Infektiologie: Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für den klinischen Alltag. Ziel ist es, sowohl Über- als auch Unterversorgung in der medizinischen Betreuung zu vermeiden.
Der Fokus im Bereich der Infektiologie liegt auf dem rationalen Einsatz von Antiinfektiva, der Vermeidung unnötiger Diagnostik sowie der konsequenten Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen.
Die Leitlinie definiert klare Positiv-Empfehlungen für zwingend durchzuführende Maßnahmen sowie Negativ-Empfehlungen für Praktiken, die aufgrund fehlenden Nutzens oder potenziellen Schadens unterlassen werden sollen.
Klinischer Kontext
Infektionskrankheiten gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der hausärztlichen und internistischen Praxis. Atemwegs- und Harnwegsinfektionen machen dabei den größten Anteil der ambulanten und nosokomialen Infektionen aus.
Die Pathophysiologie beruht auf der Invasion und Vermehrung von Mikroorganismen im Wirtsgewebe, was eine systemische oder lokale Immunantwort auslöst. Eine inadäquate oder übermäßige antimikrobielle Therapie fördert jedoch die Selektion resistenter Erreger und stört das physiologische Mikrobiom.
Für behandelnde Ärzte ist die Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen sowie zwischen Kolonisation und echter Infektion essenziell. Ein rationaler Einsatz von Antiinfektiva verhindert Nebenwirkungen und reduziert die globale Ausbreitung multiresistenter Erreger.
Die Diagnostik stützt sich auf eine präzise Anamnese, klinische Untersuchung und gezielte Labordiagnostik wie Entzündungsparameter oder mikrobiologische Kulturen. Bildgebende Verfahren kommen bei spezifischen Fragestellungen zum Einsatz, um den Fokus der Infektion zu lokalisieren.
Wissenswertes
Blutkulturen sollten bei Verdacht auf eine systemische Infektion, Sepsis oder Endokarditis vor Beginn einer empirischen Antibiotikatherapie abgenommen werden. Bei unkomplizierten, lokalisierten Infektionen bei immunkompetenten Patienten im ambulanten Bereich sind sie in der Regel nicht erforderlich.
Eine asymptomatische Bakteriurie bedarf bei den meisten Patienten keiner antibiotischen Therapie, da dies das Risiko für Resistenzen erhöht. Ausnahmen bilden Schwangere und Patienten vor urologischen Eingriffen mit Schleimhautverletzungen, bei denen eine Behandlung indiziert ist.
Procalcitonin zeigt eine höhere Spezifität für bakterielle Infektionen als das C-reaktive Protein und steigt bei systemischen Infektionen schneller an. Es kann besonders bei Atemwegsinfektionen und Sepsis helfen, die Dauer der Antibiotikatherapie sicher zu verkürzen.
Bei unkomplizierten Verläufen und raschem klinischen Ansprechen ist meist eine Therapiedauer von fünf bis sieben Tagen ausreichend. Eine längere Behandlung bietet keine klinischen Vorteile, erhöht aber das Risiko für Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen.
Die Unterscheidung ist rein klinisch oft schwierig, jedoch sprechen ein schleichender Beginn, begleitende Myalgien und wässrige Rhinitis eher für eine virale Genese. Eitriger Auswurf, hohes Fieber und einseitige Thoraxschmerzen können Hinweise auf eine bakterielle Beteiligung sein, erfordern aber oft eine ergänzende Diagnostik.
Die akute Bronchitis wird in über neunzig Prozent der Fälle durch Viren verursacht, weshalb eine antibiotische Therapie meist wirkungslos ist. Eine symptomatische Behandlung steht im Vordergrund, während Antibiotika nur bei speziellen Risikopatienten oder nachgewiesener bakterieller Superinfektion erwogen werden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die Verzögerung der Antibiotikagabe bei Verdacht auf bakterielle Meningitis durch ein vorgeschaltetes Schädel-CT. Die Leitlinie betont, dass ein CT vor der Lumbalpunktion nur bei strengen Indikationen (wie fokalen Ausfällen oder schwerer Immunsuppression) erfolgen sollte und die kalkulierte Therapie keinesfalls verzögern darf.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist ein CT nur bei fokalen neurologischen Symptomen, neuen epileptischen Anfällen, einem GCS unter 10 oder intensiver Immunsuppression indiziert. In allen anderen Fällen sollte die Lumbalpunktion ohne vorherige Bildgebung erfolgen.
Es wird von einer antibiotischen Therapie der asymptomatischen Bakteriurie abgeraten, da sie das Auftreten symptomatischer Infektionen nicht verhindert. Eine Ausnahme bilden urologische Eingriffe, die mit einer Schleimhautverletzung einhergehen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Therapiedauer von mindestens 14 Tagen ab dem nachgewiesenen Ende der Candidämie. Das Ende wird durch tägliche negative Blutkulturen definiert.
Nein, der Zeitpunkt der Blutabnahme in Relation zur Körpertemperatur spielt laut Leitlinie eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist die Abnahme von mindestens zwei Blutkultur-Paaren vor Beginn der Antibiotikatherapie.
Es wird empfohlen, die angegebene Allergie vor Therapiebeginn durch einen Score (wie den PEN-FAST-Score) zu evaluieren. Da echte Allergien selten sind, kann so der unnötige Einsatz von Zweitlinienantibiotika vermieden werden.
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Quelle: DGIM Klug entscheiden: Infektiologie (20 Empfehlungen) (DGIM). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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