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Schwere Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik von Persönlichkeitsfunktionen sollte dimensional (z. B. mittels LPFS) statt rein kategorial erfolgen.
  • Eine tragfähige therapeutische Beziehung ist die Basis aller Therapieschritte und oft ein eigenes Behandlungsziel.
  • Patienten benötigen in der Regel eine längere und hochfrequente Psychotherapie mit einem spezifischen Behandlungsvertrag.
  • Die Versorgung muss sektorenübergreifend abgestimmt sein, wobei der Grundsatz 'ambulant vor teilstationär vor vollstationär' gilt.
  • Eine kontinuierliche hausärztliche Langzeitbegleitung wird als entscheidender Wirkfaktor dringend empfohlen.
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Hintergrund

Die Leitlinie fokussiert sich auf die schwere Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen (SBPF) als zentrale, störungsübergreifende Dimension. Persönlichkeitsfunktionen (PF) beschreiben basale psychische Fähigkeiten. Die Zielpopulation umfasst Erwachsene mit einem Punktwert von >= 2,5 auf der Level of Personality Functioning Scale (LPFS).

Die PF werden nach dem DSM-5 in zwei Hauptbereiche unterteilt:

BereichUnterkategorienBeschreibung
SelbstIdentitätErleben von Eigenständigkeit, stabiler Selbstwert, Emotionsregulation.
SelbstSelbststeuerungVerfolgen kohärenter Ziele, prosoziale Maßstäbe, produktive Selbstreflexion.
InterpersonellEmpathieVerständnis für das Erleben anderer, Toleranz für andere Sichtweisen.
InterpersonellNäheTiefe und Dauer positiver Beziehungen, Wunsch nach Nähe, gegenseitiger Respekt.

Dimensionale Diagnostik

Die Diagnostik von Beeinträchtigungen der PF sollte dimensional erfolgen und sich nicht auf kategoriale Persönlichkeitsstörungsdiagnosen beschränken (Empfehlungsgrad B). Hierfür eignet sich die LPFS, welche die Beeinträchtigung in Stufen einteilt:

StufeSchweregradMerkmale (Beispiele)
0Keine/geringKlares Selbstkonzept, stabile Beziehungen, intakte Empathie.
1LeichtRelativ intaktes Selbstkonzept, leicht eingeschränkte Empathie.
2MittelgradigVulnerabler Selbstwert, stark auf andere bezogen, oberflächliche Beziehungen.
3SchwerSchwaches Selbstkonzept, fehlende Empathie, distanzierter Umgang.
4ExtremVerwirrtes Selbstbild, Unfähigkeit andere zu verstehen, chaotische Beziehungen.

Therapie und Versorgung

Das bio-psycho-soziale Modell der ICF bildet die Grundlage aller Diagnose- und Interventionsprozesse.

  • Therapeutische Beziehung: Eine tragfähige Beziehung ist als Basis aller Therapieschritte zu etablieren und kann bei SBPF sogar ein eigenes Behandlungsziel sein (Empfehlungsgrad A).
  • Psychotherapie: Patienten benötigen in der Regel eine längere und ausreichend hochfrequente Behandlung. Es soll ein spezifischer Behandlungsvertrag angeboten werden.
  • Koordinierte Versorgung: Bei multiprofessioneller ambulanter Behandlung sollte diese durch eine beteiligte Person koordiniert werden (Empfehlungsgrad B).
  • Sektorenübergreifende Abstimmung: Ambulante und stationäre Versorgung müssen aufeinander abgestimmt werden. Es gilt der Grundsatz: ambulant vor teilstationär vor vollstationär.
  • Hausärztliche Begleitung: Eine kontinuierliche hausärztliche Langzeitbegleitung wird empfohlen. Die aktive Gestaltung der Arzt-Patient-Beziehung ist hier ein entscheidender Wirkfaktor.
  • Trialog: Eine trialogische Zusammenarbeit zwischen Patienten, Zugehörigen und Professionellen sollte angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die dimensionale Diagnostik (z. B. LPFS), um den Schweregrad der Beeinträchtigung präziser zu erfassen, anstatt sich rein auf kategoriale Diagnosen zu verlassen. Schließen Sie in der Psychotherapie stets einen spezifischen Behandlungsvertrag ab.

Häufig gestellte Fragen

Eine SBPF liegt vor, wenn die Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen auf der Level of Personality Functioning Scale (LPFS) einen Punktwert von 2,5 oder höher erreicht.
Nach DSM-5 werden Funktionen des Selbst (Identität und Selbststeuerung) sowie interpersonelle Funktionen (Empathie und Nähe) unterschieden.
Die Indikation sollte nach dem Grundsatz 'ambulant vor teilstationär vor vollstationär' gestellt werden. Eine stationäre Aufnahme ist sinnvoll, wenn die Therapieziele nur dort erreicht werden können oder ein Notfall vorliegt.
Eine kontinuierliche hausärztliche Langzeitbegleitung wird dringend empfohlen, da die verlässliche Arzt-Patient-Beziehung ein entscheidender Wirkfaktor in der Langzeitversorgung ist.

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