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LRTI bei Kindern mit neurologischer Beeinträchtigung (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine adäquate symptomatische Therapie (Sekretolyse, Inhalation, Physiotherapie) ist essenziell.
  • Die kalkulierte Antibiotikatherapie richtet sich nach Risikogruppen (Aminopenicillin + Betalaktamaseinhibitor vs. Piperacillin-Tazobactam).
  • Ein 'Antibiotic Timeout' nach 48-72 Stunden ist obligatorisch zur Überprüfung der Indikation.
  • Bei Verdacht auf Influenza soll frühzeitig Oseltamivir gegeben werden.
  • Palliative Aspekte und Advance Care Planning (ACP) sind bei dieser Patientengruppe besonders wichtig.
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Hintergrund

Kinder und Jugendliche mit schwerer neurologischer Beeinträchtigung (SNI) haben ein stark erhöhtes Risiko für rezidivierende und schwerwiegende untere Atemwegsinfektionen (LRTI). Ursächlich sind oft eine eingeschränkte Sekretclearance, restriktive Lungenfunktionsstörungen sowie Mikro- und Makroaspirationen bei Dysphagie. Diese Leitlinie fokussiert sich auf den rationalen Antibiotikaeinsatz (Antibiotic Stewardship).

Diagnostik

Neben der klinischen Untersuchung und Vitalzeichenkontrolle wird folgende Diagnostik empfohlen:

  • Blutentnahme: Blutbild, CRP, Transaminasen, Kreatinin, BGA. Bei schwerer Erkrankung/Sepsis Anlage von Blutkulturen.
  • Atemwegssekret: Gewinnung von möglichst tiefem Sekret (Sputum, Trachealsekret) zur bakteriologischen Untersuchung.
  • Virologie: Rachenabstrich auf Atemwegsviren (Multiplex-PCR inkl. RSV, Influenza, SARS-CoV-2).
  • MRE-Screening: Zur stationären Aufnahme (MRSA, MRGN).
  • Bildgebung: Röntgen-Thorax nur bei neu aufgetretener Hypoxämie oder unklarer Diagnose. Sonographie niederschwellig bei Verdacht auf Pleuraerguss.

Therapie und Antibiotika-Wahl

Alle Patienten sollen eine adäquate symptomatische Therapie erhalten (bedarfsgerechte Inhalation, Sekretolyse, Physiotherapie, Sauerstoffgabe bei SpO2 < 92%).

Bei Verdacht auf eine bakterielle LRTI erfolgt die kalkulierte Therapie nach Gruppeneinteilung:

GruppeIndikationEmpfohlene Therapie
Gruppe IAmbulant erworbene LRTI oder AspirationspneumonieAmpicillin-Sulbactam i.v. (150 mg/kg/Tag) oder Amoxicillin-Clavulansäure p.o. (50-80 mg/kg/Tag)
Gruppe IIChronische Lungenerkrankung und/oder Tracheostoma mit rezidivierenden LRTIPiperacillin-Tazobactam i.v. (300 mg/kg/Tag)
Kritisch krankSeptischer Schock oder Sepsis mit MultiorganversagenMeropenem plus Vancomycin i.v.

Hinweis: Bei begründetem Verdacht auf virale LRTI durch Influenza soll frühzeitig Oseltamivir (für 5 Tage) gegeben werden.

Antibiotic Timeout

Nach 48-72 Stunden muss zwingend ein "Antibiotic Timeout" zur Reevaluation erfolgen:

  • Bakterielle Infektion unwahrscheinlich: Antibiotika absetzen.
  • Zustand gebessert: Antibiotika an Antibiogramm anpassen (Deeskalation) und auf orale/enterale Gabe umstellen.
  • Zustand unverändert/verschlechtert: Supportivtherapie optimieren, Diagnostik wiederholen, ggf. Therapieeskalation (z.B. Ergänzung von Piperacillin-Tazobactam um Tobramycin oder Fosfomycin).

Therapiedauer und Palliativmedizin

Die Antibiotikatherapie soll in der Regel 5 bis 7 Tage erfolgen (bei Bronchiektasen 10-14 Tage).

Da Kinder mit SNI häufig eine begrenzte Lebenserwartung haben, muss die Therapiezielfindung individuell erfolgen. Ein Advance Care Planning (ACP) und pädiatrische Vorausverfügungen (pedVVN) helfen, in Notfallsituationen im Sinne des Patienten zu handeln. Die Linderung leidvoller Symptome (Dyspnoe, Schmerz) hat stets höchste Priorität.

💡Praxis-Tipp

Legen Sie das 'Antibiotic Timeout' bereits bei der Anordnung der ersten Antibiotikagabe auf 48-72 Stunden fest. Prüfen Sie bei fehlendem Ansprechen immer zuerst, ob das Sekretmanagement (Supportivtherapie) optimiert werden kann, bevor Sie das Antibiotikum eskalieren.

Häufig gestellte Fragen

Empfohlen wird ein Aminopenicillin plus Betalaktamaseinhibitor, wie Ampicillin-Sulbactam i.v. oder Amoxicillin-Clavulansäure p.o./per Sonde.
Ein Antibiotic Timeout zur Überprüfung der Indikation und möglichen Deeskalation soll nach 48 bis 72 Stunden stattfinden.
Die Therapiedauer beträgt in der Regel 5 bis 7 Tage. Bei Vorliegen von Bronchiektasen wird eine Dauer von 10 bis 14 Tagen empfohlen.
Kritisch kranke Patienten mit septischem Schock oder Sepsis mit Multiorganversagen sollten primär mit Meropenem plus Vancomycin behandelt werden.

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