DGPS32024Pneumologie

Nosokomiale Pneumonie: DGP S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGP (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die nosokomiale Pneumonie, einschließlich der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP), stellt eine der häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen dar. Sie geht mit einer signifikanten Morbidität und Letalität einher.

Die S3-Leitlinie der DGP (2024) liefert evidenzbasierte Strategien für das klinische Management. Ein zentraler Aspekt ist die Anpassung an veränderte Erregerprofile und zunehmende Antibiotikaresistenzen.

Die Unterscheidung zwischen Personen mit und ohne Risikofaktoren für multiresistente Erreger (MRE) bildet die Grundlage der Therapieentscheidung. Zudem wird die Bedeutung von Antibiotic Stewardship (ABS) zur Vermeidung weiterer Resistenzen betont.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik

Die Leitlinie empfiehlt die klinische Diagnose bei neuem Infiltrat im Röntgen-Thorax plus zwei von drei Kriterien (Leukozytenabweichung, Fieber, purulentes Sekret).

Es wird die Abnahme von Blutkulturen sowie die Gewinnung von tiefen Atemwegsmaterialien (TBAS oder BALF) für semiquantitative Kulturen empfohlen (starke Empfehlung).

Der routinemäßige Einsatz einer bakteriellen Multiplex-PCR wird laut Leitlinie nicht empfohlen.

Bei Intensivpatienten mit Risikofaktoren (z. B. Steroidtherapie, COPD, schwere Virusinfektion) wird eine Diagnostik auf Aspergillus mittels Galaktomannan-Antigentest aus der BALF empfohlen.

Therapie

Es wird ein sofortiger Therapiebeginn empfohlen, bei septischem Schock innerhalb der ersten Stunde.

Die kalkulierte Initialtherapie richtet sich nach dem Risiko für MRE und Pseudomonas aeruginosa:

  • Ohne MRE-Risiko: Aminopenicilline mit Betalaktamase-Inhibitor oder Cephalosporine der Gruppe 3a

  • Mit MRE-Risiko: Piperacillin/Tazobactam, Cefepim oder Meropenem

  • Bei septischem Schock plus MRE-Risiko: Kombinationstherapie (z. B. Betalaktam plus Aminoglykosid oder Fluorchinolon)

Für kritisch kranke Personen wird eine prolongierte Infusion geeigneter Betalaktam-Antibiotika nach einer initialen Bolusgabe empfohlen.

Reevaluation und Therapiedauer

Die Leitlinie empfiehlt eine klinische und mikrobiologische Reevaluation nach 48 bis 72 Stunden.

Bei klinischer Stabilisierung und vorliegendem Antibiogramm wird eine Deeskalation und Fokussierung der Therapie empfohlen.

Die empfohlene Therapiedauer beträgt bei gutem Ansprechen 7 bis 8 Tage.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungen für die kalkulierte und gezielte Therapie. Bei kritisch kranken Personen wird für Betalaktame häufig eine prolongierte Infusion empfohlen.

WirkstoffStandarddosierungIndikation / Bemerkung
Amoxicillin/Clavulansäure3-mal 2,2 g i.v.Ohne MRE-Risiko
Ampicillin/Sulbactam3-mal 3 g i.v. (> 80 kg: 4-mal 3 g)Ohne MRE-Risiko
Ceftriaxon1-mal 2 g i.v.Ohne MRE-Risiko
Piperacillin/Tazobactam4-mal 4,5 g i.v. (über 30 min oder 3-4 h)Mit MRE-Risiko / Prolongierte Infusion bei Sepsis
Meropenem3-mal 1 g i.v. (bei P. aeruginosa 3-mal 2 g)Mit MRE-Risiko / Prolongierte Infusion bei Sepsis
VancomycinInitial 15-20 mg/kg i.v.Bei MRSA-Verdacht (Erhaltungsdosis nach TDM)
Linezolid2-mal 0,6 g i.v. oder p.o.Bei MRSA-Verdacht oder Betalaktam-Allergie

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von einer kalkulierten Monotherapie mit Ceftazidim bei HAP/VAP ab, da die Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus und Pneumokokken unzureichend ist.

Es wird darauf hingewiesen, dass eine routinemäßige inhalative Antibiotikatherapie zusätzlich zur systemischen Therapie nicht durchgeführt werden sollte.

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💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unkritische Fortführung einer Breitspektrumtherapie. Es wird nachdrücklich empfohlen, die Therapie nach 48 bis 72 Stunden zu reevaluieren und bei klinischer Stabilisierung sowie Vorliegen mikrobiologischer Befunde konsequent zu deeskalieren. Zudem wird betont, dass eine prolongierte Infusion von Betalaktam-Antibiotika bei kritisch kranken Personen das klinische Outcome verbessern kann.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei einem guten klinischen Ansprechen eine Therapiedauer von 7 bis 8 Tagen empfohlen. Bei speziellen Erregern wie Staphylococcus aureus mit Bakteriämie sind längere Behandlungszeiten erforderlich.

Eine kalkulierte Kombinationstherapie wird empfohlen, wenn ein septischer Schock vorliegt und gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für multiresistente Erreger besteht. In anderen Fällen ist meist eine Monotherapie ausreichend.

Die Leitlinie empfiehlt den regelhaften Einsatz von bakteriellen Multiplex-PCR-Systemen bei Verdacht auf nosokomiale Pneumonie nicht. Die Diagnostik sollte primär auf konventionellen Kulturen basieren.

Es wird empfohlen, nach einer initialen Kurzinfusion (Loading Dose) eine prolongierte Infusion über 3 bis 4 Stunden durchzuführen. Bei hohem Risiko für Pseudomonas aeruginosa wird die hohe Dosierung von 4-mal 4,5 g empfohlen.

Bei Intensivpatienten mit Risikofaktoren wie Steroidtherapie, COPD, Leberzirrhose oder schwerer Virusinfektion (Influenza/COVID-19) wird bei Verdacht eine rasche Diagnostik mittels Galaktomannan-Antigentest aus der BALF empfohlen.

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Quelle: DGP S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie (Version 3.0) (DGP, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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