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Nosokomiale Pneumonie (HAP/VAP): S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Diagnose erfordert ein neues Infiltrat im Röntgenbild plus 2 von 3 Kriterien (Fieber, Leukozytose/Leukopenie, purulentes Sekret).
  • Risikofaktoren für multiresistente Erreger (MRE) wie eine vorherige Antibiotikatherapie bestimmen die kalkulierte Initialtherapie.
  • Blutkulturen und tiefe Atemwegssekrete (TBAS/BALF) sollen vor Therapiebeginn abgenommen werden; Multiplex-PCR wird nicht routinemäßig empfohlen.
  • Die Therapiedauer der HAP/VAP wird auf 7-8 Tage verkürzt.
  • Bei kritisch kranken Patienten wird eine prolongierte Infusion von Betalaktam-Antibiotika empfohlen.
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Hintergrund

Die nosokomiale Pneumonie gehört zu den häufigsten und folgenreichsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Die Leitlinie unterscheidet zwei Hauptformen:

BegriffDefinition
HAP (Hospital-acquired pneumonia)Pneumonie, die später als 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme auftritt.
VAP (Ventilator-acquired pneumonia)Pneumonie, die sich nach mindestens 3 Kalendertagen maschineller Beatmung entwickelt.

Klinische Diagnose und Scores

Die klinische Diagnose einer HAP ist eine Arbeitsdiagnose, die zeitnah zur Einleitung einer kalkulierten Therapie führen soll.

Therapierelevant ist die Verdachtsdiagnose bei folgendem Befund:

  • Neues, persistierendes oder progredientes Infiltrat in der Thorax-Röntgenaufnahme
  • Plus 2 von 3 weiteren Kriterien:
    • Leukozyten > 10.000 oder < 4.000 /µl
    • Fieber > 38,3 °C
    • Purulentes Sekret

Zur Risikobeurteilung sollen alle Patienten auf eine Sepsis evaluiert werden. Außerhalb der Intensivstation soll der qSOFA-Score genutzt werden, auf der Intensivstation Sepsis-Scores wie der SOFA-Score.

Risikofaktoren für multiresistente Erreger (MRE)

Für die kalkulierte Initialtherapie soll zwingend zwischen Patienten mit und ohne Risikofaktoren für MRE und Pseudomonas aeruginosa unterschieden werden (Starke Empfehlung).

RisikogruppeTherapierelevante Risikofaktoren
MRE (allgemein)Vorherige Antibiose (>24h in letzten 30 Tagen), Hospitalisierung ≥ 5 Tage, MRE/MRSA-Kolonisation, Septischer Schock, ARDS, Hämodialyse, Aufenthalt in Hochprävalenzland (letzte 12 Monate)
P. aeruginosaStrukturelle Lungenerkrankung (fortgeschrittene COPD, Bronchiektasen), bekannte Kolonisation durch P. aeruginosa

Diagnostik und Biomarker

Biomarker haben keine unabhängige diagnostische Aussagekraft für das Vorliegen einer HAP.

  • CRP oder Procalcitonin (PCT) sollten bei Diagnose bestimmt werden, um eine Verlaufsbeurteilung zu ermöglichen.
  • Bei Verdacht auf Sepsis soll Laktat sowie die Laborparameter für den SOFA-Score bestimmt werden.

Mikrobiologie

  • Blutkulturen sollen im Rahmen der Diagnostik entnommen werden.
  • Mindestens semiquantitative Kulturen sollen aus tiefen Atemwegsmaterialien (TBAS oder BALF) angelegt werden.
  • Eine Ausstrichdiagnostik (Grampräparat) sollte zur Validierung der Probe erfolgen.
  • Der regelhafte Einsatz von bakteriellen Multiplex-PCR-Systemen kann nicht empfohlen werden.

Mykologische Diagnostik

Bei ITS-Patienten mit HAP und Risikofaktoren für eine invasiv pulmonale Aspergillose (IPA) soll eine rasche Diagnostik erfolgen.

  • Risikofaktoren: Steroidtherapie, COPD, Leberzirrhose, Malnutrition, Verbrennungen, Diabetes, schwere Influenza- oder COVID-19-Infektion.
  • Diagnostik: Antigentest auf Galaktomannan (GM) aus der BAL (Grenzwert ≥ 1,0).

Therapieprinzipien

Die kalkulierte Therapie richtet sich nach dem individuellen MRE-Risiko und der lokalen Resistenzsituation.

  • Monotherapie vs. Kombination: Eine Kombinationstherapie wird nur noch bei Patienten mit septischem Schock und erhöhtem Risiko für MRE empfohlen. Tobramycin wird als einziges Aminoglykosid als Kombinationspartner empfohlen.
  • Betalaktame: Bei kritisch kranken Patienten wird eine prolongierte Infusion der Betalaktam-Antibiotika empfohlen.
  • Inhalative Therapie: Eine zusätzliche inhalative Antibiotikatherapie wird bei Vorliegen multiresistenter gramnegativer Erreger empfohlen.
  • Therapiedauer: Die empfohlene Therapiedauer der HAP/VAP wurde auf 7-8 Tage verkürzt. PCT-gestützte Algorithmen können zur Steuerung der Behandlungsdauer genutzt werden.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie CRP oder Procalcitonin (PCT) bei Diagnosestellung als Ausgangswert, um im Verlauf das Therapieansprechen zu evaluieren. Nutzen Sie bei Risikopatienten auf der ITS großzügig den Galaktomannan-Antigentest aus der BAL zur Aspergillus-Diagnostik.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die Pneumonie später als 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme auftritt.
Durch ein neues oder progredientes Infiltrat im Röntgen-Thorax plus 2 von 3 Kriterien: Leukozyten >10.000/<4.000/µl, Fieber >38,3 °C oder purulentes Sekret.
Die empfohlene Therapiedauer für eine HAP/VAP beträgt 7-8 Tage.
Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für multiresistente Erreger (MRE) und gleichzeitigem septischem Schock.

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