfiehlt primär den AUDIT. Bei Zeitmangel im klinischen Alltag sollte die Kurzform AUDIT-C eingesetzt werden.
Direkte Zustandsmarker wie Phosphatidylethanol (PEth) im Blut oder Ethylglucuronid (EtG) in den Haaren weisen die höchste Sensitivität und Spezifität auf und korrelieren gut mit der Trinkmenge.
Ethylglucuronid (EtG) und Ethylsulfat (EtS) im Urin erlauben den Nachweis eines kürzlichen Alkoholkonsums für die Dauer von einigen Tagen und eignen sich sehr gut zur Abstinenzkontrolle.
Da Fragebögen hier eine unzureichende Sensitivität haben, sollen direkte Biomarker wie EtG (Urin), FAEEs (Haar) oder PEth (Blut) eingesetzt werden.

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